30. Januar 2026

IHK-Konjunkturbericht Jahresbeginn 2026: Erholung weiter nicht in Sicht

Viele Unternehmen aus der IHK-Region Ulm senken derzeit ihre Daumen. Steigende Kosten bei schwächelndem Absatz lässt die Zufriedenheit mit ihrer wirtschaftlichen Lage schrumpfen. Internationale Konflikte, eine anhaltend schwache Nachfrage und unklare Signale aus der Wirtschaftspolitik drücken die Stimmung. Folglich befürchten die Unternehmen, dass sie auch im neuen Jahr eher mit Gegen- als mit Rückenwind zurechtkommen müssen. Eine baldige Erholung ist weiterhin nicht in Sicht.
Die regionale Wirtschaft ist ohne Schwung ins Jahr 2026 gestartet. Zwar hat sich der Umsatzschwund zumindest spürbar verlangsamt und die Auftragseingänge stabilisieren sich allmählich. Letztlich bleibt das Niveau aber unbefriedigend. Steigende Kosten drücken zudem auf die Ertragslage. Folglich ist die Zufriedenheit der Unternehmen in der IHK-Region Ulm mit ihrer aktuellen wirtschaftlichen Situation im Vergleich zum Herbst letzten Jahres zurückgegangen. Der IHK-Lageindikator, der die Differenz zwischen positiven und negativen Einschätzungen abbildet, hat sich von 13 auf sechs Punkte verringert. Der Abstand zum langfristigen Durchschnitt von 31 Punkten ist damit markant. Das gilt insbesondere für die Industrie, aber nicht ganz so markant auch für den Großhandel und die Dienstleistungen. Dank eines nicht so schlecht wie befürchtet verlaufenem Weihnachtsgeschäft, hat sich die Lage im Einzelhandel etwas entspannt.
Klare Hoffnungsschimmer, die auf eine Belebung der regionalen Konjunktur in den kommenden Monaten hindeuten, sind zudem nicht erkennbar. Zwar ist der Anteil der Betriebe mit pessimistischen Erwartungen von 24 auf 21 Prozent zurückgegangen. Allerdings nur zugunsten der Unternehmen, die von einer anhaltenden Stagnation ihrer Geschäfte ausgehen.
Die Dienstleister blicken mit etwas finsterer Miene auf die kommenden zwölf Monate; auch die Stimmung im Großhandel hat sich eingetrübt. In Industrie und Einzelhandel fällt der Blick nach vorn etwas freundlicher aus als noch im Herbst. Insgesamt führt das zu einer minimalen Aufhellung der Erwartungen. Trotzdem fällt der Blick nach vorne weiterhin leicht skeptisch aus.
Nachfrageimpulse fehlen
Die Ursachen für diese Entwicklung sind sowohl in den veränderten globalen wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen als auch in den inländischen Strukturdefiziten zu suchen. So muss sich die hiesige Wirtschaft darauf einstellen, dass China zunehmend seinen Bedarf an hochwertigen Maschinen und Fahrzeugen selbst produzieren kann und häufig stark subventioniert auf den globalen Märkten als qualitativ ebenbürtiger Konkurrent auftritt. Gleichzeitig trübt die protektionistische und schwankende Handelspolitik Trumps das bislang lukrative US-Geschäft. Hinzu kommen zahlreiche weitere geopolitische Spannungen und Konflikte, die für nicht ganz jedes zweite hiesige Unternehmen ein Geschäftsrisiko darstellen. In der Industrie gilt das sogar für sechs von zehn Betrieben.
Während die heimische Industrie im weiteren Jahresverlauf mit Absatzrückgängen in China und den USA rechnet, verspricht sie sich kräftige Nachfrageimpulse aus anderen asiatischen Märkten und durchaus auch aus der Europäischen Union. Insgesamt sind von den Exporten aber keine großen Impulse zu erwarten.
Strukturelle Defizite gefährden die Wettbewerbsfähigkeit
Den hiesigen Unternehmen bereiten neben der Nachfrageentwicklung auch mehr und mehr die stetig steigenden Kosten Sorgen. Erstmals nennen mit einem Anteil von 68 Prozent mehr Betriebe die Arbeitskosten als Geschäftsrisiko als die Inlandsnachfrage (66 Prozent). Auf der einen Seite puscht der gestiegene Mindestlohn die Forderungen nach steigenden Gehältern in den darüber liegenden Lohngruppen. Zum anderen lassen ausbleibende Strukturreformen (Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung) die Lohnnebenkosten zu einer immer größeren Belastung werden. Dadurch verliert die hiesige Wirtschaft zunehmend an preislicher Wettbewerbsfähigkeit. Die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar in den vergangenen Monaten verschärft das Problem.
Die im internationalen Vergleich hohen Energiekosten erschwert es den hiesigen Betrieben zusätzlich, konkurrenzfähige Preise anbieten zu können. Und das Vertrauen in die Politik ist weiter gehemmt: 37 Prozent aller Betriebe sehen in der Wirtschaftspolitik sogar ein Risiko für die eigenen Geschäfte.
„Wir brauchen dringend eine wirtschaftspolitische Wende mit klaren Prioritäten für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum. Ohne mutige und tiefgreifende Strukturreformen bei den sozialen Sicherungs-systemen, aber auch bei den Steuern, auf dem Arbeitsmarkt und bei den Energiepreisen wird dies nicht gelingen. Der Wirtschaft müssen durch Entlastungen und Deregulierungen dringend mehr Freiräume eingeräumt werden“, fordert IHK-Präsident Dr. Jan Stefan Roell.
Verhaltene Investitionspläne
Die anhaltend hohe Verunsicherung schlägt sich auch in einer geringen Investitionsbereitschaft nieder. Zwar hat sich der Anteil der Unternehmen, die weniger investieren wollen, um zehn Prozent-punkte auf 18 Prozent verringert. Jedoch ist auch die Zahl der Betriebe mit expansiven Investitionsplänen zurückgegangen. Die Ausgaben für Investitionen in Deutschland dürften somit auf ihrem bisherigen geringen Niveau stagnieren. Expansionsinvestitionen bleiben Mangelware.
Standorte im Ausland sind attraktiver
Hiesige Investitionsstandorte fallen oft auch hinter Standorte im Ausland zurück. Zwar plant derzeit nur ein Viertel der regionalen Industrieunternehmen im Ausland zu investieren. Bei den meisten von diesen Betrieben (71 Prozent) ersetzen die Auslandsinvestitionen jedoch Investitionen im Inland, die vorerst zurückgestellt wurden.
Allerdings hat sich auch die Dynamik bei den Auslandsinvestitionen abgeschwächt. Die gestiegenen globalen Unsicherheiten könnten zur größeren Zurückhaltung beigetragen haben. 27 Prozent aller im Ausland aktiven Industrieunternehmen haben ihre Budgets für Auslandsinvestitionen erhöht, nicht einmal halb so viele wie vor Jahresfrist. 60 Prozent wollen im Jahr 2026 gleich viel investieren, wie im Vorjahr und 13 Prozent planen, ihr investives Auslandsengagement zu reduzieren.
Personalbedarf geht zurück
Die schwächelnde konjunkturelle Entwicklung schlägt zunehmend auch auf den Arbeitsmarkt durch. Ein Zehntel aller Unternehmen möchte in den kommenden Monaten zusätzliches Personal einstellen. Hingegen planen 28 Prozent ihre Belegschaften zu verkleinern.
Weil der Schuh in der Krise an anderer Stelle stärker drückt, nennen weniger Unternehmen den Fachkräftemangel als Risiko für die eigene Geschäftsentwicklung (aktuell 43 Prozent, letzten Herbst waren es noch 48 Prozent). Der regionalen Wirtschaft ist jedoch bewusst, dass die Engpässe aus Gründen der Demografie nicht verschwinden werden. Die meisten Unternehmen versuchen daher weiterhin ihren Personalbestand zu halten (61 Prozent).
Der Arbeitsmarkt erweist sich deshalb auch weiterhin als robust. Die Arbeitslosenquote lag in der IHK-Region Ulm im Dezember 2025 mit 3,2 Prozent nur um 0.1 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor.
IHK-Saldenindikatoren werden als Saldo der positiven und negativen Antworten zu den jeweiligen Fragen ermittelt und können demnach zwischen -100 und +100 Prozentpunkten liegen. Ein Indikator von Null zeigt an, dass sich die positiven und negativen Antworten genau die Waage halten.
Der Konjunkturbericht der IHK Ulm erscheint dreimal pro Jahr. Der aktuelle Bericht basiert auf der Umfrage im Januar 2026. Von über 38.000 Mitgliedern der IHK Ulm wurde ein repräsentativer Ausschnitt von 371 Unternehmen befragt, von denen sich 164 (44,2 Prozent) an der Umfrage beteiligten. Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage (Zahlen und Abbildungen) finden Sie auch unter: https://konjunkturboard-bw.de/.

Hinweis: Die inhaltlichen Aussagen in den Pressemeldungen der IHK Ulm basieren auf den erarbeiteten Positionen der demokratisch legitimierten Gremien der IHK Ulm, Befragungen oder Angaben aus statistischen Auswertungen. Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass es zu den dargestellten Aussagen innerhalb der Mitgliedsunternehmen der IHK Ulm auch abweichende Meinungen geben kann.