IHK Ulm

Vom Ob zum Wie: Eindrücke und Erkenntnisse von der London Tech Week 2026

Mehr als 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 130 Ländern kamen vom 7. bis 12. Juni 2026 in Großbritanniens Hauptstadt zusammen, um auf der London Tech Week, einer der größten Technologieveranstaltungen Europas, über aktuelle technologische und wirtschaftliche Entwicklungen zu diskutieren.
BW_i war vom 8. bis 10. Juni 2026 gemeinsam mit Start-up BW sowie Vertreterinnen und Vertretern aus dem baden-württembergischen Start-up-Ökosystem vor Ort und hat beobachtet, wie sich das Bild rund um Künstliche Intelligenz u. a. in Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen gerade verschiebt.
KI-Implementierung ist „The new Normal“
Obwohl KI insbesondere für KMU erhebliches Potenzial bietet, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern, zeigen Studien wie die von Bitkom vom April 2026, dass viele Unternehmen bei der Integration von KI in ihre Prozesse und Produkte noch Nachholbedarf haben. Die Gründe reichen von fehlenden Ressourcen bis zu mangelnden Anwendungsmöglichkeiten. Die Gespräche mit Ausstellern der London Tech Week zeigten aber auch, dass die Frage, ob KI eingesetzt werden soll, längst entschieden ist. Was zählt, ist, wie konsequent Unternehmen die eigene Transformation angehen. Wer jetzt in die Umsetzung geht, schafft sich einen Vorsprung, z. B. durch neue Möglichkeiten, schneller zu skalieren, effizienter zu arbeiten und Ressourcen gezielter einzusetzen.
UK investiert in KI
Großbritannien gilt nach den USA und China als weltweit drittgrößter Markt für KI und brachte bereits einige innovative Firmen wie z. B. den Anbieter für autonome Fahrtechnologie Wayve hervor, der 2025 mit der Unterstützung des BW-UK-Office eine Niederlassung in Leonberg eröffnete.
Allein im ersten Halbjahr 2026 haben britische KI-Start-ups mehr als 8,2 Milliarden Pfund Risikokapital eingesammelt, was knapp der Hälfte aller europäischen Tech-Investitionen in diesem Zeitraum entspricht. Rund 52 Prozent der britischen Unternehmen setzen KI bereits ein. Wer also auf der London Tech Week wissen wollte, wie UK-Unternehmen KI heute konkret einsetzen, und wie die Transformation erfolgreich gestaltet werden kann, hatte reichlich Gesprächsstoff.
Nicola Pinder, Repräsentantin des Landes Baden-Württemberg für das Vereinigte Königreich, betont: „Britische Unternehmen bieten innovative Technologien, die auf einem Markt von Early Adoptern getestet wurden. (...) Wir probieren gerne neue Technologien aus und kommen gut mit Risiken zurecht.“
Wir haben bei Janet Coyle CBE, Managing Director bei London & Partners nachgefragt, in welchen Bereichen sie den Einsatz von KI sieht. Laut Coyle wird KI das Gesundheitswesen grundlegend verändern, etwa bei der Anfertigung und Analyse medizinischer Bilddaten. Darüber hinaus wächst der Einsatz KI-gestützter Systeme in der Cybersicherheit, die Bedrohungen in Echtzeit erkennen und darauf reagieren können. Auch im Kontext von Klimawandel und Green Innovation spielt KI eine zunehmend wichtige Rolle.
Für Unternehmen und Start-ups aus Baden-Württemberg, die in diesen Bereichen aktiv sind, eröffnet genau das eine konkrete Anknüpfungsmöglichkeit. Nicola Pinder bringt es auf den Punkt:
„Die Implementierung von Künstlicher Intelligenz ist ein interessantes Fallbeispiel, bei dem wir voneinander lernen können. Unsere Märkte unterliegen unterschiedlichen Vorschriften, weshalb ein kontinuierlicher Dialog wichtig ist."
Nicola Pinder, Repräsentantin des Landes Baden-Württemberg für das Vereinigte Königreich
Was wir mitnehmen
Die Gespräche und Eindrücke der Woche zeigen, dass der britische Markt offen für internationale Kooperationen ist – und Baden-Württemberg bringt dafür gute Voraussetzungen mit. Eine starke Forschungslandschaft, industrielle Tiefe und ein wachsendes Start-up-Ökosystem sind Argumente, die im internationalen Austausch zunehmend wahrgenommen werden.
Was es dafür braucht, bringen die Teilnehmenden der Start-up-Reise zur London Tech Week auf den Punkt. Pamela Amann, Gründerin von Hydi Innovation in Stuttgart: “Wovon ich dachte, dass es Investoren wichtig ist: die perfekte Technologie. Worauf sie tatsächlich achten: Menschen mit einer klaren Vision. Denn Technologie kann man entwickeln. Entscheidend ist, ob Gründerinnen und Gründer ein echtes Problem lösen, andere für ihre Idee begeistern und den Mut haben, eine Zukunft zu bauen, die heute noch nicht existiert.”
Dass solche Erkenntnisse oft nicht im Programm selbst entstehen, sondern in ungeplanten Gesprächen am Rande, bestätigt auch Ryan Alicea, Mitbegründer und Geschäftsführer von Powered Orthotics in Mannheim: „What nobody tells you beforehand about trips like these is that you can spend weeks preparing and then learn the most important takeaway completely by chance."
Und Vadim Raskin, Mitbegründer und CEO bei 8Labs in Böblingen, ergänzt: „Was ich von der Reise für unser Business mitnehme, sind spannende Kontakte und ein erweitertes Netzwerk – bestehend nicht nur aus potenziellen Investoren, sondern auch aus Partnern und anderen Start-ups.“
Quelle: Baden - Württemberg International
Stand: Juli 2026