Kapitel II: Region aktiv gestalten für eine aktive Regional- und Landesentwicklung, die die hohe Lebensqualität Westmecklenburgs aktiv weiterentwickelt
- 06. Steuer- und Abgabenbelastung wettbewerbsfähig gestalten
Steuern, Abgaben und Gebühren dürfen die Wettbewerbsfähigkeit regionaler Unternehmen nicht übermäßig belasten. Sie müssen transparent, nachvollziehbar und wirtschaftlich tragfähig ausgestaltet sein. Ziel ist eine spürbare Senkung der Lohn- und Lohnnebenkosten unter Berücksichtigung der kommunalen Gewerbe- und Grundsteuerbelastung. Gesetzgeber und Verwaltung sollen bürokratische Aufwände konsequent abbauen, digitale Verfahren ausbauen und die Aufbewahrungsfristen für prüfungsrelevante Unterlagen auf fünf Jahre begrenzen. Internationale Wettbewerbsbedingungen, Zollfragen und fragile Lieferketten sind in der Abgabenpolitik angemessen zu berücksichtigen.
- 07. Kommunale Wirtschaftstätigkeit auf Ausnahmefälle begrenzen
Private Unternehmen tragen das volle unternehmerische Risiko und müssen vor Wettbewerbsverzerrungen geschützt werden. Kommunale wirtschaftliche Betätigung ist daher auf klar begründete Ausnahmefälle zu beschränken und vorab transparent zu prüfen. Für Unternehmen in öffentlicher Trägerschaft oder mit öffentlicher Beteiligung sind Wettbewerbsneutralität, Wirtschaftlichkeit und ein verantwortungsvoller Umgang mit öffentlichen Mitteln verbindlich sicherzustellen.
- 08. Gewerbe- und Industrieflächen vorausschauend entwickeln
Ausreichend verfügbare, qualitativ hochwertige Gewerbe- und Industrieflächen sind Voraussetzung für Investitionen, Wachstum und Neuansiedlungen. Industrie- und Militärbrachen sind vorrangig zu revitalisieren und Bestandsflächen nachhaltig weiterzuentwickeln. Neue Flächen müssen effizient erschlossen werden und über leistungsfähige Verkehrs- und Digitalinfrastruktur, eine gesicherte Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen im regionalen Umfeld sowie eine verlässliche planungsrechtliche Anbindung verfügen. Zentrale Innovationsstandorte wie das TGZ Wismar/Schwerin sind gezielt auszubauen. Industrie-4.0- und Industrie-5.0-Ansätze sind frühzeitig in die Planung einzubeziehen.
- 09. Regionale Wertschöpfungsketten stärken und vernetzen
Die regionale Wertschöpfung ist durch gezielte Erweiterungen, Neugründungen und Ansiedlungen entlang bestehender Strukturen auszubauen. Kurze Lieferketten, leistungsfähige Logistik sowie die enge Verzahnung von Wirtschaft, Forschung, Qualifizierung und Dienstleistungen erhöhen Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit. Das Land soll die Transformation in allen Branchen aktiv begleiten und Cluster gezielt fördern.
- 10. Genehmigungs- und Verwaltungsverfahren beschleunigen und digitalisieren
Schnelle, rechtssichere und planbare Verwaltungsverfahren sind entscheidend für Investitionen. Verbindliche Fristen sind einzuhalten. Für Planungs- und Baugenehmigungen ist ein Zielwert von maximal zwölf Monaten anzustreben. Digitale, automatisierte und parallel geführte Verfahren müssen zum Standard werden. Personelle Engpässe sind in erste Linien durch Digitalisierung zu begegnen. Darüber hinaus können schlankere Prozesse und privatwirtschaftliche Fachkompetenz helfen. Die Verwaltung soll frühzeitig beraten und unterstützen, statt investitionshemmend zu sanktionieren.
- 11. Demografischen Wandel als wirtschaftliche Chance nutzen
Westmecklenburg kann seine frühen Erfahrungen mit dem demografischen Wandel gezielt für neue Geschäftsmodelle, Dienstleistungen und Innovationen nutzen. Fachkräftesicherung erfordert lebensphasenorientierte Arbeitsmodelle, kontinuierliche Weiterbildung, flexible Übergänge in den Ruhestand sowie präventive Gesundheitsangebote. Kleine und mittlere Unternehmen sind durch passgenaue Förderprogramme und eine leistungsfähige digitale, soziale und kulturelle Infrastruktur zu unterstützen. Smart-City- und E-Government-Lösungen sind standortgerecht in die Fläche zu übertragen. Erfolgreiche Modellprojekte – etwa in Grevesmühlen und Hagenow – sind systematisch auszuwerten und weiterzuentwickeln.
- 12. Wohnen, Arbeiten und Leben integrierter entwickeln
Attraktive Arbeitsplätze erfordern bezahlbaren, gut erreichbaren Wohnraum und eine hohe Lebensqualität. Bestehender Wohnraum ist zu sanieren, neuer Miet- und Wohnraum bedarfsgerecht zu schaffen und die Innenstadtentwicklung resp. Siedlungsschwerpunkte zu stärken. Flexible Bau- und Planungsstandards sollen Kosten senken, ohne notwendige Sicherheitsanforderungen zu beeinträchtigen. Digitale Infrastruktur, Telemedizin und moderne Mobilitätsangebote verbinden Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Mitarbeiterwohnen ist gezielt zu fördern.
- 13. Attraktive Rahmenbedingungen für Auszubildende und Studierende schaffen
Kultur-, Freizeit- und Sportangebote sind langfristig zu sichern und auch im ländlichen Raum attraktiv weiterzuentwickeln. Eine aktive digitale Kommunikation stärkt die Sichtbarkeit für junge Menschen. Flexible Mobilitätsangebote müssen Ausbildung, Studium und Freizeit zuverlässig verbinden. Sicherheitsauflagen für Veranstaltungen sind verhältnismäßig auszugestalten, um privates Engagement nicht zu behindern und Innenstädte zu beleben.
- 14. Westmecklenburg überregional als Lebens- und Arbeitsregion positionieren
Westmecklenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind als attraktive Regionen für Fachkräfte, Start-ups, Investoren, Auszubildende, Studierende und Forschende zu positionieren. Erfolgreiche Initiativen wie westmecklenburg.de und Kampagnen von „Invest in MV“ sind langfristig zu sichern, finanziell auszustatten und strategisch aufeinander abzustimmen. Eine integrierte Marketingstrategie soll die Wahrnehmung der Region nach außen und innen nachhaltig stärken.
- 15. Lebendige Innenstädte und Ortszentren sichern
Innenstädte und Ortszentren sind multifunktionale Räume für Handel, Dienstleistungen, Wohnen, Kultur, Bildung und Freizeit und gezielt weiterzuentwickeln. Die Erreichbarkeit für Fuß-, Rad-, ÖPNV-, Auto- und Lieferverkehre ist ausgewogen sicherzustellen. Großflächiger Einzelhandel außerhalb der Zentren ist kritisch zu prüfen. Landesinitiativen, Belebungsbudgets, Dialogformate, Wettbewerbe und professionelles Ansiedlungsmanagement sind konsequent fortzuführen.
- 16. Stadt und Land stärker vernetzen
Westmecklenburg ist als zusammenhängender Lebens-, Arbeits- und Wirtschaftsraum zu entwickeln. Kommunale Grenzen dürfen Kooperation nicht behindern. Städte und ländliche Räume sollen bei zentralen Zukunftsthemen – von Bildung und Fachkräftesicherung über Wohnen und Mobilität bis hin zu Kultur und Freizeit – gemeinsam handeln. Die Zusammenarbeit mit der Metropolregion Hamburg ist auszubauen, um Synergien zu nutzen und die Attraktivität der gesamten Region nachhaltig zu stärken.
