IHK Ulm

Außenwirtschaftsbarometer Baden-Württemberg 01 I 2026

Das Außenwirtschaftsbarometer fasst die Außenhandelsthemen der IHK-Konjunkturumfrage, die Nachrichtenlage und die Außenhandelsstatistik dreimal im Jahr kompakt zusammen. Es bietet eine schnelle Orientierung über die Aussichten und Entwicklungen im Südwest-Außenhandel nach Branchen und Regionen.

Entwicklungen und Aussichten für Baden-Württemberg

Im Jahr 2025 stand der Welthandel ganz im Zeichen geopolitischer Spannungen und protektionistischer Maßnahmen. Besonders die aggressive Hochzollpolitik der US‑Regierung unter Donald Trump markierte einen tiefen Einschnitt in die globalen Wirtschaftsbeziehungen und führte zu erheblicher Unsicherheit unter den Unternehmen. Gleichzeitig verstärkte China mit neuen Exportkontrollen auf kritische Rohstoffe den Druck auf internationale Lieferketten.
Trotz der angespannten Rahmenbedingungen und der Befürchtung, die Handelskonflikte könnten die Weltwirtschaft in eine schwere Krise stürzen, bewies die globale Konjunktur eine größere Widerstandsfähigkeit als erwartet. Nach aktuellen Berechnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) wuchs die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent. Getragen wurde diese Entwicklung vor allem durch höhere Investitionen in neue Technologien sowie durch fiskal- und geldpolitische Unterstützungsmaßnahmen. Für 2026 rechnen die Expertinnen und Experten des IWF erneut mit einem stabilen globalen Wachstum von 3,3 Prozent.
Für Deutschland wird nach einem verhaltenen Wirtschaftswachstum von lediglich 0,2 Prozent im vergangenen Jahr wieder ein stärkeres Wachstum angenommen. Der IWF prognostiziert für das neue Jahr ein Wachstum von 1,1 Prozent. Einen wesentlichen Beitrag dazu soll die Fiskalpolitik leisten, insbesondere durch höhere staatliche Ausgaben.
Die Situation der Südwestwirtschaft zeigte sich 2025 insgesamt durchwachsen. Laut dem Statistischen Landesamt Baden- Württemberg lag das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den ersten drei Quartalen jeweils unter dem Niveau der entsprechenden Vorjahreszeiträume. Zum Jahresende deutet der Frühindikator des Landesamtes jedoch auf eine kurzfristige Belebung hin.
Welche Einschätzungen die Südwestunternehmen zum Jahresbeginn 2026 haben, verrät die IHK-Konjunkturumfrage:
Geschäftslage: Zu Anfang des Jahres fällt die Beurteilung der aktuellen Geschäftslage etwas positiver aus als noch im Herbst, wenngleich der Anstieg moderat ausfällt. So beurteilen rund 29 Prozent (Herbst: 26 Prozent) der Unternehmen ihre wirtschaftliche Situation als gut, während etwa ein Fünftel (Herbst: 25 Prozent) weiterhin von einer schlechten Lage ausgeht.
Geschäftserwartungen: Im Vergleich zur vorherigen Befragung haben sich die Erwartungen für die künftige Geschäftsentwicklung leicht ins Positive gedreht. Der Anteil optimistischer Stimmen ist um zwei Prozentpunkte auf 22 Prozent gestiegen, zugleich sind pessimistische Einschätzungen um fünf Prozentpunkte auf 19 Prozent gesunken.
Exporterwartungen: Die Aussichten für das Auslandsgeschäft haben sich deutlich verbessert. Mittlerweile blicken über alle Wirtschaftszweige hinweg ein Viertel der baden-württembergischen Unternehmen optimistisch auf ihre internationalen Aktivitäten. Im Herbst lag der Anteil noch bei rund 21 Prozent. Die pessimistischen Einschätzungen sind auch zurückgegangen. Nur noch 18 Prozent (Herbst: 24 Prozent) erwarten eine Verschlechterung des Auslandsgeschäfts.
Geschäftsrisiken: Die Südwestunternehmen sehen aktuell vor allem im Inland ihre größten Geschäftsrisiken. Am häufigsten nennen die befragten Unternehmen die schwache Inlandsnachfrage, die von 65 Prozent als Belastung eingestuft wird. Direkt dahinter folgen die hohen Arbeitskosten, die mit 58 Prozent ein bedeutendes Risiko für die wirtschaftliche Entwicklung darstellen. Mit jeweils 39 Prozent folgend zwei weitere Faktoren: die weiterhin hohe Energiekosten sowie die zunehmenden geopolitischen Spannungen.
Trotz des herausfordernden Umfelds starten die baden-württembergischen Unternehmen optimistisch ins neue Jahr. Nach den Belastungen der letzten Zeit besteht nun die Aufgabe darin, erforderliche Maßnahmen entschlossen umzusetzen und darauf zu vertrauen, dass diese ihre Wirkung entfalten werden.

Stimmungsbild der exportierenden Südwestindustrie

Für die exportstarke Industrie in Baden-Württemberg war das außenwirtschaftliche Umfeld zuletzt sehr herausfordernd. Die aktuelle IHK-Konjunkturumfrage bestätigt diesen Eindruck. Die Entwicklungen bei Exportumsätzen und Auftragseingängen verdeutlichen, aus welch schwieriger Situation die Unternehmen kommen. Zwar steigen die Indikatoren wieder leicht an und die Erwartungen hellen sich langsam auf, allerdings ist es noch zu früh, von einem Aufschwung zu sprechen.
Exportumsätze: Bei den Einnahmen aus dem Auslandsgeschäft deutet sich eine leichte Erholung an. 38 Prozent der Betriebe berichten, dass ihre Exportumsätze in den vergangenen vier Monaten unter dem Vorjahresniveau lagen. Dieser Anteil liegt inzwischen jedoch unter dem Ergebnis der Herbstumfrage mit 44 Prozent. Gleichzeitig verzeichnen 28 Prozent steigende Auslandsumsätze, nach 22 Prozent in der Vorumfrage. Der daraus resultierende Saldo verbessert sich somit von minus 22 auf minus zehn Punkte.
Ausländische Auftragseingänge: Die Lage bei den Auftragseingängen aus dem Ausland ist gemischt. Während etwa 23 Prozent der Industrieunternehmen eine Zunahme der Auslandnachfrage angeben, verzeichnen ebenso viele einen Rückgang. Damit halten sich beide Gruppen exakt die Waage. Der Saldo liegt bei null Punkten. Einem Teil der Betriebe gelingt es, die internationale Nachfrage wieder anzukurbeln, dem anderen Teil hingegen nicht.
Exporterwartungen: Die Erwartungen für das Exportgeschäft sind erstmals seit zwei Jahren wieder überwiegend positiv. So gehen 28 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass ihre Ausfuhren in den kommenden zwölf Monaten ansteigen werden. Demgegenüber rechnen 19 Prozent mit einer rückläufigen Tendenz. Der Saldo aus positiven und negativen Rückmeldungen beträgt neun Punkte und signalisiert ein vorerst zaghaftes Vertrauen in die Entwicklung der internationalen Märkte. Dies kann als erster Hoffnungsschimmer für das neue Jahr gewertet werden.

Auslandsinvestitionen der Südwestindustrie

Bei den Auslandsinvestitionen der baden-württembergischen Industrie zeichnet sich für das Jahr 2026 keine wesentliche Veränderung ab. Laut der IHK-Umfrage investiert aktuell ein Drittel (33,6 Prozent) der Betriebe im Ausland, was nahezu dem Vorjahreswert (33,9 Prozent) entspricht. Damit zeigt sich, dass sich die grundsätzliche Bereitschaft zu Aktivitäten im Ausland kaum geändert hat. Auch die Budgetpläne ähneln denen des Vorjahres. So wollen 33,5 Prozent der international tätigen Firmen ihr Budget erhöhen, während 12,9 Prozent Kürzungen vorsehen. Insgesamt ist weder eine deutliche Ausweitung noch ein spürbarer Rückgang der Auslandsinvestitionen zu erkennen. Bei der Betrachtung der einzelnen Zielregionen ergibt sich jedoch ein differenzierteres Bild.
Für Nordamerika haben die Südwestunternehmen ihre Budgetpläne deutlich angepasst. Waren es im letzten Jahr noch etwas mehr als die Hälfte der Betriebe (51 Prozent), die eine Ausweitung ihrer Investitionen in dieser Region vorgesehen hatten, so trifft dies in der aktuellen Befragung noch auf 40 Prozent zu. Die Investitionsbereitschaft bleibt dennoch bestehen, denn nur neun Prozent der Südwestbetriebe wollen ihre Ausgaben dort reduzieren. Ein breiter Rückzug aus dem nordamerikanischen Markt ist somit nicht zu erwarten.
In Süd- und Mittelamerika deutet sich eine moderate Aufwärtsbewegung an. Rund 30 Prozent der Befragten geben an, ihre Investitionsbudgets aufstocken zu wollen, hingegen beabsichtigen nur elf Prozent eine Kürzung. Damit überwiegt der Anteil derer, die trotz Herausforderungen auf Wachstum setzen.
Für die Eurozone liegen expansive und restriktive Budgetpläne nahezu gleichauf. Rund 24 Prozent der Unternehmen erwägen, ihre Investitionen im europäischen Raum zu verringern, während 22 Prozent eine Erhöhung planen. Da sich ähnliche Werte bereits 2025 ergaben, ist zunächst keine deutliche Veränderung der Investitionsdynamik in der Eurozone erkennbar.
In Asien werden sich die Investitionsaktivitäten im Jahr 2026 nochmals verstärken. 46 Prozent der international tätigen Firmen wollen ihr Budget in der Region erhöhen. Lediglich drei Prozent werden ihre Investitionen voraussichtlich zurückfahren. Für China sieht die Situation allerdings anders aus. Dort wird die Entwicklung deutlich gedämpfter ausfallen. 24 Prozent der Betriebe planen eine Ausgabenerhöhung (2025: 32 Prozent) und 17 Prozent eine Reduzierung (2025: 15 Prozent).

Exporterwartungen nach Branchen

Die Perspektiven für die Südwestindustrie sind im neuen Jahr so positiv wie seit Langem nicht mehr. Viele Branchen gewinnen im Auslandsgeschäft wieder an Boden. Die Elektrotechnik sendet dabei die stärksten Signale. Hier sind die Exporterwartungen am optimistischsten und auch die ausländischen Auftragseingänge zeigen wieder eine klare Aufwärtstendenz. Mit dem neuen Aufschwung wächst jedoch auch die Sorge vor globalen Risiken: 67 Prozent der Betriebe nennen geopolitische Spannungen als größtes Geschäftsrisiko.
In der Chemie- und Pharmaindustrie haben sich Exportaussichten deutlich verbessert. Nachdem die Erwartungen im Jahresverlauf an Dynamik verloren hatten, liegen sie nun wieder auf dem Niveau des Vorjahres. Gleichzeitig haben die strukturellen Belastungen zugenommen. Die schwache Inlandsnachfrage wird inzwischen von 68 Prozent der Betriebe als größtes Risiko gesehen (Vorjahr: 48 Prozent).
Im Maschinen- und Fahrzeugbau zeichnet sich ein Stimmungsumschwung ab. Beide Branchen blicken wieder optimistischer auf ihre Exportchancen, auch wenn die Herausforderungen im Auslandsgeschäft bestehen bleiben. So zählen im Maschinenbau geopolitische Spannungen mit 66 Prozent der Nennungen zum zweitgrößten Geschäftsrisiko, während sie bei den Automobilherstellern mit 62 Prozent sogar an erster Stelle stehen.
In der Metall-, Papier- und Druckindustrie überwiegt der Pessimismus. Die Unternehmen sehen sich vor allem durch hohe Arbeitskosten und eine mangelnde Inlandsnachfrage belastet.

Exporterwartungen nach Weltregionen

Für Nordamerika brachte das vergangene Jahr eine klare Trendwende mit sich. Die Region, die lange Zeit als der attraktivste Absatzmarkt galt, erlebte 2025 einen spürbaren Stimmungsumschwung. Angesichts der globalen Entwicklungen war dies wenig überraschend. Nun sind zum Jahresbeginn erste Anzeichen einer Erholung erkennbar, dennoch bleibt die Lage weiterhin schwer einschätzbar. Die Rückmeldungen der Betriebe fallen entsprechend gespalten aus. 29,1 Prozent der Befragten rechnen mit wachsenden Ausfuhren, während fast ebenso viele (29,3 Prozent) eine Abnahme erwarten.
Für Süd- und Mittelamerika sollten sich die Exportaussichten aufgrund des geplanten Mercosur-Handelsabkommens eigentlich deutlich verbessern, da sich durch dessen Umsetzung zusätzliche Wachstumsimpulse für die Südwestindustrie ergeben würden. Die anhaltenden politischen Unstimmigkeiten innerhalb der Europäischen Union dämpfen jedoch die Zuversicht. Entsprechend gemäßigt fällt der aktuelle Ausblick aus. Rund 24 Prozent der Betriebe gehen in den nächsten Monaten von steigenden Ausfuhren aus, etwa 15 Prozent vermuten dagegen eher einen Rückgang.
Auch in der Eurozone keimt wieder etwas Hoffnung auf. Nachdem die Ausfuhrerwartungen im Herbst überwiegend negativ waren, lassen die Umfrageergebnisse wieder eine leichte Aufhellung erkennen. 24 Prozent der Unternehmen blicken positiv auf die Eurozone, allerdings bleiben 18 Prozent skeptisch. Eine ähnliche Tendenz zeigt sich bei den EU-Mitgliedstaaten außerhalb der Eurozone sowie bei EU-nahen Ländern wie der Schweiz und Norwegen. 20 Prozent der Firmen rechnen mit einer Exportsteigerung, 14 Prozent mit einem Rückgang.
Auch wenn allgemein keine Euphorie herrscht, verzeichnet Asien die besten Exportaussichten unter den Weltregionen. Aktuell rechnen 29 Prozent der Firmen mit steigenden und 18,5 Prozent mit rückläufigen Exportmengen. Die Einigung über das Handelsabkommen zwischen der EU und Indien dürfte zu dieser positiven Bewertung beigetragen haben. Für China bleibt die Stimmung hingegen gedämpft. 22 Prozent der Befragten rechnen mit steigenden Ausfuhren und 28 Prozent sind da eher pessimistisch.

Außenhandelsstatistik BW: Jahresrückblick 2025

Der baden-württembergische Außenhandel hat im vergangenen Jahr leicht zugelegt. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes stiegen die Südwestausfuhren gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Prozent. Damit liegt Baden-Württemberg im bundesweiten Trend, wo der Zuwachs 0,9 Prozent betrug. Auf der Importseite zeigte sich mehr Dynamik: Die Südwesteinfuhren erhöhten sich im Vorjahresvergleich um 1,1 Prozent, während die Gesamtimporte Deutschlands sogar um 4,4 Prozent anzogen.
Trotz der zollpolitischen Maßnahmen der USA im letzten Jahr blieben die Vereinigten Staaten der wichtigste Absatzmarkt für den Südwesten. Die Entwicklung fällt dennoch ernüchternd aus. Die Exporte in die USA gingen im Vergleich zum Vorjahr um rund 13 Prozent zurück. Besonders betroffen sind jene Branchen, die traditionell den wertmäßigen Kern der Südwestexporte bilden. So verzeichnete die Außenhandelsstatistik bei Kraftwagen und -teilen ein Minus von 13,4 Prozent, pharmazeutische Erzeugnisse sanken um 19,9 Prozent und auch die Maschinenexporte gaben um 12,8 Prozent nach.
Auch das Exportgeschäft mit China hat sich deutlich verschlechtert. Die Ausfuhren in die Volksrepublik sanken im Vorjahresvergleich um 15 Prozent. Vor allem für die Automobilindustrie fällt der Rückgang dramatisch aus. Der Export von Fahrzeugen und Fahrzeugteilen gingen um rund 37 Prozent zurück.

Methodische Erläuterungen

IHK-Konjunkturberichte: Die IHKs in Baden-Württemberg befragen dreimal jährlich eine repräsentative Auswahl ihrer Mitgliedsunternehmen zur Wirtschaftslage und ihren Erwartungen. Das Außenwirtschaftsbarometer stützt sich auf die Konjunkturumfrage aus dem Zeitraum Dezember 2025 bis Januar 2026, an der sich 3.735 Südwestunternehmen aus allen Branchen, Größenklassen und Landesteilen beteiligt haben. Unter ihnen waren 1.240 Industrieunternehmen.
IHK-Konjunkturindikatoren: Sie werden als Salden der positiven und negativen Antworten ermittelt und können zwischen minus und plus 100 Punkten liegen. Die Differenz zeigt, inwieweit zuversichtliche oder kritische Erwartungen überwiegen.
Quelle: IHK Stuttgart
Stand: April 2026