3 min
Lesezeit
Teurer Dauerauftrag ins Ausland
Der Iran-Krieg zeigt einmal mehr: Unsere Wirtschaft hängt noch immer am Tropf fossiler Energien. Konflikte in fernen Regionen entscheiden damit nicht nur über die Weltpolitik, sondern auch über Preise an der heimischen Zapfsäule – und über unsere Konjunktur gleich mit.
Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: stark steigende Ölund Gaspreise, ein spürbarer Dämpfer für die Stimmung der Unternehmen, Milliardenverluste an den Börsen. Die Aussicht auf einen Aufschwung? Vorläufig vertagt.
Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Ob Golfkrieg, Ukrainekrieg oder jetzt der Iran-Konflikt – fast immer geht es auch um Energie. Oder zugespitzt: Unsere Volkswirtschaft wirkt bisweilen wie ein Abhängiger, der nervös wird, sobald der „schwarze Stoff“ teurer oder knapper wird.
Die Konsequenz liegt auf der Hand und ist zugleich unbequem. Ein einfaches „Weiter so“ kann es nicht geben. Aber ebenso wenig hilft die Illusion, man könne mit ein paar Gesetzen kurzfristig komplett auf erneuerbare Energien umstellen. Weltweit liegt ihr Anteil am Energieverbrauch bei rund 15 Prozent, in Deutschland bei etwa 20 Prozent. Fossile Energien werden uns also noch lange begleiten.
Und damit sind wir beim eigentlichen Kern des Problems – einem ziemlich teuren Dauerauftrag: Deutschland überweist jedes Jahr rund 2,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung für fossile Energieimporte ins Ausland etwa 1.000 Euro pro Kopf. Anderswo entstehen davon Wolkenkratzer im Sand und neue Inseln im Meer. Jede Kilowattstunde aus Wind oder Sonne wirkt dagegen wie ein kleines Konjunkturprogramm im Inland: weniger Importe, mehr Wertschöpfung vor Ort.
Erneuerbare Energien sorgen schon heute dafür, dass Deutschland jährlich rund 25 Milliarden Euro weniger ins Ausland überweist. Umso bemerkenswerter ist die aktuelle Linie im Gasministerium: Statt den Netzausbau zu beschleunigen, wird der Ausbau erneuerbarer Energien mit Verweis auf fehlende Netze gedrosselt. Ökonomisch ist das zu kurz gedacht.
Natürlich ist die Energiewende kein Selbstläufer. Netze, Speicher, Flächen, Akzeptanz – all das bleibt herausfordernd. Auch Zielkonflikte gehören dazu. Diese Spannungen vor Ort auszuhalten und vernünftig zu lösen, ist mindestens so wichtig wie große Ausbauziele in Berlin.
Gerade deshalb lohnt sich der Blick in unsere Region. Ein Vorreiter ist Heidenrod: Dort trägt der Windpark mit seinen zwölf Anlagen seit Jahren maßgeblich zur Gewerbesteuer bei und hat geholfen, die Grundsteuer vergleichsweise stabil zu halten.
Dieses Beispiel macht Schule. In Eltville, Kiedrich, Waldems und Hünstetten haben sich Bürger für den Ausbau der Windkraft ausgesprochen. Aktuelle Projekte in Niedernhausen und Idstein zeigen: Die Energiewende ist längst konkrete Standortpolitik vor Ort.
Für viele Kommunen geht es dabei auch um finanzielle Spielräume. Ein einzelnes Windrad kann jährlich über 100.000 Euro in die Gemeindekasse bringen. In Zeiten klammer Haushalte ist das ein echtes Pfund. Die Energiewende ist vor allem eines: ein langfristiges wirtschaftliches Projekt unter Unsicherheit – aber mit klarer Richtung. Wer sie klug gestaltet, kann Risiken reduzieren, Abhängigkeiten verringern und zugleich neue Wertschöpfung im eigenen Land aufbauen.
Oder anders gesagt: Jeder Schritt hin zu mehr erneuerbarer Energie ist auch ein kleiner Schritt weg von einem Dauerauftrag, den wir lange genug brav bedient haben.
Seit fast fünf Jahren widmet IHK-Wirtschaftsexperte Fabian Lauer seine Energie den regionalen Standortbedingungen. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig aktuelle Themen aus der Region.
Weitere Einschätzungen und aktuelle Themen postet Fabian Lauer auf LinkedIn.
Weitere Einschätzungen und aktuelle Themen postet Fabian Lauer auf LinkedIn.
Kontakt
Fabian Lauer
