Innenstadt und Handel
- Klimaangepasste Ortszentren stärken
- 1. Mehr Grün und Schatten in Ortszentren schaffen
- 2. Ortszentren entsiegeln und wassersensibel gestalten
- 3. Kühle Aufenthaltsorte und Trinkmöglichkeiten schaffen
- 4. Wirtschaft und Veranstalter frühzeitig einbinden
- 5. Klimaangepasste Ortszentren als Standortpolitik verstehen
Klimaangepasste Ortszentren stärken
Lebendige Ortszentren sind wichtige Standorte für Einzelhandel, Gastronomie, Tourismus und Veranstaltungen. Steigende Temperaturen und häufigere Hitzeperioden können ihre Aufenthaltsqualität und damit auch ihre wirtschaftliche Attraktivität beeinträchtigen. Kommunen und Land sollten deshalb gemeinsam dafür sorgen, dass Innenstädte und Ortskerne auch bei großer Hitze attraktive, gut erreichbare und nutzbare Orte bleiben.
1. Mehr Grün und Schatten in Ortszentren schaffen
Forderungen an die Kommunen:
- Stadt- und Straßenbäume in Innenstädten und Ortskernen gezielt erhalten, ergänzen und langfristig pflegen.
- Hitzebelastete Plätze, Einkaufsstraßen, Fußwege und Veranstaltungsflächen identifizieren und mit geeigneten Verschattungselementen ausstatten.
- Begrünte Innenhöfe, Fassaden und Dächer fördern und bei öffentlichen Gebäuden sowie Bushaltestellen stärker berücksichtigen.
- Bei Neupflanzungen auf klimaresiliente Baumarten und eine ausreichende Bewässerung achten.
- Bei der Gestaltung von Plätzen neben der Aufenthalts- auch die Veranstaltungs- und Nutzungsfunktion berücksichtigen.
Forderungen an die Landespolitik:
- Kommunen durch Förderprogramme, Beratung und praxistaugliche Leitfäden beim Ausbau klimaangepassten Stadtgrüns unterstützen.
- Die langfristige Pflege und Bewässerung von Stadtbäumen stärker in Förderkonzepte einbeziehen.
- Gute Beispiele für Begrünung, Verschattung und multifunktionale Platzgestaltung in Mecklenburg-Vorpommern verbreiten.
2. Ortszentren entsiegeln und wassersensibel gestalten
Forderungen an die Kommunen:
- Bei der Umgestaltung von Straßen, Plätzen und Parkflächen unnötige Versiegelungen zurückbauen.
- Versickerungsfähige Beläge, Grünflächen, Baumrigolen und Mulden zur Aufnahme von Regenwasser einsetzen.
- Regenwasser möglichst vor Ort zurückhalten und für die Bewässerung von Stadtgrün nutzen.
- Hitzevorsorge und Starkregenschutz bei Bau-, Verkehrs- und Freiraumplanung gemeinsam betrachten.
- Bei Veranstaltungen Flächen, Zufahrten und technische Infrastruktur so planen, dass Entwässerung und Versickerung nicht beeinträchtigt werden.
Forderungen an die Landespolitik:
- Die Umsetzung des Schwammstadtprinzips in der Städtebauförderung und bei Infrastrukturprogrammen konsequent unterstützen.
- Fördermittel für Entsiegelung, Regenwasserrückhalt, Stadtgrün und klimaangepasste Platzgestaltung bündeln.
- Kommunen bei der Entwicklung integrierter Konzepte für Wasser, Grün, Verkehr und Stadtentwicklung unterstützen.
3. Kühle Aufenthaltsorte und Trinkmöglichkeiten schaffen
Forderungen an die Kommunen:
- Öffentliche „Kühle Orte“ wie begrünte Plätze, Parks, Bibliotheken, Museen oder andere geeignete Einrichtungen identifizieren und sichtbar machen.
- Trinkbrunnen und kostenfreie Trinkmöglichkeiten in zentralen Lagen, an Veranstaltungsorten und wichtigen Wegeverbindungen schaffen.
- Sitzgelegenheiten im Schatten sowie gut erreichbare Rückzugsorte für ältere Menschen, Familien und mobilitätseingeschränkte Personen anbieten.
- Eine digitale oder analoge Übersicht über kühle Orte, Trinkstellen und schattige Wege bereitstellen.
- Bei Stadtfesten und Open-Air-Veranstaltungen ausreichend Schatten, Trinkwasser und hitzegeeignete Aufenthaltsbereiche vorsehen.
Forderungen an die Landespolitik:
- Kommunale Hitzeaktionspläne und Konzepte für kühle Orte finanziell und fachlich unterstützen.
- Einheitliche Informations- und Warnangebote zu Hitzeperioden fördern.
- Modellprojekte für hitzeangepasste Veranstaltungsflächen und öffentliche Räume in kleineren Städten und Gemeinden unterstützen.
4. Wirtschaft und Veranstalter frühzeitig einbinden
Forderungen an die Kommunen:
- Einzelhandel, Gastronomie, Tourismus, Veranstalter, Eigentümer und Gewerbevereine frühzeitig in die Planung einbeziehen.
- Gemeinsame Konzepte für Begrünung, Verschattung, Außengastronomie, Veranstaltungen und die Nutzung öffentlicher Räume entwickeln.
- Temporäre Lösungen wie Sonnensegel, mobile Begrünung, zusätzliche Sitzgelegenheiten oder flexible Veranstaltungszeiten ermöglichen.
- Genehmigungs- und Abstimmungsverfahren für klimaangepasste Maßnahmen möglichst einfach und transparent gestalten.
- Bei der Entwicklung von Ortszentren die Interessen von inhabergeführten Geschäften und kleineren Betrieben besonders berücksichtigen.
Forderungen an die Landespolitik:
- Förderprogramme für Innenstadtentwicklung stärker mit Klimaanpassung, Tourismus und Wirtschaftsförderung verknüpfen.
- Kommunen bei der Entwicklung integrierter Ortszentrumskonzepte unterstützen.
- Rechtliche und organisatorische Spielräume für temporäre Verschattung, Außennutzungen und klimaangepasste Veranstaltungen prüfen.
5. Klimaangepasste Ortszentren als Standortpolitik verstehen
Forderungen an Kommunen und Land:
- Hitzevorsorge als festen Bestandteil von Stadtentwicklung, Verkehr, Tourismus, Wirtschaftsförderung und Veranstaltungsplanung verankern.
- Hitzebelastungskarten und Klimaanalysen bei der Planung von Ortszentren und Gewerbestandorten berücksichtigen.
- Grün- und Freiflächen, Frischluftschneisen und klimaökologische Ausgleichsräume langfristig sichern.
- Die Wirkung umgesetzter Maßnahmen regelmäßig überprüfen und gemeinsam mit Wirtschaft und Bevölkerung weiterentwickeln.
- Förderprogramme so ausrichten, dass nicht nur Einzelmaßnahmen, sondern zusammenhängende, multifunktionale Projekte umgesetzt werden können.
Mehr Informationen bietet das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.
