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Wirtschaft braucht Energie
„Wirtschaft braucht Energie: Nachhaltige Wege in die Zukunft“ war Gegenstand und Motto des Energieforums Mecklenburg-Vorpommern 2024. Politik, Unternehmen und Wissenschaft nutzten die Plattform zum Austausch und für die Suchem nach Lösungen. Der Einladung der Industrie- und Handelskammer zu Schwerin, der WEMAG, der Stadtwerke Schwerin und der Akademie Schwerin e. V. folgten 150 Gäste.
Das zum 11. Mal durchgeführte Energieforum bot die Kontinuität die sich IHK-Präsident Matthias Belke auch im energiepolitischen Sinne in seiner Begrüßung wünschte. Gleichzeitig verbunden war damit der Wunsch nach einem wirtschaftlich ausgewogenen Infrastrukturwandel. Die Gestalter und Akteure, die sich zum Austausch in die IHK zu Schwerin einfanden, brauchen Verlässlichkeit von der Politik und sichtbare Geschäftsmodelle.
Energiestandort Norddeutschland
Heute hat insbesondere der Energiestandort Nord deutschland jedoch noch mit enormen Herausforderungen zu kämpfen. Die Unternehmen im Land sind seit Jahren durch erhöhte Netzentgelte und somit höheren Strompreisen belastet. Die IHK zu Schwerin begrüßt daher ausdrücklich, dass die Bundesnetzagentur eine fairere Verteilung der Netzentgelte ab nächstem Jahr anstrebt. Das bringt eine spürbare Entlastung für die Regionen, die auch die deutschlandweite Energiewende durch einen starken Ausbau der Erneuerbaren Energien vorantreiben.
Es bleibt auch weiterhin kritisch zu beobachten, ob die Entlastungen in den betroffenen Regionen ausreichen, um den ersten Verlagerungen geplanter Investitionen von Unternehmen entgegenzuwirken bzw. neue Ansiedlungen erreichen zu können. Damit unsere Region im nationalen und internationalen Standortwettbewerb ein attraktiver Wirtschaftsstandort sein kann, braucht es faire Wettbewerbsbedingungen. Eine Region, die erneuerbaren Strom in hohen Mengen verfügbar hat, sollte mindestens gleichberechtige Ansiedlungschancen im Vergleich zu Regionen haben, die diesen Vorteil nicht aufzeigen können. Die Rahmenbedingungen entsprechend anzupassen war eine klare Forderung der IHK an die Politik. Für die Integration der Erneuerbaren Energien benötigen wir den Netzausbau zum Transport und Verteilung. Der Ausbau ermöglicht zudem die Kopplung der Sektoren. Enorme Investitionen sind dafür zu stemmen. Die Wirtschaft braucht Investitionssicherheit, eine Beschleunigung von Genehmigungsverfahren und eine vereinfachte Regulatorik.
Ziele und Realität
Den bundesdeutschen und europäischen Blick auf die energiepolitischen Herausforderungen lieferte Dr. Sebastian Bolay von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK). Der Investitionsbedarf in die Netze liegt bei ca. 600 Milliarden Euro und darf nicht allein auf die Strompreise abgewälzt werden. Die Strompreise in Deutschland sind für Unternehmen teilweise vier Mal so hoch wie für die Wettbewerber in anderen Ländern. Wenn die Übertragungsnetzentgelte über den Klima- und Transformationsfond (KTF) aus dem Bundeshaushalt entlastet würden, könnten alle Unternehmen profitieren. Die Auswirkungen des von der EU-Kommission vorgeschlagenen Klimaziels für 2040 analysiert eine Studie, die die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) und der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) kürzlich vorgestellt haben. Nach den Emissionsprognosen der EU-Mitgliedstaaten wird bereits das für 2030 anvisierte europäische Ziel einer 55-prozentigen CO2 Reduktion verfehlt. Das Erreichen eines 2040-Ziels von minus 90 Prozent erscheint nicht erreichbar. Das vorgeschlagene Klimaziel 2040 beruht demnach auf zu optimistischen Annahmen. Die Verfügbarkeit von Technologien, Fachkräften, Rohstoffen und investiven Mitteln ist anzuzweifeln. Es macht keinen Sinn, langfristige Ziele zu verschärfen, wenn man kurzfristigere nicht erreichen kann. Dies führt nur zu mehr Regulierung, steigenden Kosten und politischen sowie wirtschaftlichen Verwerfungen. Vielmehr steht die Frage, wie das Ziel für 2030 kosteneffizient und wirtschaftlich tragbar erreicht werden kann.
Hohe Investitionen notwendig
Der Geschäftsführer der BDEW-Landesgruppe Norddeutschland, Dr. Torsten Birkholz, wurde konkret. Um die Ziele der Energiewende zu erreichen, sind Investitionen von 721 Milliarden Euro bis 2030 notwendig. Dabei hat mit 49 Prozent den größten Anteil der Ausbau der Stromerzeugung, gefolgt mit 41 Prozent für den Ausbau der Energienetze für Strom, Gas und Wassersoff. Bis 2035 werden dann nochmals 493 Mrd. Euro an Investitionen erwartet. Neben den Investitionskosten muss auch der hohe Personalauf wand bei den Energieversorgern berücksichtigt werden. Die Rahmenbedingungen der Transformationsprozesse in den Energiesystemen müssen zeitnah nachjustiert werden, z.B. die Rahmenbedingungen für den zukünftigen Betrieb von Gas- und Wasserstoff-Verteilnetzen. Ein pragmatisches Netzanschlussmanagement ist dringend notwendig. Die Investitionen müssen durch einen unbeschwerten Zugang zu Kapital möglich werden. Die Energiewendekosten müssen gemeinschaftlich solidarisch verteilt werden.
Wärmewende
Die Stadtwerke Schwerin und die WEMAG sehen die Transformationsplanung und kommunale Wärmeplanung auf dem Weg, gleichzeitig aber auch eine herausfordernde Umsetzung auf dem Weg zur Klimaneutralität und den Etappenzielen 2035 bis 2050. Die Landeshauptstadt will die klimaneutrale Wärmeversorgung umsetzen, wobei das Fernwärmenetze eine entscheidende Rolle spielt. Anfang nächsten Jahres wird ein Konzept zur Kommunalen Wärmeplanung vergeben. Im Ergebnis werden die Stadtwerke einen gebäudescharfen Wärmeatlas erstellen, mit Wärmebedarfsdichte und Wärmeliniendichte. Der Investitionsbedarf in das Stromnetz kann so ermittelt werden. Für die WEMAG ergeben sich andere strukturelle Herausforderungen für die Wärmeplanung nach Gesetzeslage. Strom bevorzugt aus regionalen EE-Anlagen in Kombination mit Wärmepumpen, können eine sinnvolle Wärmequelle insbesondere in der Fläche sein. Wann „Wärmestromnetze“ zur Versorgung von dezentralen Stromheizungen rechtlich, technisch und wirtschaftlich möglich und sinnvoll, muss im Einzelfall geprüft werden. Bei allen Lösungen müssen Ingenieure und Kaufleute zusammenarbeiten. Behörden müssen geschult und personell aus reichend ausgestattet werden. Entscheidendes Kriterium ist dabei die Wirtschaftlichkeit, sowohl auf Versorger-Seite als auch auf Kundenseite.
Ministerielle Podiumsdiskussion
Christian Pegel, Minister für Inneres, Bau und Digitalisierung und Reinhard Meyer, Minister für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit konnten im Gespräch mit dem technischer Vorstand WEMAG AG, Thomas Murche, die besondere Rolle unseres Bundeslandes im Norden bei der Energiewende beleuchten. So rechnet Minister Meyer ab 2025 mit einer jährlichen Entlastung von 170 Millionen Euro. Dies resultiert aus der neuen Verteilung der Mehrkosten, die in Stromnetzen mit viel erneuerbarer Stromerzeugung entstehen. Neben Wind, Sonne und ziemlich viel Platz hat Mecklenburg-Vorpommern auch beste geologische Voraussetzungen für die Nutzung von Erdwärme und großes Potenzial bei der Herstellung von grünem Wasserstoff, so der Minister und sieht eine riesige Chance auf neue wirtschaftliche Stärke und viele gut bezahlte Arbeitsplätze im Land.
Kontakt
Thomas Lust
Aufgabenbereich:
Fachberatung
Geschäftsbereich: Existenzgründung und Unternehmensförderung, Innovation und Umwelt
