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„Nicht die große KI-Strategie suchen, sondern das echte Problem im Betrieb“
Herr Börner, Sie kommen aus der Industrie – Datenanalyse und KI bei OSRAM und Wieland. Was hat Sie an die THU gezogen?
Ich habe in der Industrie erlebt, wie groß der Nutzen von KI in der Produktion sein kann – und wie schwer sich viele Unternehmen mit dem Einstieg tun. Gerade kleinere und mittlere Betriebe fragen sich: Wo fangen wir an? Was bringt uns tatsächlich etwas? Diese Lücke zwischen technischer Möglichkeit und betrieblicher Realität – das ist mein Thema in Forschung und Lehre. Die THU ist dafür der richtige Ort, weil hier die Anwendung im Fokus steht und die Verbindung zur Wirtschaft eng ist.
Was heißt KI in der Produktion konkret – jenseits des Hypes um ChatGPT und Co.?
Das ist genau der Punkt. Wenn heute jemand „KI“ hört, denkt man sofort an ChatGPT oder Bildgenerierung. In der Produktion geht es meistens um etwas anderes: um Methoden vor dem Aufkommen der generativen KI – Algorithmen, die Maschineneinstellungen automatisch optimieren, Muster in Produktionsdaten erkennen oder Alarm schlagen, bevor etwas schiefgeht. Ähnlich bei vorausschauender Wartung: Sensordaten werden laufend analysiert, Verschleiß wird erkannt, bevor es zum Ausfall kommt. Das spart ungeplante Stillstände und drückt die Wartungskosten. Wir gehen aber auch allgemein zeitraubende Tätigkeiten im Unternehmen an – Warenbuchungen von Hand, Informationssuche, wiederkehrende Bürotätigkeiten. Vieles davon lässt sich heute stark automatisieren.
Können Sie das an einem Beispiel festmachen?
Sehr gerne. Aus meiner Zeit in der Automobilindustrie: Es gab eine Produktionslinie, bei der die Zahl fehlerhafter Teile sprunghaft anstieg. Mit einer sogenannten Clusteranalyse konnten wir die Ursache schnell finden. Mit herkömmlichen Methoden hätte die Fehlersuche Wochen gedauert – und hunderttausende Teile wären im Ausschuss gelandet.
Wo sehen Sie die größten Hürden, wenn – gerade kleine und mittlere – Unternehmen KI einführen wollen?
Das sind oft dieselben Themen. Erstens die Datenbasis: Viele Unternehmen erheben Maschinendaten, nutzen sie aber nicht systematisch oder überschreiben sie. Zweitens fehlendes Know-how, nicht jeder Betrieb kann sich einen KI-Experten leisten. Und drittens fehlt oft die Klarheit, wo man anfangen soll. Wichtig ist: Man muss die Menschen mitnehmen.
Welche Rolle spielt der Faktor Mensch?
Eine sehr große. KI wird unterschiedlich wahrgenommen – die einen sehen den Helfer, die anderen die Bedrohung für ihren Arbeitsplatz. Dabei stehen wir vor einem anderen Problem: Die Unternehmen finden schon heute nicht genug Fachkräfte. Und wenn die geburtenstarken 1960er-Jahrgänge in Rente gehen, wird sich das noch verschärfen. Es geht also nicht um „Mensch oder KI“, sondern um ein Miteinander – um den „Kollegen KI“, der monotone Tätigkeiten abnimmt und rund um die Uhr den Maschinenpark im Blick behält. Und: Man kann KI nicht einfach von oben „einführen“. Die Mitarbeitenden selbst wissen am besten, was sie im Alltag stört – dort liegen oft die besten Ansatzpunkte.
Was leistet die Stiftungsprofessur für die Region?
Sie zeigt, was möglich ist, wenn Wissenschaft, Wirtschaft und IHK an einem Strang ziehen, und stärkt Forschung, Transfer und Qualifizierung in einem Bereich, der für die regionale Wettbewerbsfähigkeit entscheidend wird. Mir ist wichtig, dass das Know-how in der Region bleibt und junge Menschen sich auch bei kleineren Firmen bewerben. Unternehmen sollen Zugang zu anwendungsnaher KI-Expertise bekommen und Fachkräfte vor Ort attraktive Perspektiven finden.
Sie suchen neue Partner für das Stifterkonsortium. Was haben Unternehmen davon?
Sehr viel. Wir verstehen das Konsortium nicht als reinen Geldgeber-Kreis, sondern als aktives Netzwerk. Die Partner kommen regelmäßig zusammen, tauschen Erfahrungen aus und lernen voneinander – die Herausforderungen bei KI-Einführungen sind in vielen Betrieben ähnlich. Wir unterstützen bei konkreten Projekten, halten über einen Technologie-Radar den Blick auf relevante Entwicklungen und helfen bei Fördermitteln. Zusätzlich öffnen wir den Draht zu jungen Talenten – über Abschlussarbeiten, Gastvorträge und Exkursionen. Wer erstmal mit einem kleinen Projekt anfangen will, bekommt vom DASU oder dem Digitalisierungszentrum Unterstützung. Bei Interesse: gerne direkt bei mir melden.
Was raten Sie Unternehmen, die jetzt starten wollen?
Nicht zuerst die große KI-Strategie suchen, sondern das echte Problem im Betrieb. Wo entsteht Ausschuss? Wo gibt es Stillstände, unnötige Rüstzeiten, hohen Energieeinsatz? Was stört die Kolleginnen und Kollegen im Alltag? Und: Sind Daten verfügbar? Denn dort liegt meistens der beste Einstieg. Wer den Nutzen früh sichtbar macht und die Mitarbeitenden einbindet, schafft die Grundlage dafür, dass KI getragen wird und zum Erfolg führt.
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IHK Ulm
Olgastraße 95-101
89073 Ulm
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E-Mail: info@ulm.ihk.de
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