Konjunkturbericht: Wirtschaft unter massivem Druck - Erwartungen brechen ein
- Wirtschaft in der Zange von hohen Kosten und schwacher Konjunktur
- Branchenbetrachtung
- Erwartungen brechen ein und reißen den Index mit sich
- Fehlender Reformeifer und hohe Energiepreise belasten
- Finanzielle Situation wird zunehmend schwieriger
- Kaum Bewegung bei der Beschäftigung
- Exportaussichten trüben sich etwas ein
- Handlungsempfehlungen
Wirtschaft in der Zange von hohen Kosten und schwacher Konjunktur
Die Unternehmen in Westmecklenburg bewerten ihre aktuelle wirtschaftliche Lage im Frühsommer 2026 weiterhin überwiegend verhalten. Zwar profitieren zahlreiche Betriebe noch von bestehenden Aufträgen, stabilen Kundenbeziehungen oder Vorleistungen aus den vergangenen Jahren, gleichzeitig nehmen die Sorgen über die weitere wirtschaftliche Entwicklung jedoch deutlich zu. Über nahezu alle Wirtschaftsbereiche hinweg dominieren fünf Themen:
- hohe Energie-, Kraftstoff- und Personalkosten,
- Kaufzurückhaltung und schwache Nachfrage,
- Bürokratie und fehlende Planungssicherheit,
- politische und geopolitische Unsicherheiten,
- Fachkräfte- und Personalprobleme.
Die Unternehmen befinden sich daher vielfach in einer Zange zwischen stark steigenden Kosten auf der Angebotsseite und einer zunehmend schwachen Kaufzurückhaltung auf der Nachfrageseite. Dieser gleichzeitigen Belastung können sich Unternehmen selber kaum entziehen.
Branchenbetrachtung
Besonders angespannt ist die Stimmung im Handel. Die Branche leidet stärker als andere unter der Zurückhaltung der Verbraucher. Viele Händler berichten von rückläufiger Kundenfrequenz, fehlender Kaufkraft und einer deutlichen Konsumzurückhaltung. Steigende Betriebskosten treffen hier auf eine hohe Preissensibilität der Kunden. Im Dienstleistungsbereich zeigt sich die Geschäftslage dagegen noch vergleichsweise stabil. Gut gefüllte Auftragsbücher, laufende Projekte und positive Effekte aus Vorjahren sorgen vielerorts noch für eine gute Auslastung. Gleichzeitig wächst jedoch auch hier die Sorge vor einer nachlassenden Nachfrage und sinkender Investitionsbereitschaft der Kunden. Insgesamt zeigt sich die Hotel- und Gastronomiebranche in Westmecklenburg derzeit stark unter Druck. Die Unternehmen kämpfen gleichzeitig mit schwacher Nachfrage, hohen Kosten und großer Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung.
Das verarbeitende Gewerbe zeigt ein differenziertes Bild. Während einzelne Unternehmen von stabiler Nachfrage und positiven Impulsen aus dem In- und Ausland berichten, geraten andere durch hohe Energie- und Rohstoffpreise, steigende Logistikkosten sowie zunehmenden Wettbewerbsdruck erheblich unter Druck. Auch im Baugewerbe mehren sich die Hinweise auf eine rückläufige Bautätigkeit. Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie eine zunehmende Investitionszurückhaltung bremsen die Entwicklung. Im Bereich Verkehr und Lagerei bleiben insbesondere hohe Kraftstoff- und Lohnkosten eine erhebliche Belastung.
Erwartungen brechen ein und reißen den Index mit sich
Die Zukunftserwartungen erleiden erneut einen starken Dämpfer. Die multiplen Krisen und das Ausbleiben struktureller Reformen lassen die Hoffnung auf eine baldige Besserung schwinden. Nur noch 7 Prozent der teilnehmenden Unternehmen gehen von besseren Geschäftserwartungen aus (Jahresbeginn = 13 %). Demgegenüber stehen ganze 47 Prozent, die von einer (weiteren) Verschlechterung ausgehen. Im Vergleich zum Jahresanfang ist der Anteil um 8 Prozentpunkte gestiegen.
Das führt zu einem deutlichen Einbruch beim Konjunkturklimaindex, der die aktuelle Lage und die Erwartungen der Unternehmen im Zeitverlauf wiedergibt. Der Indikator fällt um 9,3 Punkte auf nun 80,1 Indexpunkte, was ein deutliches Signal für eine katastrophale Stimmung in der Wirtschaft ist. Innerhalb der letzten 10 Jahre lag der Index für Westmecklenburg nur beim COVID-Ausbruch (77,9 %) und bei der Energiekrise im Zuge des Angriffskrieges Russlands auf die Ukraine (68,4 %) niedriger.
Fehlender Reformeifer und hohe Energiepreise belasten
Die Risikolast bleibt insgesamt auf einem sehr hohen Niveau. Besonders auffällig ist der deutliche Anstieg des Risikos durch Energiepreise um 15 Prozentpunkte auf 64 Prozent. Über alle Branchen hinweg werden von den Unternehmen vor allem die hohen Diesel- und Benzinpreise als Belastungsfaktor genannt. Dies betrifft insbesondere Logistikunternehmen sowie Betriebe mit eigenem Fuhrpark. Auch die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen werden mit 65 Prozent der Nennungen erneut deutlich häufiger als Risiko angeführt. Das Ausbleiben dringend notwendiger Reformen auf Bundesebene belastet die Zukunftserwartungen der Unternehmen spürbar. Weiterhin bewertet eine deutliche Mehrheit die Arbeitskosten als zu hoch. Zusätzlich dämpft eine schwache Inlandsnachfrage die wirtschaftlichen Perspektiven. Bemerkenswert ist zudem der Anstieg des Risikos einer schwachen Auslandsnachfrage um 4 Prozentpunkte. Mit einem Anteil von 12 Prozent an allen Nennungen erscheint dieses Risiko insgesamt zwar weniger dominant, gewinnt jedoch für international tätige Unternehmen angesichts geopolitischer Unsicherheiten deutlich an Relevanz. In Summe führt die hohe Risikolast zu einer ausgeprägten Planungsunsicherheit, die sich zunehmend auf unternehmerische Entscheidungen auswirkt.
Finanzielle Situation wird zunehmend schwieriger
Die Investitionsabsichten der Unternehmen bleiben auf einem niedrigen Niveau. 42 Prozent der befragten Unternehmen planen derzeit keine Investitionen. Als Hauptgründe werden Unsicherheiten sowie eine ungünstige Marktlage genannt. Besonders betroffen sind Unternehmen aus dem Handel und dem verarbeitenden Gewerbe. Lediglich 21 Prozent planen höhere Investitionen. Diese stammen überdurchschnittlich häufig aus dem Dienstleistungssektor. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der finanziellen Situation der Unternehmen wider. Der Anteil derjenigen, die ihre Lage als unproblematisch einschätzen, sinkt um 5 Prozentpunkte auf 39 Prozent. Gleichzeitig nehmen Rückgänge beim Eigenkapital sowie Liquiditätsengpässe zu.
Kaum Bewegung bei der Beschäftigung
Die Beschäftigungspläne der Unternehmen verharren auf niedrigem Niveau. Lediglich 6 Prozent planen einen Personalaufbau, während mehr als jedes
vierte Unternehmen mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl rechnet. Als Hauptursachen werden hohe Kosten und eine schwache Marktlage genannt.
vierte Unternehmen mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl rechnet. Als Hauptursachen werden hohe Kosten und eine schwache Marktlage genannt.
Exportaussichten trüben sich etwas ein
Die Exporterwartungen der außenwirtschaftlich aktiven Unternehmen bleiben insgesamt weitgehend stabil. 58 Prozent rechnen mit gleichbleibenden
Geschäften. Ein Drittel erwartet eine Verschlechterung, während lediglich 8 Prozent von einer Verbesserung ausgehen. Die positiven Erwartungen
stützen sich dabei vor allem auf eine stabilere Nachfrage aus China.
Geschäften. Ein Drittel erwartet eine Verschlechterung, während lediglich 8 Prozent von einer Verbesserung ausgehen. Die positiven Erwartungen
stützen sich dabei vor allem auf eine stabilere Nachfrage aus China.
Handlungsempfehlungen
Die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern findet vor dem Hintergrund tiefgreifender wirtschaftlicher und struktureller Veränderungen statt. Als Stimme der regionalen Wirtschaft bringen wir zentrale wirtschaftspolitische Handlungsfelder in die Debatte ein und fördern den Dialog zwischen Politik und Unternehmen.
Die Kernforderungen der IHKs in Mecklenburg-Vorpommern verstehen sich als Beitrag zur wirtschaftspolitischen Orientierung im Vorfeld der Landtagswahl 2026. Sie bündeln wesentliche Leitlinien für eine Politik, die Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit verbindet. Ziel ist es, Mecklenburg-Vorpommern als starken Wirtschafts- und Lebensstandort weiter zu entwickeln.
