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Volle Energie(wende)
Energiewende trotz – und gerade wegen – der Energiekrise. IHK-Wirtschaftsexperte Fabian Lauer überlegt, wie das richtige Verhältnis von Ökologie und Ökonomie und gute Vorsätze für 2023 aussehen könnten.
Nach Wilhelm von Humboldt ist Energie die erste und einzige Tugend des Menschen. Ob nun metaphorisch-psychologisch als positive bzw. negative
Energie oder handfest-physisch in Form von Strom, Treib- oder Brennstoff und damit als Elixier des modernen Lebens und Wirtschaftens: Ohne Energie
bewegt sich nicht viel.
Energie oder handfest-physisch in Form von Strom, Treib- oder Brennstoff und damit als Elixier des modernen Lebens und Wirtschaftens: Ohne Energie
bewegt sich nicht viel.
Kein Wunder also, dass uns Energiekrisen stets besonders hart treffen. Die Älteren erinnern sich an die Ölkrisen der 1970er Jahre, als autofreie
Sonntage kein großstädtisches Experiment, sondern landesweit per Gesetz verordnet waren – ebenso wie ein generelles Tempolimit auf Autobahnen
(100, nicht etwa 130 km/h). 50 Jahre später führt uns erneut eine Energiekrise die massive Abhängigkeit von fossilen Energieimporten aus dem
Ausland vor Augen.
Sonntage kein großstädtisches Experiment, sondern landesweit per Gesetz verordnet waren – ebenso wie ein generelles Tempolimit auf Autobahnen
(100, nicht etwa 130 km/h). 50 Jahre später führt uns erneut eine Energiekrise die massive Abhängigkeit von fossilen Energieimporten aus dem
Ausland vor Augen.
Anders als damals, ist die aktuelle Energiekrise zwar im Kern eine Gaskrise. Doch auch Öl und damit Treibstoffe sowie Strom haben sich phasenweise
massiv verteuert. Wehe dem, der auf dem Höhepunkt des Preisschocks einen neuen Liefervertrag abschließen musste! Neulich habe ich den Spruch gehört: „Wenn die Preise weiter so steigen, können wir uns das Licht am Ende des Tunnels nicht mehr leisten.“ Das ist sicher zum Schmunzeln, hat aber
doch einen ernsten Hintergrund.
massiv verteuert. Wehe dem, der auf dem Höhepunkt des Preisschocks einen neuen Liefervertrag abschließen musste! Neulich habe ich den Spruch gehört: „Wenn die Preise weiter so steigen, können wir uns das Licht am Ende des Tunnels nicht mehr leisten.“ Das ist sicher zum Schmunzeln, hat aber
doch einen ernsten Hintergrund.
Schwarzsehen ist dennoch nicht angesagt. Wir haben es in der Hand, die Krise als Chance zu nutzen. Mit Wind, Sonne und Biomasse steht uns zur
Verfügung, was wir brauchen. Strom aus erneuerbaren Energien ist zukünftig nicht nur wichtigster Energieträger, sondern zugleich Ausgangsprodukt für Wasserstoff, synthetisches Erdgas sowie alle erdenklichen Produkte der Grundstoffindustrien. Mit Strom kann man tatsächlich so ziemlich alles machen.
Verfügung, was wir brauchen. Strom aus erneuerbaren Energien ist zukünftig nicht nur wichtigster Energieträger, sondern zugleich Ausgangsprodukt für Wasserstoff, synthetisches Erdgas sowie alle erdenklichen Produkte der Grundstoffindustrien. Mit Strom kann man tatsächlich so ziemlich alles machen.
Deswegen muss es in 2023 und darüber hinaus endlich heißen: „Volle Energie“ für die Energiewende. Sie ist teuer, voller teils absurder Regulatorik und technisch herausfordernd. Vor allem aber bietet sie potenziell einen riesigen Wettbewerbsvorteil dank mehr Lieferunabhängigkeit und heimischer Wertschöpfung und ist mit Blick auf Klimaschutz und die Endlichkeit fossiler Ressourcen alternativlos.
Aus der jüngsten Unternehmensbefragung der IHK Wiesbaden geht hervor, dass der Krise zum Trotz 56 Prozent der Betriebe fordern, die Energiewende
zu beschleunigen. Nicht oben auf der Wunschliste stehen bei den Unternehmen weitere Hilfspakete (33 Prozent) oder eine längere Nutzung fossiler
Energien (27 Prozent). Stattdessen: Der Abbau bürokratischer Hürden (69 Prozent) und ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien (67 Prozent).
zu beschleunigen. Nicht oben auf der Wunschliste stehen bei den Unternehmen weitere Hilfspakete (33 Prozent) oder eine längere Nutzung fossiler
Energien (27 Prozent). Stattdessen: Der Abbau bürokratischer Hürden (69 Prozent) und ein schnellerer Ausbau der erneuerbaren Energien (67 Prozent).
Was wir überhaupt nicht brauchen können: Ökonomie und Ökologie gegeneinander auszuspielen, wie es von einzelnen Stimmen aus dem Klimaschutzbeirat der Stadt Wiesbaden im Dezember zu vernehmen war. Wer namentlich einzelne Unternehmen an den Pranger stellt und von „Energiefressern“ spricht, hat nicht verstanden, dass die Energiewende nur mit der Wirtschaft und speziell der Industrie gelingen kann. Dem Klimaschutz leistet man so einen Bärendienst.
Seine Energie konzentriert Fabian Lauer nun seit über eineinhalb Jahren auf die Wirtschaftspolitik in Wiesbaden und Rheingau-Taunus. Dank 10 Jahren IHK-Federführung Energie und Klimaschutz in NRW sind ihm die Themen ans Herz gewachsen.
Kontakt: f.lauer@wiesbaden.ihk.de
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Fabian Lauer
