IHK Ulm

Bulgariens Euro-Beitritt 2026

Mit dem 1. Januar 2026 hat Bulgarien den Euro eingeführt und ist offiziell der 21. Mitgliedstaat der Eurozone. Für Unternehmen bringt der Währungswechsel weitreichende Veränderungen, aber vor allem neue Chancen.

Ein historischer Schritt und was er bedeutet

Mit dem Beschluss des Rates der Europäischen Union im Juli 2025 und der Bestätigung des festen Wechselkurses 1 EUR = 1,95583 BGN ist die jahrzehntelange Kopplung des Lew offiziell in die gemeinsame Währung übergegangen. Die Bulgarische Nationalbank (BNB) ist seit dem 1. Januar 2026 Teil des Eurosystems; der Gouverneur nimmt einen Sitz im EZB‑Rat ein.
Für Unternehmen bedeutet dies: Planungssicherheit, stabile Finanzierungsbedingungen, geringere Transaktionskosten und die vollständige Integration in den europäischen Binnenmarkt.

Übergangsphase: Was Unternehmen jetzt beachten müssen

1. Dual Pricing (Doppelte Preisauszeichnung)

Seit dem 8. August 2025 müssen alle Waren und Dienstleistungen parallel in BGN und EUR ausgewiesen werden. Diese Pflicht gilt bis 8. August 2026. Wichtig:
  • Beide Preise müssen gleich sichtbar dargestellt werden.
  • Auch Onlineshops und digitale Verkaufsplattformen sind verpflichtet, Preise zweifach auszuweisen.
  • Für einzelne Branchen gelten gestaffelte Starttermine (z. B. Taxis ab 31. Oktober 2025, Lehr‑ und Druckerzeugnisse ab 1. Januar 2026).
Die Regeln sollen Transparenz für Verbraucher schaffen und Preismanipulation verhindern. Für große Händler gelten zusätzliche Pflichten wie die tägliche Veröffentlichung ausgewählter Warenkorbpreise.

2. Parallelumlauf im Januar 2026

Im gesamten Monat Januar gilt:
  • Zahlungen können in BGN oder EUR erfolgen.
  • Wechselgeld wird grundsätzlich in Euro ausgezahlt.
  • Ab Februar ist ausschließlich der Euro gesetzliches Zahlungsmittel.
Die BNB sowie bulgarische Banken haben technische Anpassungsarbeiten um den Jahreswechsel angekündigt. Digitale Bankingsysteme und Kartenzahlungen konnten kurzzeitig eingeschränkt sein, ein normaler Bestandteil solcher Großumstellungen.

3. Konten, Verträge und Buchhaltung

Alle Bankkonten, Kredite, Einlagen und Zahlungsinstrumente wurden zum 1. Januar automatisch und kostenlos auf Euro umgestellt. Unternehmen müssen dennoch intern sicherstellen, dass:
  • ERP‑, Buchhaltungs- und Fakturasysteme auf EUR‑Logik angepasst sind,
  • Vertragswerke überprüft werden (insbesondere Preisgleitklauseln, Gebührenregelungen, Währungsreferenzen),
  • Personal über die relevanten Abläufe informiert ist.

Makroökonomischer Rückenwind für den Standort Bulgarien

Die Einführung des Euro ist weit mehr als ein technischer Schritt. Sie stärkt das Vertrauen internationaler Investoren und verleiht Bulgariens Stellung in Europa zusätzliches Gewicht.

Steuervorteile bleiben bestehen

Bulgarien behält seine bekannten, investitionsfreundlichen Sätze:
  • 10 % Körperschaftsteuer
  • 10 % Einkommensteuer
Damit bleibt das Land einer der attraktivsten Standorte innerhalb der EU für produzierende Unternehmen, Shared‑Service‑Center und technologieorientierte Investoren.

Deutsch‑bulgarische Wirtschaftsbeziehungen im Aufwind

Deutschland bleibt mit über 12 Milliarden Euro Handelsvolumen (2024) der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner Bulgariens. Besonders für deutsche Unternehmen ergeben sich Vorteile durch die Euro‑Einführung:
  • Keine Wechselkursrisiken mehr
  • Leichtere Preiskalkulation
  • Einheitliche Abrechnungs- und Zahlungssysteme
  • Höhere Attraktivität des bulgarischen Markts für Investitionen und Nearshoring
Den vollständigen Artikel der AHK Bulgarien finden Sie unter diesem Link.
Quelle: AHK Bulgarien
Stand: Januar 2026