IV. Verkehr und Mobilität
Mecklenburg‑Vorpommern steht vor wachsenden Herausforderungen in Verkehrsinfrastruktur, Logistik und Mobilität. Sanierungsstaus, Engpässe, unzureichende Abstimmung und mangelnde Verlässlichkeit beeinträchtigen die Erreichbarkeit von Wirtschaftsstandorten. Für einen funktionierenden Wirtschaftsverkehr braucht es priorisierte Investitionen, bessere Koordination und stabile, planbare Mobilitätsangebote.
Unsere Kernforderungen
- 4.1 Infrastrukturprojekte konsequent umsetzen - Gewerbestandorte zuverlässig anbinden
Wie es ist:
Landes-, Kreis- und Kommunalstraßen sowie zahlreiche Brückenbauwerke in Mecklenburg-Vorpommern weisen einen zunehmenden Substanzverzehr auf. Sanierungsstaus, personelle Engpässe in der Straßenbauverwaltung sowie unzureichende finanzielle Ausstattung der Kommunen verzögern dringend notwendige Maßnahmen. Wirtschaftsstandorte sind vielfach nicht ausreichend leistungsfähig angebunden, was die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen beeinträchtigt. Die im aktuellen Doppelhaushalt der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern eingeplanten Mittel für die Brückensanierung reichen nicht aus, um alle Brückenbauwerke, deren Zustand nach eigenen Angaben des Landes mit einer Note von 3,0 oder schlechter bewertet werden, also in einem kritischen Zustand sind, in absehbarer Zeit zu ertüchtigen (→ Zustand unserer Brücken an Bundes- und Landesstraßen in MV, Stand 2025). Damit riskiert die Landesregierung den unkontrollierten Abgang von Brückenbauwerken und ungeplante Baustellen, die das Gesamtsystem erheblich belasten können.Wie es sein sollte:
Infrastrukturprojekte sollen konsequent priorisiert, verlässlich finanziert und schneller umgesetzt werden. Ziel sollte sein, den Erhalt der bestehenden Infrastruktur zu sichern, Brücken und Straßen wieder dauerhaft leistungsfähig zu machen und die verkehrliche Anbindung von Gewerbe- und Industriestandorten landesweit zu verbessern.Wir fordern, dass:
- Projekte des Bundesverkehrswegeplans in Mecklenburg-Vorpommern zielgerichtet umgesetzt und bestehende Netzlücken geschlossen werden.
- ein eigenständiges Brückensanierungsprogramm des Landes aufgelegt wird, das den Anforderungen des Güter- und Schwerlastverkehrs gerecht wird.
- bei der Priorisierung der Infrastrukturprojekte die leistungsfähige Anbindung der Gewerbe- und Industriegebiete an Straße und Schiene ganz oben auf der Agenda der Landesregierung steht.
- die finanzielle und personelle Ausstattung der Kommunen und Baulastträger nachhaltig verbessert wird, um die notwendigen Erhaltungs- und Neubaumaßnahmen zügig umsetzen zu können.
- Planungs- und Genehmigungsverfahren durch Digitalisierung und Standardisierung deutlich beschleunigt werden.
- 4.2 Logistik sichern - Erreichbarkeit von Wirtschaftsstandorten gewährleisten
Wie es ist:
Viele Unternehmen – insbesondere im ländlichen Raum – kämpfen mit eingeschränkter Erreichbarkeit ihrer Standorte. Unzureichende Verkehrsangebote, fehlende Park- und Lademöglichkeiten sowie Engpässe im Güterverkehr beeinträchtigen die tägliche betriebliche Praxis und die Attraktivität des Standorts Mecklenburg-Vorpommern.Wie es sein sollte:
Güterverkehr und Logistik sind das Schmiermittel für die Wirtschaft. Sie müssen reibungslos funktionieren. Im Bewusstsein dieser Bedeutung werden Herausforderungen der Branche regelmäßig zwischen Wirtschaft und Entscheidungsträgern auf Augenhöhe erörtert und gemeinsam Lösungen erarbeitet.Wir fordern, dass:
- Logistik und Güterverkehr als systemrelevante Branchen stärker wertgeschätzt und entlastet werden und ein regelmäßiger Dialog mit der Landesregierung etabliert wird.
- Gewerbe- und Industriegebiete leistungsfähig an Straße, Schiene und ÖPNV angebunden werden.
- Pendlerverkehre besser berücksichtigt und Verkehrsangebote an Arbeitszeiten angepasst werden.
- ausreichend Kurzzeitparkplätze sowie Lade- und Lieferzonen für den Wirtschaftsverkehr geschaffen werden.
- 4.3 Baustellen koordinieren - Verkehrsausfälle minimieren
Wie es ist:
Die ADAC-Staubilanz zeigt es: Staus nehmen weiter zu. 2025 zählte der ADAC 478.000 Stunden Stau auf deutschen Autobahnen, das sind noch einmal 30.000 Staustunden mehr als im Jahr 2024 (ADAC Staubilanz 2025). Für 2026 erwartet der ADAC ein leicht steigendes Verkehrsaufkommen – und damit mehr Staus. Tausende Brücken müssen saniert oder ersetzt werden, ebenso stehen umfassende Arbeiten an Tunneln und Fahrbahnen an. Unzureichend koordinierte Baumaßnahmen an Straßen und Schienen führen zu erheblichen Verkehrsbehinderungen für Unternehmen, Logistik und Pendler. Häufig überlagern sich Baustellen unterschiedlicher Baulastträger, Umleitungsstrecken sind nicht ausreichend leistungsfähig und Informationen erfolgen zu spät oder unvollständig. Digitale Abstimmungs- und Informationssysteme fehlen bislang in weiten Teilen des Landes. Einmal jährlich informiert das Landesamt für Straßenbau und Verkehr Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit den weiteren Baulastträgern über geplante Bauprogramme, eine kontinuierliche Koordinierung findet jedoch nicht statt.Wie es sein sollte:
Die Bedeutung einer vorausschauenden Baustellenkoordination nimmt weiter zu, da durch zusätzliche Finanzmittel für die Infrastruktur künftig mit einer steigenden Zahl gleichzeitiger Baumaßnahmen zu rechnen ist und eine enge Abstimmung sowie transparente, frühzeitige Kommunikation daher notwendiger denn je sind. Das Land soll eine landesweite, digitale Verkehrs- und Baustellenkoordinierung etablieren und alle Baumaßnahmen baulastträgerübergreifend abstimmen. Ziel sollte sein, Überschneidungen zu vermeiden, Beeinträchtigungen zu bündeln, Umleitungen leistungsfähig zu planen und Unternehmen sowie Bürger frühzeitig und verlässlich zu informieren. In Konfliktfällen zwischen mehreren Baulastträgern sollte ein klar definiertes, verbindliches Abstimmungsprozedere greifen.Wir fordern, dass:
- eine zentrale, digitale Plattform zur Verkehrs- und Baustellenkoordination in Mecklenburg-Vorpommern aufgebaut und dauerhaft betrieben wird.
- Bauvorhaben auf Straße und Schiene zeitlich und räumlich besser aufeinander abgestimmt werden, auch über Verwaltungs- und Landesgrenzen hinweg.
- Unternehmen, Gewerbetreibende und Veranstalter von Großveranstaltungen frühzeitig in die Planung einbezogen werden.
- Baumaßnahmen zügig, möglichst ohne Bauunterbrechungen und mit hoher Auslastung umgesetzt werden, um die Gesamtdauer von Einschränkungen zu minimieren.
- 4.4. Mobilitätsoffensive MV - ÖPNV und Bahn verlässlich machen
Wie es ist:
Kurzfristige Streckensperrungen, Verspätungen, Zugausfälle und der Wegfall von Fernverkehrsverbindungen beeinträchtigen die Verlässlichkeit des Schienenverkehrs erheblich. Im Jahr 2025 lag die Pünktlichkeit im Schienenpersonenfernverkehr der Deutschen Bahn bei 60,1 %. 10 Jahre zuvor lag sie noch bei 74,4 %. Im Regionalverkehr sind die Werte etwas besser. Gleichwohl erreicht der RE8 Wismar-Berlin lediglich 83,01 Prozent Pünktlichkeit und der RE1 Rostock-Hamburg nur 84,5 % Pünktlichkeit Gleichzeitig fehlt dem ÖPNV eine langfristig gesicherte Finanzierung. Pendler, Unternehmen und der Tourismus leiden unter fehlender Planbarkeit und eingeschränkter Erreichbarkeit, insbesondere im ländlichen Raum.Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern hat 2023 mit ihrer Mobilitätsoffensive begonnen gegenzusteuern und mehr Mittel für den Ausbau des Nahverkehrsangebots bereitgestellt. Die mittelfristige Verlässlichkeit des Angebots wird allerdings immer wieder in Frage gestellt. Insbesondere die Landkreise als Aufgabenträger des ÖPNV stellen das Rufbus-Angebot regelmäßig auf den Prüfstand.Wie es sein sollte:
Das Land soll gemeinsam mit Bund und Bahn die Verlässlichkeit und Leistungsfähigkeit des Schienenverkehrs wiederherstellen und den ÖPNV dauerhaft absichern. Ziel sollte sein, stabile, planbare und attraktive Mobilitätsangebote für alle Regionen Mecklenburg-Vorpommerns zu gewährleisten.Wir fordern, dass:
- die langfristige und auskömmliche Finanzierung des ÖPNV sowie des Deutschland-Tickets sichergestellt wird.
- zunächst die Stabilisierung und Sicherung des bestehenden Verkehrsangebotes Priorität hat.
- Streckensperrungen frühzeitig kommuniziert und Ersatzverkehre verlässlich organisiert werden.
- die Schiene als leistungsfähiger Verkehrsträger für Personen- und Güterverkehr gestärkt wird.
