IHK Ulm

Aktuelles in Kürze

EU-Westbalkan-Gipfel in Tivat

Am 5. Juni 2026 trafen sich die Regierungschefs der EU und der Westbalkan-Staaten zum EU-Westbalkan-Gipfel in Tivat. EU-Ratspräsident Antonio Costa und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonten die Fortschritte im Erweiterungsprozess. Besonders Montenegro gilt derzeit als aussichtsreichster Kandidat und könnte bereits bis Ende 2026 oder Anfang 2027 alle Verhandlungskapitel abschließen. Frankreich und Deutschland stellten mit dem Konzept „A New Momentum for Enlargement“ einen neuen Ansatz für die EU-Erweiterung vor, der eine schrittweise stärkere Integration der Kandidatenländer bereits vor dem Beitritt vorsieht. Vorgesehen sind unter anderem ein erleichterter Zugang zum EU-Binnenmarkt sowie eine stärkere Beteiligung an europäischen Institutionen. Neben dem Erweiterungsprozess stand auch die regionale Zusammenarbeit im Westbalkan im Fokus. Die stärkere wirtschaftliche Integration der Region und die Annäherung an den EU-Binnenmarkt sollen die Wettbewerbsfähigkeit und die wirtschaftliche Entwicklung der Länder unterstützen.

US-Sanktionen gegen Lukoil und NIS

Die serbische Ölgesellschaft NIS erhielt vom US-Finanzministerium erneut eine befristete Ausnahme von den Sanktionen gegen russische Energieunternehmen. Gleichzeitig darf der ungarische Konzern MOL die Gespräche über eine mögliche Übernahme der russischen Beteiligung an NIS weiterführen. Auch der kroatische Pipelinebetreiber Janaf erhielt eine Genehmigung zur weiteren Rohöllieferung an NIS. Die Sanktionen gegen den russischen Konzern Lukoil bleiben für Südosteuropa weiterhin relevant, da das Unternehmen unter anderem Raffinerien in Bulgarien und Rumänien sowie ein umfangreiches Tankstellennetz in der Region betreibt.

Albanien

Albanien konnte bei den EU-Beitrittsverhandlungen einen wichtigen Fortschritt erzielen. Bei der neunten Erweiterungskonferenz mit der EU im Juli wurden erstmals Verhandlungskapitel vorläufig abgeschlossen. Betroffen sind die Bereiche Wissenschaft und Forschung, Bildung und Kultur sowie Außenbeziehungen. Gleichzeitig bestehen innenpolitische Herausforderungen: Proteste gegen ein geplantes Luxusresort in einem Naturschutzgebiet haben sich zu einer breiteren Bewegung gegen mangelnde Transparenz und Korruption entwickelt. Die Regierung kündigte an, die Regelungen zu Schutzgebieten an EU-Standards anzupassen.

Bosnien und Herzegowina

In Bosnien und Herzegowina bleibt die Besetzung des Amtes des Hohen Repräsentanten nach dem angekündigten Rücktritt von Christian Schmidt ungeklärt. Übergangsweise wurde der US-Diplomat Louis Crishock mit der Aufgabe betraut. Hintergrund der Verzögerungen sind unterschiedliche Vorstellungen der USA und der EU über die zukünftige Rolle des Amtes und dessen weitreichende Eingriffsbefugnisse. Vor den für Oktober geplanten Wahlen bleibt die politische Lage im Land weiterhin angespannt.

Bulgarien

Die EU hat gegen Bulgarien ein Defizitverfahren eingeleitet und fordert Maßnahmen zur Begrenzung des Haushaltsdefizits. Die Regierung muss bis Oktober einen konkreten Abbauplan vorlegen und das Defizit langfristig wieder unter die EU-Vorgaben führen. Nach vorgezogenen Parlamentswahlen im April 2026 wurde unter Ministerpräsident Rumen Radew eine neue Regierung gebildet. Die wirtschafts- und finanzpolitischen Herausforderungen bleiben ein zentraler Schwerpunkt der neuen Regierung.

Kosovo

Nach den vorgezogenen Parlamentswahlen im Juni 2026 wurde die Regierungspartei Vetevendosje erneut stärkste Kraft. Die Bildung einer stabilen Regierung gestaltet sich jedoch weiterhin schwierig. Gespräche mit der oppositionellen Demokratischen Liga des Kosovo (LDK) wurden vorerst ausgesetzt, nachdem innerhalb der Partei Diskussionen über die Führung aufgekommen waren. Die politische Blockade im Land konnte damit bislang nicht überwunden werden.

Montenegro

Montenegro bleibt der am weitesten fortgeschrittene EU-Beitrittskandidat im Westbalkan. Die Europäische Kommission hat ein Finanzpaket in Höhe von 3,2 Milliarden Euro vorgeschlagen, das an konkrete Reformfortschritte gekoppelt ist. Ziel ist es, die wirtschaftliche Annäherung Montenegros an die EU zu beschleunigen, die Integration in den europäischen Binnenmarkt zu vertiefen und nachhaltiges Wachstum zu fördern. Insgesamt wurden bereits 16 Verhandlungskapitel abgeschlossen. Montenegro verfolgt weiterhin das Ziel, die verbleibenden Kapitel bis Ende 2026 abzuschließen und 2028 Mitglied der Europäischen Union zu werden.

Nordmazedonien

Das Parlament Nordmazedoniens hat eine von Premierminister Hristijan Mickoski angekündigte Regierungsumbildung bestätigt. Die Anpassungen sollen nach Angaben der Regierung neue Impulse für die politische Arbeit setzen. Inhaltliche Schwerpunkte und weitere Reformschritte im EU-Integrationsprozess bleiben zentrale Themen der Regierung.

Rumänien

Rumänien befindet sich weiterhin in einer politischen Krise. Nach einem erfolgreichen Misstrauensvotum gegen die Regierung von Ministerpräsident Ilie Bolojan am 5. Mai 2026 konnten bislang keine stabilen Mehrheiten für eine neue Regierung gebildet werden. Zwei Versuche, eine parlamentarische Unterstützung für die von Präsident Nicușor Dan vorgeschlagenen Ministerpräsidenten und deren Kabinette zu erreichen, scheiterten. Damit ging das Land ohne reguläre Regierung in die Sommerpause. Die anhaltende politische Unsicherheit erschwert wichtige Reformvorhaben und beeinflusst die weitere wirtschaftliche Entwicklung des Landes.

Serbien

In Serbien bleibt die politische Lage angespannt. Präsident Aleksandar Vučić kündigte Ende Juni an, in den kommenden Wochen zurückzutreten und vorgezogene Präsidentschafts- und Parlamentswahlen anzusetzen, ohne jedoch einen konkreten Termin zu nennen. Kritiker sehen darin den Versuch, einem möglichen Machtverlust zuvorzukommen. Gleichzeitig setzen sich die landesweiten Proteste gegen Korruption und die Regierung fort. Oppositionsparteien und Studierendenvertretungen kündigten an, bei den geplanten Wahlen gegen die Regierungspartei anzutreten. Die Regierung reagiert zunehmend mit Maßnahmen gegen die oppositionelle Studierendenbewegung, wodurch die politische Polarisierung weiter zunimmt.

Slowenien

Nach den Parlamentswahlen im März 2026 gestaltete sich die Regierungsbildung in Slowenien schwierig. Die Partei Gibanje Svoboda (GS) unter dem bisherigen Ministerpräsidenten Robert Golob wurde zwar stärkste Kraft, verlor jedoch ihre Regierungsmehrheit. Nachdem keine Koalition zustande kam, wurde Janez Janša im Mai 2026 zum neuen Ministerpräsidenten gewählt. Die neue Regierung aus SDS, NSi, SLS, Fokus und Demokrati setzt Schwerpunkte auf wirtschaftliche Entwicklung, die Bekämpfung von Korruption und Kriminalität sowie eine stärkere Dezentralisierung. Zudem kündigte sie eine engere Zusammenarbeit mit der Opposition bei langfristigen Reformvorhaben und Verfassungsfragen an.
Quelle: Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V.
Stand: Juli 2026