IHK Ulm

Aktualisierter Fachkräftemonitor: Engpässe nehmen ab – ohne Zuwanderung geht es trotzdem nicht

Wie wirkt sich die Konjunkturschwäche auf den Fachkräftemangel in der IHK-Region Ulm aus? Und wird weiterhin eine Zuwanderung qualifizierter Menschen benötigt? Diesen Fragen ging die Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) bei der Aktualisierung des IHK-Fachkräftemonitors nach.

Fachkräftemangel nimmt ab, bleibt aber große Herausforderung

Angesichts ungelöster inländischer Strukturprobleme und stetig zunehmender externer Belastungen (Kriege in der Ukraine, in Gaza und im Iran, Zollpolitik der USA) verharrt die Wirtschaft der Region Ulm in der Seitwärtsbewegung. In der Folge nimmt auch der Personalbedarf einiger Unternehmen ab. Im 1. Halbjahr 2026 lag die regionale Arbeitslosenquote im Schnitt bei 3,4 Prozent. Das entspricht einer Zunahme um 0,2 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. 2019 betrug sie nur 2,4 Prozent. Und auch im aktuellen IHK-Fachkräftemonitor ist diese Entwicklung ablesbar: Die Engpässe sind in diesem Jahr gegenüber der Vorjahresprognose um ein Viertel auf 7.900 unbesetzte Stellen zurückgegangen.
„Jetzt die Hände in den Schoß zu legen, wäre jedoch ein großer Fehler. Denn die demographische Welle rollt erst noch richtig auf uns zu. Tun wir nichts, wird der Fachkräftemangel bis 2035 nach wie vor kräftig steigen“, sagt IHK-Vizepräsident Christoph Ulrich, Geschäftsführender Gesellschafter der Ulrich GmbH & Co. KG. Laut IHK-Fachkräftemonitor würde die Fachkräftelücke bis 2035 um 70 Prozent, auf 13.450 nicht besetzbare Stellen steigen.

Es fehlen vor allem Facharbeitende

Der Großteil der Engpässe besteht bei beruflich qualifizierten – also nicht-akademischen – Fachkräften. Von den insgesamt im Jahr 2035 13.450 unbesetzten Stellen entfallen 8.200 Stellen, also deutlich mehr als die Hälfte, auf Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung. Für ein weiteres Fünftel der unbesetzten Stellen werden beruflich fortgebildete Fachleute (Meister, Techniker, Fachkaufleute, Betriebswirte, Fachwirte) vergeblich gesucht. „Karriere mit Lehre ist also mehr denn je das Gebot der Stunde. Eine Ausbildung ist und bleibt ein hervorragendes und zukunftssicheres Fundament für junge Menschen“, so Ulrich. Der Mangel an Akademikern ist für jede neunte Vakanz verantwortlich. Am geringsten sind Jobs mit niedrigen Qualifikationsanforderungen betroffen: Für rund sechs Prozent aller nicht besetzbaren Stellen werden geringqualifizierte Menschen (Helfer) vergeblich gesucht.

Fachkräfte aus dem Ausland sind unentbehrlich

Und was würde passieren, wenn es künftig keine Zuwanderung mehr gäbe? In dem Basisszenario des IHK-Fachkräftemonitors, also der unter allen verfügbaren Informationen wahrscheinlichsten Entwicklung, wird eine jährliche Nettozuwanderung von 200.000 Personen nach Deutschland angenommen. In einem neuen Zuwanderungsszenario wird dagegen die Nettozuwanderung deutschlandweit auf null gesetzt. So als würde über Deutschland eine Käseglocke gestülpt und niemand käme mehr hinaus oder hinein.
Die Folgen für die regionale Wirtschaft wären gravierend: Die Fachkräfteengpässe würden jedes Jahr zusätzlich steigen. Die Zahl der unbesetzten Stellen würde bis 2035 um fast 80 Prozent auf insgesamt knapp 24.000 anwachsen. Das heißt: Es würden rund 10.500 zusätzliche Stellen in den Unternehmen vakant bleiben. Besonders betroffen wären laut Fachkräftemonitor Verkehrs- und Logistikberufe sowie medizinische Gesundheitsberufe.

Engpässe verursachen einen hohen wirtschaftlichen Schaden

Wenn Unternehmen Stellen dauerhaft nicht besetzen können, können sie weniger Aufträge erledigen oder weniger Dienstleistungen erbringen. Das bedeutet einen geringeren Output als es mit ausreichend Fachkräften möglich gewesen wäre. Die auf diese Weise entgehende Wertschöpfung kumuliert sich im Basisszenario für Baden-Württemberg bis 2035 auf 101 Mrd. Euro. Ohne Zuwanderung wäre der wirtschaftliche Schaden fast dreimal so hoch: Der in Baden-Württemberg produzierte Wohlstand würde bis 2035 dann sogar um 283 Mrd. Euro geringer ausfallen.

IHK unterstützt Betriebe mit dem Welcome Center

Mit dem Welcome Center Ulm/Oberschwaben unterstützt die IHK Ulm Unternehmen bei der Gewinnung und Integration internationaler Fachkräfte. Das Welcome Center informiert zu rechtlichen und praktischen Fragen der Fachkräfteeinwanderung, unterstützt bei der Einreise und Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen und zeigt passende Wege für die Beschäftigung internationaler Talente auf. Darüber hinaus berät das Welcome Center auch zu Onboarding, betrieblicher Integration und zur Bindung neuer Mitarbeiter, damit internationale Rekrutierung langfristig zum Erfolg wird.

Kontaktdaten des Welcome Center Ulm/Oberschwaben:
welcomecenter@ulm.ihk.de, Telefon: 0731/173 190
Hintergrund: Der aktualisierte IHK-Fachkräftemonitor für Baden-Württemberg ist unter www.ihk-fachkraeftemonitor.de/bw öffentlich zugänglich. Das zugrunde liegende Modell (Reiter Methodik im Monitor) wird jährlich aktualisiert, sodass aktuelle Trends und politische Maßnahmen zeitnah in die Berechnungen und Projektionen einfließen können. Auch wird der IHK-Fachkräftemonitor jährlich um neue Szenarien ergänzt.

Hinweise: Zur besseren Lesbarkeit wird das generische Maskulinum verwendet. Es schließt alle Personen unabhängig vom Geschlecht mit ein. Die inhaltlichen Aussagen in den Pressemeldungen der IHK Ulm basieren auf den erarbeiteten Positionen der demokratisch legitimierten Gremien der IHK Ulm, Befragungen oder Angaben aus statistischen Auswertungen. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass es zu den dargestellten Aussagen innerhalb der Mitgliedsunternehmen der IHK Ulm auch abweichende Meinungen geben kann.