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Dabei sein ist (nicht) alles
In wenigen Wochen beginnt die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. IHK-Wirtschaftsexperte Fabian Lauer wirft in seiner neuesten Kolumne einen Blick auf die wirtschaftliche
Seite des Sports und philosophiert darüber, was Politik und Verwaltung vom Sport lernen können.
Seite des Sports und philosophiert darüber, was Politik und Verwaltung vom Sport lernen können.
Sport ist nicht bloß Unterhaltung, sondern ein ernsthaftes Geschäft, besonders wenn es um Fußball geht. Bei der letzten Europameisterschaft 2021 wurden Einnahmen in Höhe von 1,8 Mrd. Euro erzielt, wobei die UEFA als Veranstalter nach Abzug aller Kosten und Steuern einen stolzen Gewinn von 645 Mio. Euro verbuchen konnte. Auch die Austragungsländer profitieren erheblich von solchen Großereignissen. Das „Sommermärchen“ der deutschen Heim-WM 2006 trug Studien zufolge etwa 3 Mrd. Euro zum BIP bei.
Das klingt zweifellos beeindruckend. Doch unterschiedliche Studien kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen und letztlich macht diese Summe nur zwei Prozent des BIP-Wachstums von 2006 aus. Und wenn man, wie Deutschland im Jahr 2024, voraussichtlich gar kein Wachstum mehr verzeichnet? Hm.
Wiesbaden spielt ohnehin eher in der zweiten Liga (bei Wehen muss man hoffen, dass es so bleibt!). Die Landeshauptstadt ist kein Austragungsort für das Turnier, aber wer weiß, vielleicht weichen einige Fans von Frankfurt nach Wiesbaden aus, weil sich „Kurbeitrag“ so schlecht ins Englische übersetzen lässt. In keinem Fall wird das ausreichen, um die jährlich 1.600 meist zahlungskräftigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des „Ball des Sports“ aufzuwiegen, die seit 2023 in Frankfurt ihr Geld ausgeben. Zuvor hat dieses prestigeträchtige Event 22-mal in Wiesbaden stattgefunden.
Wenn Wiesbaden schon nicht um die Meisterschaft spielt, stellt sich doch umso mehr die Frage, was Politik und Verwaltung vom Spitzensport lernen können. Drei Dinge sind mir besonders in den Sinn gekommen:
Teamgeist: Daran mangelt es leider in vielen Rathäusern und Stadtparlamenten. Einer Mannschaft, die sich auf dem Feld aufs „Kooperieren“ beschränkt, wird der große Erfolg eher verwehrt bleiben. Dafür braucht es einen gemeinsamen Spirit. Ein positives Beispiel ist der gemeinsame Auftritt von Bürgermeisterin Christiane Hinninger und Landrat Sandro Zehner im März beim von der IHK mitveranstalteten Tourismusdialog im Schlachthof.
Hartes Training zahlt sich aus: Auf die Politik übertragen bedeutet das: Gute Vorbereitung ist alles. Wo war die bei den Haushaltsverhandlungen, als eine Erhöhung und Ausweitung des Kurbeitrags und eine „Nachhaltigkeitsabgabe“ auf Trinkwasser beschlossen wurden? Überhastete und nicht zu Ende gedachte Nacht- und Nebelaktionen können eben schnell zum Eigentor werden.
Der 12. Mann trägt die Mannschaft nach vorne: Umgekehrt gilt das aber auch. Selbst die hartgesottensten Fans wenden sich irgendwann ab, wenn Ticket, Bier und Stadionwurst unbezahlbar werden und zugleich die Leistung auf dem Platz nicht stimmt. Das sollte der FC Landeshauptstadt bei der Gewerbesteuer und – mein Blick geht schon Richtung Haushalt 2025 – auch bei den Grundsteuern keinesfalls vergessen.
Fabian Lauer berichtet in seiner Kolumne regelmäßig über aktuelle Themen aus der Wirtschaftsregion Wiesbaden. Den Bürojob kompensiert der Leiter Wirtschaftspolitik durch regelmäßiges Laufen, die Vorfreude auf den dritten Wiesbadener City-Marathon im Juni steigt bereits.
Kontakt: f.lauer@wiesbaden.ihk.de
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Fabian Lauer
