Konjunkturbericht Herbst 2026: Vorsichtige Stabilisierung auf niedrigem Niveau
Der Blick der Unternehmen auf die kommenden Monate fällt überwiegend verhalten aus. Zwar hat sich der Konjunkturklimaindex für Westmecklenburg von 80,1 Punkten im Frühsommer auf aktuell 91,0 Punkte verbessert. Doch von einer positiven Wirtschaftsentwicklung kann bei einem Indexwert unter der Schwelle von 100 noch nicht gesprochen werden. Ob die Talsohle bereits durchschritten ist, bleibt offen. Jedes zweite Unternehmen rechnet mit einer unveränderten Geschäftsentwicklung. Zugleich erwartet mehr als ein Drittel eine Verschlechterung. Nur 12 Prozent blicken optimistisch auf die kommenden Monate.
- Handel unter Druck, Industrie mit Lichtblicken
- Hohe Kosten und Bürokratie bleiben größte Bremsen
- Zurückhaltung bei Neueinstellungen
- Hohe Arbeitskosten erschweren Beschäftigungsaufbau
- KI verändert die Arbeitswelt
- Landtagswahl MV: Wirtschaft erwartet wenig Veränderung
- Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern stabilisiert sich auf niedrigem Niveau
Handel unter Druck, Industrie mit Lichtblicken
Im Handel prägen insbesondere Kauf- und Investitionszurückhaltung, eine schwache Kundenfrequenz sowie hohe Energie- und Kraftstoffkosten die Erwartungen. Auch politische Unsicherheit und fehlende wirtschaftspolitische Impulse werden als Belastungen genannt. Die Unternehmen reagieren entsprechend zurückhaltend bei Neueinstellungen und teilweise mit Personalabbau.
In der Industrie finden sich vergleichsweise häufiger positive Erwartungen. Diese werden vor allem mit guten oder erwarteten Auftragseingängen, stabiler Nachfrage, geplanten Investitionen und neuen Vertriebsaktivitäten begründet. Gleichzeitig bleiben hohe Energie- und Materialkosten, Fachkräftemangel, Bürokratie und politische Unsicherheit wesentliche Belastungsfaktoren. Einige Industrieunternehmen sehen daher trotz guter Auftragslage nur begrenzte Möglichkeiten für eine Ausweitung der Beschäftigung.
Bei den Dienstleistungen überwiegen ebenfalls die skeptischen Stimmen. Neben einer zurückhaltenden Nachfrage werden vor allem steigende Personal-, Energie-, Kraftstoff- und Materialkosten, Bürokratie sowie politische und wirtschaftliche Unsicherheit als Gründe genannt. Teilweise führen geringere Aufträge bereits zu Beschäftigungsabbau.
Hohe Kosten und Bürokratie bleiben größte Bremsen
Hohe Energiekosten und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden von 67 Prozent beziehungsweise 64 Prozent der Unternehmen als Risiken für ihre wirtschaftliche Entwicklung genannt. Bei den Energiekosten werden insbesondere die anhaltend hohen finanziellen Belastungen durch die Kraftstoffpreise hervorgehoben. Auch die überbordende Bürokratie bleibt ein Dauerbrenner und belastet die Unternehmen. Die schwache Inlandsnachfrage, hohe Arbeitskosten und die insgesamt hohe Planungsunsicherheit werden jeweils von mehr als jedem zweiten Unternehmen genannt. Für rund ein Drittel der Unternehmen ist der Fachkräftemangel ein relevantes Risiko. Die häufigsten Nennungen kommen dabei aus dem verarbeitenden Gewerbe und dem Baugewerbe.
Zurückhaltung bei Neueinstellungen
Die insgesamt verhaltenen Geschäftserwartungen spiegeln sich auch in der Beschäftigungsplanung wider. 29 Prozent der Unternehmen planen einen Beschäftigungsabbau, während nur rund jedes zehnte Unternehmen zusätzliche Beschäftigung schaffen will. Gleichzeitig bestehen Fachkräfteengpässe fort. Insgesamt deutet die Entwicklung damit auf eine vorsichtige Stabilisierung, aber noch nicht auf einen nachhaltigen Aufschwung hin.
Die Bedeutung von Minijobs wird nicht nur im Dienstleistungsbereich und im Handel, sondern auch im verarbeitenden Gewerbe besonders häufig genannt. Über alle Branchen hinweg halten 40 Prozent der Unternehmen geringfügige Beschäftigung für eher wichtig bis sehr wichtig. Für jeweils 30 Prozent sind Minijobs eher unwichtig oder nicht relevant.
Hohe Arbeitskosten erschweren Beschäftigungsaufbau
Die Arbeitskosten werden von 53 Prozent der Unternehmen als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung genannt. 58 Prozent sprechen sich in der aktuellen Umfrage dafür aus, die Sozialversicherungsbeiträge zu senken, um Personal besser einsetzen oder neu einstellen zu können. Weniger gesetzliche Vorgaben bei den Arbeitszeiten und eine Flexibilisierung des Kündigungsschutzes werden jeweils von 34 Prozent der Unternehmen genannt.
KI verändert die Arbeitswelt
29 Prozent der teilnehmenden Unternehmen setzen aktuell keine Künstliche Intelligenz ein und planen dies auch in absehbarer Zeit nicht. Insgesamt sehen 36 Prozent der Unternehmen einen steigenden Bedarf an Qualifizierung und Weiterbildung ihrer Beschäftigten. 31 Prozent gehen davon aus, dass sich die Tätigkeitsprofile deutlich verändern werden. 17 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass ihr Personalbestand durch KI eher sinken wird. 3 Prozent erwarten hingegen einen steigenden Personalbestand.
Landtagswahl MV: Wirtschaft erwartet wenig Veränderung
Der Ausgang der Landtagswahl wird von den Unternehmen ambivalent bewertet. Viele sehen angesichts schwieriger Mehrheitsverhältnisse und einer möglichen Dreierkoalition vor allem das Risiko langsamer Entscheidungen und fehlender politischer Handlungsfähigkeit.
Zugleich dominiert die Sorge vor einem wirtschaftspolitischen „Weiter so“. Viele Unternehmen bezweifeln, dass notwendige Reformen und Verbesserungen der Rahmenbedingungen vorankommen. Genannt werden insbesondere Bürokratieabbau, hohe Energie- und Abgabenbelastungen sowie mehr Planungssicherheit. Dabei ist der Wirtschaft bewusst, dass viele der drängenden Probleme auf Bundes- und EU-Ebene angegangen werden müssen.
Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern stabilisiert sich auf niedrigem Niveau
Die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern zeigt im Herbst 2026 erste Anzeichen einer Stabilisierung. Die Geschäftslage der Unternehmen hat sich gegenüber dem Frühsommer verbessert: 33 Prozent bewerten sie als gut, 18 Prozent als schlecht. Auch die Geschäftserwartungen fallen etwas weniger pessimistisch aus. Dennoch rechnet weiterhin ein Drittel der Unternehmen mit einer Verschlechterung der Geschäftsentwicklung. Bei Beschäftigungs- und Investitionsplänen überwiegt die Zurückhaltung. Die größten Risiken bleiben die Energiepreise (68 Prozent), die Arbeitskosten (63 Prozent) und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (56 Prozent). Auch die schwache Inlandsnachfrage und hohe Rohstoffpreise belasten die Unternehmen. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung noch aussteht. Entscheidend sind spürbare Entlastungen bei den Kosten, weniger Bürokratie und verlässliche wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, um Investitionen zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Mecklenburg-Vorpommern zu stärken.
