Kapitel III: Junge Menschen befähigen für eine konsequent qualitätsorientierte Bildungs- und Weiterbildungspolitik als Bestandteil der Fachkräftesicherung
Vertiefendes Forderungspapier
- Positionen der IHK zu Schwerin zur Fach- und Arbeitskräftesicherung
- Gemeinsame Erklärung der Berufsbildungsausschüsse der IHKs in MV zur Sicherung und Modernisierung der Berufsschulstandorte in Mecklenburg-Vorpommern
- 17. Eigenverantwortung, Leistung und Chancengleichheit stärken
Bildungserfolg setzt Eigenverantwortung, Leistungsbereitschaft und Offenheit für lebenslanges Lernen voraus. Politik und Verwaltung müssen verlässliche Rahmenbedingungen für qualitativ hochwertige Bildung in allen Lebensphasen schaffen. Chancengleichheit ist dabei eine zentrale Voraussetzung für Fachkräftesicherung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Eltern sind stärker in ihrer Mitverantwortung für Bildungs- und Ausbildungserfolge einzubinden.
- 18. Bildungspolitik konsequent qualitäts- und kompetenzorientiert ausrichten
Bildung muss von der frühkindlichen Förderung bis zur Weiterbildung flächendeckend qualitativ hochwertig und gut erreichbar sein. Zentrale Kompetenzen sind Sprach- und Mathematikkenntnisse, naturwissenschaftliche Grundlagen, Medien- und Digitalkompetenz sowie analytisches, kreatives und selbstständiges Denken. Interkulturelle und methodische Fähigkeiten sind als Schlüsselqualifikationen systematisch zu stärken.
- 19. Allgemeinbildende Schulen praxis- und berufsorientiert weiterentwickeln
Allgemeinbildende Schulen legen die Grundlage für Ausbildungsfähigkeit und Berufswahlkompetenz. Sie benötigen eine verlässliche personelle und finanzielle Ausstattung sowie moderne Lehr- und Lernmethoden. Praxis- und Wirtschaftsbezug, Berufs- und Studienorientierung sowie verbindliche Schulpraktika sind frühzeitig, systematisch und gemeinsam mit der Wirtschaft auszubauen.
- 20. Berufsschulen als Kern der dualen Ausbildung stärken
Berufsschulen sind ein zentraler Pfeiler der Fachkräftesicherung und müssen qualitativ, personell und technisch zukunftsfähig aufgestellt werden. Digitale und hybride Lernformate sind konsequent auszubauen. Lehrkräfte sind entsprechend auszustatten und fortzubilden. Leistungsorientierung, Talentförderung und gezielte Unterstützung leistungsschwächerer Auszubildender sind sicherzustellen. Ein abgestimmtes Block- und Teilzeitmodell sowie die Synchronisierung der Berufsschulzyklen ermöglichen hybride Unterrichtsformen, verbessern die Planbarkeit und harmonisieren den Ausbildungsablauf. Ähnliche Ausbildungsinhalte sollte berufsübergreifend vermittelt werden, um Synergien zu nutzen und Unterrichtsqualität zu steigern.
- 21. Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen systematisch ausbauen
Enge und dauerhafte Kooperationen zwischen Schulen und Unternehmen sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Fachkräftesicherung. Sie ermöglichen frühzeitige Einblicke in regionale Berufs- und Ausbildungsperspektiven. Die Partnerschaften sind strukturell zu stärken und durch gemeinsame Projekte, Wettbewerbe und digitale Innovationsformate praxisnah weiterzuentwickeln.
- 22. Ausbildungsmarketing bündeln und modernisieren
Junge Menschen sind zielgruppengerecht und medienadäquat über Ausbildungs- und Karrierechancen in der Region zu informieren. Gemeinsame Marketinginitiativen von Land, Wirtschaft und IHK sind fortzuführen und weiterzuentwickeln. Der Ausbildungsatlas und regionale Schulkooperationen sind gezielt auszubauen, um Fachkräftepotenziale in der Region zu halten und Rückkehrer systematisch anzusprechen.
- 23. Durchlässige und flexible Bildungswege sichern
Übergänge zwischen Schularten, beruflicher und akademischer Bildung sind ohne unnötige Hürden zu gestalten. Anrechnungsverfahren sind auszubauen, Weiterqualifizierungen gezielt zu fördern und praxisnahe Verbundstudiengänge sowie berufsbegleitende Angebote zu stärken. Bildungswege müssen auch bei zusätzlichen Anforderungen – etwa durch gesellschaftliche Pflichtdienste – flexibel und attraktiv bleiben.
- 24. Einheitliches, zukunftsfähiges Bildungssystem bundesweit etablieren
Bildungschancen dürfen nicht vom Wohnort oder der (Hoch-)Schulform abhängen. Bund und Länder müssen ein einheitliches, durchlässiges Bildungssystem mit vergleichbaren Qualitätsstandards, Lerninhalten und Leistungsmaßstäben sicherstellen. Abgestimmte Übergangsregelungen, verbindliche digitale Kompetenzen und praxisorientiertes Lernen stärken Mobilität, Anerkennung von Qualifikationen und langfristig die Fachkräftesicherung in allen Regionen. Berufe, die in Berufsfachschulen ausgebildet werden, sollten auch als duale Ausbildungen ermöglicht werden, damit Unternehmen ihren Fachkräftebedarf aus eigener Kraft sichern können. Dies gilt insbesondere für Gesundheitsberufe. Das Land sollte Modellprojekte zur Einführung dualer Ausbildung in diesen Bereichen gezielt unterstützen.
- 25. Zugang zur dualen Ausbildung landesweit sichern
Die Attraktivität und Erreichbarkeit der dualen Ausbildung muss im gesamten Flächenland Mecklenburg-Vorpommern gewährleistet sein. Lange Anfahrtswege dürfen kein Hindernis für Ausbildungserfolg sein. Deshalb sind flexible Schulwechsel zu ermöglichen, wenn eine näher gelegene Berufsschule den Wohn- oder Ausbildungsort besser erreicht. Maßgeblich sollte die tatsächliche Entfernung sein. Ein verlässliches, bedarfsgerechtes System für Schülertransporte ist ebenso sicherzustellen wie ausreichende, bezahlbare Unterkunftsmöglichkeiten für Auszubildende. Bestehende Schülerwohnheime sind zu erhalten und durch innovative, temporäre Wohnformen zu ergänzen, um den Zugang zur Berufsschule flächendeckend zu sichern.
