IHK Ulm

IHK-Fachkräftemonitor zeigt Engpässe auf Betriebliche Ausbildung eröffnet jungen Menschen hervorragende Perspektiven

Angesichts wirtschaftlicher Stagnation und leicht steigender Arbeitslosenzahlen steht der Arbeits- und Fachkräftemangel nicht mehr im Rampenlicht. Zu Unrecht, denn er verschwindet auch in der Dauerkrise nicht. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent im Jahr 2024 gilt der regionale Arbeitsmarkt weiterhin als nahezu leergefegt. In der Herbst-Konjunkturumfrage gaben 51 Prozent der Unternehmen an, offene Stellen zu haben, für die sie keine passenden Fachkräfte finden. Das bestätigt auch der IHK-Fachkräftemonitor. In der IHK-Region Ulm gibt es in diesem Jahr knapp 11.500 unbesetzte Stellen.

Es fehlen vor allem Nichtakademiker
Der Großteil der Engpässe besteht bei beruflich qualifizierten ‑ also nicht-akademischen - Fachkräften. Aktuell fehlen mehr als 1.400 Spezialisten, zu denen insbesondere die beruflich fortgebildeten Fachkräfte zählen. Diese umfassen Techniker, Meister sowie Fach- und Betriebswirte. Weitere 6.200 unbesetzte Stellen entfallen auf Personen, die eine berufliche Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben. Vor allem bei gewerblich-technischen Berufen, aber auch für Tätigkeiten in Logistik, Verkauf, Gesundheitswesen sowie in der Unternehmensorganisation fehlt Personal. Damit entfallen fast zwei Drittel aller Engpässe auf beruflich aus- und weitergebildete Fachleute.
Auch Akademiker fehlen. Jedoch besteht nur hinter jeder neunten Vakanz eine unbesetzte Expertenstelle. Durch den zunehmenden Anteil der Hochschulabsolventen an einem Jahrgang schlägt die demografische Entwicklung hier nicht so stark durch.
Auch Jobs mit geringen Anforderungen sind vom Arbeitskräftemangel betroffen. Bei gut einem Fünftel aller nicht besetzbaren Stellen werden Geringqualifizierte (Helfer) vergeblich gesucht.
Hoher wirtschaftlicher Schaden durch steigende Engpässe
Bis 2035 wird die Zahl der unbesetzten Stellen um 62 Prozent zulegen. Über 18.600 Arbeits- und Fachkräfte werden dann in der IHK-Region Ulm fehlen, weiterhin vor allem im Bereich der Nicht-Akademiker. „Diese Zahlen bestätigen eindrucksvoll: Wer seine Zukunft sicher gestalten möchte, ist mit einer dualen Ausbildung bestens beraten. Das gilt insbesondere auch für junge Leute mit Ambitionen, die auch nach der Ausbildung am Ball bleiben und sich weiterqualifizieren wollen“, kommentiert IHK-Hauptgeschäftsführerin Petra Engstler-Karrasch die aktuellen Zahlen aus dem IHK-Fachkräftemonitor.
Bildungsmüdigkeit bereitet zunehmend Sorgen
Laut einer aktuellen Studie der Bertelsmann Stiftung denkt nur noch jeder zweite Beschäftige daran, sich weiterzubilden. Zudem nimmt der Anteil an Nachwuchs zu, der nach der Schule direkt arbeiten gehen will, anstatt eine Ausbildung zu beginnen. Beide Trends bergen die Gefahr, den Fachkräftemangel weiter zu verschärfen. Laut Fachkräftemonitor drohen Baden-Württemberg durch die steigenden Engpässe bis 2035 über 170 Mrd. Euro an Wertschöpfung verloren zu gehen. Dieser enorme wirtschaftliche Schaden würde durch eine wachsende Bildungsmüdigkeit noch größer. „Umso wichtiger ist es, Orientierung zu bieten, zu informieren und Rahmenbedingungen zu schaffen, die Weiterbildung und berufliche Ausbildung attraktiv und erreichbar machen“, so Engstler-Karrasch.
Die rasche Umsetzung von Strategien zur Minderung von Fachkräfteengpässen, wie die Steigerung der Erwerbsbeteiligung von Frauen, bleiben ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung in der Zukunft. Wo es sich besonders lohnt anzupacken – auch darüber informiert der Fachkräftemonitor.