Ernährungswirtschaft

Wenn die Temperaturen steigen: Wie die Ernährungswirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern mit Hitze umgeht

Steigende Temperaturen stellen die Ernährungswirtschaft vor konkrete betriebliche Herausforderungen. Kühlung, Produktion und Logistik müssen auch bei großer Hitze zuverlässig funktionieren, gleichzeitig steigt die Belastung für die Beschäftigten.
Die Ernährungswirtschaft ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Mecklenburg-Vorpommern. Mehr als 70 größere Betriebe mit rund 14.000 Beschäftigten machen sie zum größten Industriezweig des Landes nach Beschäftigung und Umsatz. Zu den wichtigsten Bereichen zählen unter anderem Fleisch- und Milchverarbeitung, Fisch, Backwaren, Getränke und Tiefkühlprodukte.

Kühlung, Energie und Effizienz

Für die Lebensmittelwirtschaft ist Hitze mehr als eine Frage des Komforts. Kühl- und Tiefkühlketten müssen eingehalten werden, Rohstoffe dürfen nicht zu warm werden und zahlreiche Produktionsprozesse erfordern konstante Temperaturen. Mit steigenden Außentemperaturen wächst zugleich der Energiebedarf für die Kühlung.
Unternehmen setzen daher zunehmend auf Energieeffizienz, eigene Stromerzeugung und Energiespeicherung. Photovoltaikanlagen können einen Teil des Strombedarfs direkt vor Ort decken, Energiemanagementsysteme helfen, Verbrauch und Produktion besser auf das vorhandene Energieangebot abzustimmen. Kälte- und Eisspeicher ermöglichen zudem, Kälte zeitversetzt bereitzustellen und Stromverbrauch zu verschieben.
Ein effizienter Umgang mit Energie wird damit nicht nur für den Klimaschutz, sondern zunehmend auch für die Wettbewerbsfähigkeit zu einem wirtschaftlichen Faktor.

Produktion und Lieferketten anpassen

Klimaanpassung betrifft jedoch nicht nur den Energieverbrauch. Hohe Temperaturen können Produktionsabläufe, Lagerung und Logistik beeinflussen. Produktionszeiten können angepasst und hitzeempfindliche Arbeitsschritte nach Möglichkeit in kühlere Tageszeiten verlagert werden. Gleichzeitig müssen Kühlketten während Transport und Lagerung zuverlässig aufrechterhalten werden.
Auch die Rohstoffversorgung kann betroffen sein. Veränderte Wetterbedingungen können Qualität und Verfügbarkeit landwirtschaftlicher Erzeugnisse beeinflussen. Trockenheit, Hitze und Starkregen können Ernten beeinträchtigen und damit auch die Ernährungswirtschaft vor neue Herausforderungen stellen.
Robuste und diversifizierte Lieferketten gewinnen deshalb an Bedeutung. Regionale Beschaffung kann dabei Vorteile bieten, macht Unternehmen jedoch nicht unabhängig von den Folgen des Klimawandels, da auch regionale Erzeuger von veränderten Wetterbedingungen betroffen sind.

Beschäftigte vor Hitze schützen

Neben Technik und Produktionsprozessen steht der Schutz der Beschäftigten im Mittelpunkt. Hohe Temperaturen können die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen und insbesondere in Produktionshallen, Lagern und bei körperlich belastenden Tätigkeiten zu einer erheblichen Belastung werden.
Ausreichend Trinkmöglichkeiten, zusätzliche Pausen, Verschattung und Lüftung sowie angepasste Arbeitszeiten können die Hitzebelastung reduzieren. Besonders belastende Tätigkeiten lassen sich nach Möglichkeit in kühlere Tageszeiten verlagern.
In der Lebensmittelproduktion müssen solche Maßnahmen allerdings mit Hygienevorschriften, Schichtplänen und laufenden Produktionsprozessen vereinbar sein. Klimaanpassung erfordert daher ein Zusammenspiel aus technischen, organisatorischen und personellen Maßnahmen.
Für die Ernährungswirtschaft bedeutet das: Je häufiger extreme Temperaturen auftreten, desto wichtiger wird es, Produktionsabläufe, Energieversorgung, Lieferketten und Arbeitsbedingungen frühzeitig auf veränderte klimatische Bedingungen auszurichten. So können Unternehmen Betriebsabläufe sichern, Kostenrisiken begrenzen und ihre Wettbewerbsfähigkeit langfristig erhalten.