VI. Technologie und Innovation
Mecklenburg‑Vorpommern nutzt sein Innovationspotenzial bislang nicht ausreichend: KMU haben zu wenig Zugang zu Forschung, Förderverfahren sind komplex, und der Technologietransfer ist lückenhaft organisiert. Um Wettbewerbsfähigkeit und Wertschöpfung zu stärken, braucht das Land effizientere Strukturen für Innovation, bessere Schnittstellen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sowie schnellere, technologieoffene Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten.
Unsere Kernforderungen
- 6.1 Innovation stärken - Innovationsagentur Mecklenburg-Vorpommern etablieren
Wie es ist:
Kleine und mittlere Unternehmen in Mecklenburg-Vorpommern verfügen im Vergleich zum Bundesdurchschnitt über deutlich geringere Mittel für Innovationen. Für viele Betriebe lohnt sich der Einsatz von Fachpersonal in Forschung und Entwicklung aufgrund der geringen Unternehmensgröße wirtschaftlich nicht, während Unternehmerinnen und Unternehmer stark ins Tagesgeschäft eingebunden sind. Gleichzeitig sind die Patentanmeldungen rückläufig: Im Jahr 2024 belegte Mecklenburg-Vorpommern mit nur 58 Patentanmeldungen laut dem Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) den letzten Rang aller 16 deutschen Bundesländer. Nur wenige Technologiefelder wie Medizintechnik und Maschinenbau tragen signifikant zu Patenten bei.Der Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft ist ausbaufähig, da lange Anbahnungszeiten, fehlende Übersetzungs- und Transferstrukturen sowie unterschiedliche Projektlogiken bestehen. Kleinstunternehmen finden keinen Zugang zu Angeboten der Hochschulen, Forschungseinrichtungen und bestehenden Innovationsnetzwerken, da Einstiegs- bzw. Kleinprojekte nicht bearbeitet werden. Hinzu kommen fehlende Strukturen für professionelle Beratung im Innovationsprozess, z. B. durch Fach- und Projektexpertinnen und Fachexperten, Wirtschaftsförderinnen und Wirtschaftsförderer, Technologiedolmetscherinnen und Technologiedolmetscher oder Branchennetzwerkerinnen und Branchennetzwerker. Bürokratische Hürden, unzureichende Digitalisierung und eingeschränkter Marktzugang erschweren Innovationsvorhaben zusätzlich.Wie es sein sollte:
Mecklenburg-Vorpommern soll eine eigenständige Innovationsagentur aufbauen, die als regional verankerter, agiler Impulsgeber den Technologietransfer und Innovationen systematisch unterstützt. Die Agentur soll ausreichend finanziell und personell ausgestattet sein, um den Bedarf der Unternehmen im Land zu identifizieren, FuE-Projekte gezielt zu fördern und bürokratische Hürden durch digitale Prozesse zu reduzieren. Zur Sicherung von Know-how und Innovationsergebnissen sind die Beratungsangebote für gewerbliche Schutzrechte auszubauen und zu verstetigen. Die IHKs erklären sich bereit, den Aufbau einer Innovationsagentur auch monetär zu begleiten.Wir fordern, dass:
- die Landesregierung eine eigenständige Innovationsagentur Mecklenburg-Vorpommern als regional verankerten, agilen Impulsgeber für Technologietransfer und Innovation schnellstmöglich aufbaut und verstetigt. Sie soll Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Betriebe, einen einfachen Zugang zu Wissenstransfer, Forschungsinfrastrukturen, Innovationsnetzwerken und internationalen Märkten ermöglichen und so ein nachhaltiges Fundament für Forschung, Entwicklung und Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern schaffen.
- die Landesregierung langfristig eine verlässliche Finanzierung sicherstellt, damit die Innovationsagentur ein nachhaltiges Fundament für Forschung, Entwicklung und Wertschöpfung in Mecklenburg-Vorpommern bildet.
- 6.2 Intensivierung des Forschungs- und Technologietransfers
Wie es ist:
Trotz einer gut ausgeprägten Forschungslandschaft wird das Transferpotenzial von der kleinteiligen Wirtschaft oft unzureichend genutzt. Die Schwerpunktsetzung der Projektauswahl bei der landeseigenen Exzellenzforschungsförderung geht häufig an den Bedarfen der regionalen Wirtschaft vorbei. Bestehende Hochschulkompetenzen vor Ort sind bei der regionalen Wirtschaft zu wenig bekannt, es besteht noch zu wenig Zusammenarbeit. Von Seiten der Hochschulen wird der Transfer mit der regionalen Wirtschaft unzureichend angeboten, es fehlen Kümmerer/ Transferbeauftragte seitens der Hochschulen. Viele KMU scheuen die strukturellen Hürden und bemängeln die fehlenden direkten Ansprechpartner für Forschungskooperationen.Wie es sein sollte:
Die Verknüpfung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft soll deutlich gestärkt werden, um Forschungsergebnisse schneller in die regionale Wertschöpfung zu überführen. Die Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern sollten sich zunehmend als proaktive, praxisorientierte Partner der Wirtschaft verstehen. Besonders KMU und kleinere Unternehmen (KU) sollten durch eine niedrigschwellige Förderung sowie Transferangebote auch Einstiegs- und Kleinprojekte realisieren können. Kümmerer aus den Technologietransferstellen sollen hierbei unterstützend wirken.
Darüber hinaus sollen bereits während der Ausbildung Studierende frühzeitig Kontakt zur heimischen Wirtschaft erhalten. Professoren sollen aktiv die Verbindung zur regionalen Industrie herstellen und deren Belange stärker in die Forschung und Ausbildung einbeziehen. Gemeinsame FuE-Projekte zwischen Hochschulen und Unternehmen, insbesondere mit Schwerpunktsetzung aus der Regionalen Innovationsstrategie (RIS), sollen finanziell unterstützt und nachhaltig gefördert werden. Auch Ausgründungen und Startups aus Hochschulen sollen proaktiver gefördert und personelle Kapazitäten in KMU ausgebaut werden.Wir fordern, dass:
- klare Schnittstellen und schlanke Prozesse an allen Hochschulen eingerichtet werden, die KMU einen unkomplizierten Zugang zu wissenschaftlichem Know-how und Forschungsinfrastrukturen bieten.
- die Bereitschaft der Hochschulen zur Zusammenarbeit mit Unternehmen vor Ort deutlich erhöht wird, u.a. durch Bereitstellung von Mitteln im Hochschulbereich für die Forschung aus der Region für die Region.
- die Sicherung von Fachpersonal für FuE für Unternehmen vor Ort gestärkt wird
- die Förderung der Ersteinstellung von Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen in technischen Fachrichtungen beibehalten und auf weitere Fachrichtungen ausgeweitet wird, um die personellen Kapazitäten für interne FuE-Tätigkeiten in KMU aufzubauen.
- 6.3 Bessere Förderbedingungen und Finanzierungsunterstützungen für Innovationen
Wie es ist:
Die Antrags- und Bewilligungsverfahren für Innovationsförderungen des Landes (z.B. über die FuE-Richtlinie) sind oft zu langwierig, komplex und bürokratisch, was KMU-Ressourcen bindet und KMU überfordert. Viele Programme fokussieren zu stark auf technische Produktinnovationen. Die Eigenkapitalbasis vieler KMU ist begrenzt, was die Finanzierung größerer Innovationssprünge erschwert. Innovationsunterstützungen müssen zügig zur Verfügung stehen, um das Zeitfenster für den Innovationsvorsprung nutzen zu können. Dies gilt besonders bei disruptiven Innovationen.Wie es sein sollte:
Die Innovationsförderung soll technologieoffen und effizient sein. Mittel müssen schnell zur Verfügung stehen, praxistauglich sein und dürfen durch bürokratische Hürden oder lange Antragsbearbeitungszeiten die Innovationumsetzung nicht ausbremsen. Die Förderung soll die gesamte Bandbreite der Innovationen umfassen, inklusive Produkt-, Prozess-, Organisations- und Dienstleistungsinnovationen. Sie soll insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen durch Einstiegsprojekte den Zugang erleichtern, sodass diese positive Erfahrungen sammeln und später auch größere Innovationen angehen können. Förderprogramme von Bund, Land und Hochschulen sollen stärker aufeinander abgestimmt werden. Projektbegleitendes Mentoring von der Idee bis zum Markteintritt soll möglich sein, und die Rahmenbedingungen für private Wagniskapitalgeber sowie die Beteiligung des Landes an Co-Investitionen sollen die Finanzierungslücke schließen.Wir fordern, dass:
- die Ausweitung auf eine technologieoffene und effiziente Förderung erfolgt. Mittel sollten schnell zur Verfügung stehen, praxistauglich sein und dürfen durch bürokratische Hürden und lange Antragsbearbeitungszeiten die Innovationsumsetzung nicht ausbremsen.
- die Antrags- und Bewilligungsverfahren für Innovationsförderungen (Stichwort: Effiziente Verwaltung deutlich vereinfacht und beschleunigt werden, sodass bürokratische Hürden abgebaut und eine effiziente Verwaltung gewährleistet werden.
- die Wagniskapitalangebote für ein attraktives Umfeld für private Wagniskapitalgeber geschaffen wird und das Land sich an Co-Investitionen ausgebaut werden, um die Finanzierungslücke zu schließen.
- die Volumina bestehender Risikokapitalbeteiligungsfonds mit Revolvierung der Erträge und Rückzahlungen aufrechterhalten und ausgeweitet werden.
