IHK Ulm

Handelszahlen Januar bis Dezember 2025: Unterschiedliche Entwicklung im Handel mit Südost-Europa

Der Außenhandel Baden-Württembergs mit den 14 Ländern des Kompetenz-Zentrums Südost-Europa ist 2025 rückläufig gewesen. Der Handelsumsatz sank gegenüber Januar bis Dezember 2024 um 3,4 Prozent auf rund 38,5 Milliarden Euro. Deutschlandweit zeigt sich dagegen ein deutlich dynamischeres Bild: Der Handelsumsatz Deutschlands mit Südost-Europa stieg um 6,5 Prozent auf rund 225,8 Milliarden Euro. Zwischen Baden-Württemberg und Deutschland sowie innerhalb der einzelnen Partnerländer treten dabei deutliche Unterschiede zutage.
Für diese Analyse wurden die Länder des Kompetenz-Zentrums Südost-Europa berücksichtigt: Ukraine, Moldau, Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Kroatien, Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien.

Baden-Württemberg: Exporte nahezu stabil, Importe gehen zurück

Für Baden-Württemberg verringerte sich der Handelsumsatz mit Südost-Europa 2025 um 3,4 Prozent auf 38,5 Milliarden Euro. Die Einfuhren aus den 14 Ländern sanken um 5,3 Prozent auf 22,5 Milliarden Euro, während die Ausfuhren mit minus 0,7 Prozent auf 16,0 Milliarden Euro nahezu stabil blieben.
Besonders deutlich war der Rückgang im Handel mit Rumänien, wo der Handelsumsatz um 14,5 Prozent sank. Ausschlaggebend waren vor allem die Einfuhren, die gegenüber 2024 um 20,9 Prozent zurückgingen. Auch Ungarn entwickelte sich mit einem Minus von 5,9 Prozent rückläufig. Damit schwächten sich ausgerechnet die beiden größten Handelspartner Baden-Württembergs innerhalb der betrachteten Ländergruppe deutlich ab: Auf Ungarn und Rumänien entfielen zusammen weiterhin rund 19,6 Milliarden Euro und damit mehr als die Hälfte des gesamten Südost-Europa-Handels Baden-Württembergs.
Positiv entwickelten sich dagegen Bulgarien mit einem Plus von 9,3 Prozent, die Republik Moldau mit plus 13,6 Prozent und die Ukraine mit plus 17,3 Prozent. Vor allem die Ausfuhren in die Ukraine legten deutlich um 21,2 Prozent zu. Bulgarien verzeichnete sowohl bei den Einfuhren als auch bei den Ausfuhren Zuwächse. Auch Serbien mit plus 7,4 Prozent und Kroatien mit plus 5,0 Prozent entwickelten sich positiv. Die Zuwächse dieser kleineren und mittleren Märkte konnten die absoluten Rückgänge in Rumänien und Ungarn jedoch nicht ausgleichen.
Dass Baden-Württemberg schlechter abschneidet als Deutschland insgesamt, hängt somit vor allem mit seiner besonderen Handelsstruktur zusammen: Das Land ist überdurchschnittlich stark mit den volumenstarken Produktions- und Lieferkettenstandorten in Ungarn und Rumänien verbunden. Rückläufige Einfuhren aus diesen Ländern – insbesondere aus Rumänien – schlagen deshalb in Baden-Württemberg deutlich stärker auf den Gesamtwert durch als auf Bundesebene. Zugleich profitiert Deutschland stärker von Zuwächsen in anderen Ländern und von einem außergewöhnlich kräftigen Anstieg der Einfuhren aus Slowenien.

Deutschland: Deutliches Wachstum, besonders hohe Einfuhren aus Slowenien

Die deutschen Handelsbeziehungen mit den 14 Ländern Südost-Europas entwickelten sich 2025 klar positiv. Der Handelsumsatz stieg um 6,5 Prozent auf rund 225,8 Milliarden Euro. Die Einfuhren nahmen um 11,4 Prozent zu, während die Ausfuhren um 1,7 Prozent stiegen.
Besonders dynamisch war die Entwicklung im Handel mit Slowenien. Der Handelsumsatz erhöhte sich um 83,3 Prozent auf rund 25,8 Milliarden Euro. Treiber waren die deutschen Einfuhren aus Slowenien, die von 6,9 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf 17,8 Milliarden Euro im Jahr 2025 und damit um 156,0 Prozent zunahmen. Die deutschen Ausfuhren nach Slowenien wuchsen dagegen vergleichsweise moderat um 12,3 Prozent auf rund 8,0 Milliarden Euro.
Der sehr hohe Anstieg ist daher nicht auf eine allgemein gleich starke Ausweitung des gegenseitigen Handels zurückzuführen, sondern nahezu vollständig auf der deutschen Importseite entstanden. Er deutet auf einen außergewöhnlich hohen Warenzufluss aus Slowenien hin, der durch einzelne wertintensive Warengruppen, größere Lieferungen oder Veränderungen in grenzüberschreitenden Lieferketten ausgelöst worden sein kann. Gerade bei wertintensiven Gütern – etwa chemisch-pharmazeutischen Produkten, Fahrzeugen, Maschinen oder Vorleistungen – können einzelne Unternehmens- und Beschaffungsentscheidungen die Außenhandelswerte eines kleineren Partnerlandes stark beeinflussen. Die Einfuhren aus Slowenien erhöhten sich innerhalb eines Jahres um rund 10,8 Milliarden Euro und prägten damit auch das Gesamtwachstum des deutschen Handels mit Südost-Europa erheblich.
Auch Kroatien mit plus 11,0 Prozent und Serbien mit plus 8,0 Prozent verzeichneten deutliche Zuwächse. Rumänien blieb mit einem Anstieg des Handelsumsatzes um 1,7 Prozent ein stabiler Partner, während die Ukraine um 6,0 Prozent zulegte. Rückläufig entwickelte sich dagegen insbesondere der Handel mit Ungarn, dessen Handelsumsatz um 2,4 Prozent sank.

Fazit: Wachstumsregion für Deutschland, gedämpfte Entwicklung für Baden-Württemberg

Die Jahreszahlen 2025 unterstreichen die Bedeutung Südost-Europas für Deutschland als Wachstumsregion im Außenhandel. Während der gesamte deutsche Außenhandel im gleichen Zeitraum um 5,0 Prozent zurückging, stieg der Handelsumsatz mit den 14 Ländern Südost-Europas um 6,5 Prozent. Das Wachstum wurde vor allem von steigenden Einfuhren getragen; eine zentrale Rolle spielte dabei der außergewöhnlich hohe Zuwachs der deutschen Einfuhren aus Slowenien.
Baden-Württemberg verzeichnete dagegen einen Rückgang seines Handels mit Südost-Europa um 3,4 Prozent. Ausschlaggebend waren die deutlich schwächeren Einfuhren aus den beiden für Baden-Württemberg besonders wichtigen Partnerländern Rumänien und Ungarn. Die positiven Entwicklungen in Bulgarien, der Republik Moldau, der Ukraine, Serbien und Kroatien konnten diese Rückgänge nicht vollständig ausgleichen. Die unterschiedliche Entwicklung gegenüber Deutschland erklärt sich damit vor allem aus der stärker auf Rumänien und Ungarn ausgerichteten Handels- und Lieferkettenstruktur Baden-Württembergs sowie aus dem auf Bundesebene besonders kräftigen Importwachstum aus Slowenien.

Statistiken

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Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
Stand: August 2026