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„KI kann den Blick aufs Wesentliche freiräumen“
Was braucht es, damit Betriebe in Zeiten von KI nicht den Anschluss verlieren?
Wir sind in Baden-Württemberg das Land der Hidden Champions, wir kommen aus Jahrzehnten der Technologie- und Marktführerschaft. Aber mit dem Aufkommen neuer Technologien und Geschäftsmodelle haben sich die Marktbedürfnisse teils grundlegend verändert, und viele Unternehmen verlieren ihren Kompass. Auf der anderen Seite ermöglicht uns der Fortschritt in KI und Datenbanktechnologie einen strukturierten Blick auf Märkte, Wettbewerb und Technologien, der so bislang unmöglich war. Die erste Welle der neuen KI-Modelle haben wir in Deutschland wohl verschlafen, für die zweite – die Anwendung – sind wir aber prädestiniert, denn da geht es um industriespezifische Expertise.
Was genau ist ein digitaler Zwilling eines Unternehmensökosystems?
Ökosystemzwillinge modellieren die Märkte, in die ein Unternehmen verkauft oder verkaufen könnte, sie erfassen die detaillierten Marktbedürfnisse sowie direkte und indirekte Wettbewerber. Darüber werden die Produkte und Services einer Firma und ihrer Wettbewerber in die jeweiligen Märkte verknüpft, um ihre Rolle und Relevanz transparent zu machen.
Welche Rolle spielen Large-Language-Modelle und andere KI-Modelle?
Unser Unternehmen hätte es noch vor 18 Monaten technologisch gar nicht geben können. Wir zerlegen eine Fragestellung in unzählige Einzelteile und beschreiben präzise, was das Modell jeweils recherchieren soll. Die Kunst ist, zu wissen, wie die Einzelteile zusammengehören, welche Recherchebausteine in welcher Art Unternehmensfrage kombiniert werden und welches KI-Modell – zum Beispiel ChatGPT oder Claude – wofür am besten geeignet ist. Zum Schluss setzen wir die Daten
in sogenannten Graphdatenbanken zusammen, das ergibt dann den tatsächlichen Zwilling.
in sogenannten Graphdatenbanken zusammen, das ergibt dann den tatsächlichen Zwilling.
Welche Entscheidungen kann man mit einem digitalen Zwilling besser treffen?
Alle, bei denen Marktverständnis wichtig ist. Soll ich dieses Produkt entwickeln? Welche dieser drei Features sollte ich entwickeln? In welche Märkte kann ich noch gehen? Wie verändert sich meine Wettbewerbsposition, wenn ich diese Firma kaufe? Wie, wenn ich mich von diesem Geschäftsbereich trenne? Um nur einige zu nennen.
Wie verändert diese Technologie die Wettbewerbsfähigkeit?
Ich war lange als Vertriebsleiter, Produktmanager und Innovationsmanager tätig. Vor diesem Hintergrund sehe ich den großen Sprung darin, dass Firmen Zusammenhänge zwischen ihrem Portfolio und den sie umgebenden Märkten im Ganzen wie im Detail verstehen können. Bisher hat man Marktberichte gelesen oder Beratung ins Haus geholt, also Information gekauft. Jetzt wird es zum ersten Mal möglich, umfassende, kausale Zusammenhänge sichtbar zu machen. Wettbewerbsvorteil heißt, die Welt etwas besser zu verstehen als der Wettbewerb und deshalb die Stärken der Firma bewusst einsetzen zu können.
Wie werden sich digitale Zwillinge und KI-gestützte Entscheidungsplattformen in den kommenden Jahren entwickeln?
Wir entwickeln unsere Plattform seit 16 Monaten und haben die großen Entwicklungssprünge der KI-Modelle miterlebt. Das hat uns immens geholfen, die Stärken und Schwächen von KI zu lernen und zu verstehen, welche Modelle wofür am besten geeignet sind. Für mich ist deshalb weniger wichtig, wo die Reise hingehen mag, als dass man an Bord ist. In Sachen KI-Automatisierung von Unternehmensprozessen sind wir gerade in der 3. Klasse – nicht mehr ganz am Anfang, aber wer nächstes Jahr nicht aufpasst, ist versetzungsgefährdet.
Welche neuen Möglichkeiten könnten sich durch KI-Automatisierung für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit ergeben?
Wir verbringen aktuell in den Unternehmen viel Zeit, Ressourcen und Energie damit, Produktroadmaps, Innovationsbereiche, Entwicklungsbudgets oder M&A-Zielfelder zu diskutieren. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir keine fünf Jahre dafür benötigen werden, einen Großteil dieser Prozesse automatisieren zu können und damit den Teams und Führungskräften den Blick auf das Wesentliche – und Schwierige – freizuräumen.
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89073 Ulm
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E-Mail: info@ulm.ihk.de
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