Das IHK-Magazin WIKO
Nr. 7065348
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mehrere Personen lächelnd vor einer Wand stehend

Energieforum

Im Mittelpunkt des 13. Energieforums am 28. April 2026 standen die Energiepolitik im Vorfeld der Landtagswahl 2026 und der Blick der Wirtschaft auf die zentralen Energiefragen. Die aktuellen geopolitischen Herausforderungen zeigen die Notwendigkeiten zur Anpassung der Energiepolitik auf Landes- und Bundesebene.
Die Industrie- und Handelskammer Schwerin, die WEMAG, die Stadtwerke Schwerin und die Akademie Schwerin luden Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Energiewirtschaft zum Austausch ein.
In den Vorträgen sowie der Podiumsdiskussion unter dem Leitspruch “Energie braucht Wirtschaft: Perspektiven und Herausforderungen” wurde deutlich, dass der Ausbau erneuerbarer Energien weiterhin durch komplexe Genehmigungsprozesse, Netzengpässe und lange Anschlussfristen gebremst wird. Vertreter aus Wirtschaft und Verbänden – darunter DIHK, BDEW sowie regionale Energieunternehmen – und die energiepolitischen Sprecher der Fraktionen im Landtag Mecklenburg-Vorpommern machten auf die große Investitionslücke und den hohen Finanzierungsbedarf
aufmerksam. Gleichzeitig wurde betont, dass moderne Speichertechnologien, intelligente Netze und die Kombination von Wind und Solarenergie entscheidend für Effizienzgewinne seien.

Rahmen für grüne Energie schaffen

Zentral stellt sich die Frage, wie es gelingt, die Abnehmerseite für unsere grüne Energie im Land deutlich zu stärken. Nur wenn eine gezielte Ansiedlungspolitikmoderne Industriearbeitsplätze, innovative Speicherlösungen sowie intelligente Netze zusammenführt, kann unsere leistungsfähige Infrastruktur ihr volles Potenzial für die heimische Wirtschaft entfalten und zugleich die Kosten durch eine breite Verteilung moderat halten. Die Rahmenbedingungen dafür müssen entschlossen von der Politik gestaltet werden – klar, verlässlich und ohne Zeit zu verlieren. Eine vorausschauende Planung möglicher Standorte kann einen späteren erheblichen Zeitverzug vermeiden.
Deutlich wurde, dass technisch alles in der Energie wende machbar ist. Wenn wir Wärme und Kälte, Gas und Strom grün ersetzen wollen, ist die große Herausforderung die Finanzierung der notwendigen Infrastrukturen.
Staatssekretärin Ines Jesse, Ministerium für Wirtschaft, Infrastruktur, Tourismus und Arbeit, betonte, dass Energie und Wirtschaft untrennbar miteinander verbunden sind und alle Akteure gemeinsame Interessen verfolgen. Trotz internationaler Krisen – etwa den Folgen des Kriegs und geopolitischen Spannungen rund um Ölimporte – gebe es nicht nur negative Entwicklungen. Besonders hob sie das Ziel hervor, dass die Wertschöpfung im Land bleiben muss und Strompreise vergleichsweise stabil sind, auch dank bundesweit günstigster Netzentgelte. Unternehmen sollten prüfen, ob ein Wechsel aus alten Verträgen möglich und sinnvoll ist. Die Stromsteuer müsse aus ihrer Sicht auf ein Mindestmaß reduziert werden – sozial sinnvoll und ein Signal für mehr Elektrifizierung. Die Finanzierung des EEG aus dem Bundeshaushalt sei ein wichtiger Schritt gewesen. Resilienz der Energieversorgung sei entscheidend, dazu gehören Maßnahmen zur Entlastung bei Energiesteuern auf Kraftstoffe, was besonders besonders wichtig für Logistikunternehmen ist. MV engagiere sich stark für eine Verbesserung der Energieinfrastruktur. Das Netzpaket, die Kraftwerksstrategie und der Umgang mit Redispatch seien zentrale Bausteine. Zwei mögliche neue Gaskraftwerke an den Standorten in Rostock
und Lubmin – sollen zur Stabilität beitragen.

Digitalisierung braucht Energie - Die Chance für MV

Staatssekretärin Dr. Carola Voß im Ministerium für Finanzen und Digitalisierung erklärte, dass die digitale Transformation einen stetig wachsenden Energiebedarf erzeugt. Moderne Rechenzentren sind zentrale Infrastruktur für Verwaltung, Wirtschaft und Cybersicherheit. Digitale Systeme werden komplexer, vernetzter und sicherheitskritischer. Die Landesverwaltung braucht einheitliche, hochsichere Netze und gemeinsame Plattformen, um Stabilität und Schutz zu gewährleisten. Das Land setzt auf eine Green Cloud-Strategie, die Nachhaltigkeit, Effizienz und Skalierbarkeit verbindet.
Die Verwaltung befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel: mehr digitale Prozesse, mehr Automatisierung, mehr Vernetzung. Die Landesverwaltung wird zum Gestalter der digitalen Transformation, indem sie Standards setzt und Innovationen in die Fläche bringt. Ein Beispiel ist der der Digitaler Bauantrag. Im Ergebnis gibt es schnellere Bescheide, weniger Aufwand, mehr Transparenz.

Hohe Hürden für die Transformation

Dr. Sebastian Bolay von der DIHK zeichnete in seinem Vortrag ein klares Bild der energie- und klimapolitischen Herausforderungen, vor denen die deutsche Wirtschaft steht. Dem wachsenden Druck auf Unternehmen, Klimaneutralität zu erreichen stehen Bürokratie, fehlende Planbarkeit, langsame Genehmigungen und hohe Energiepreise gegenüber. Diese Faktoren bremsen Investitionen und führen zunehmend zu Produktionsverlagerungen ins Ausland – ein Trend, der sich laut den gezeigten Daten seit Jahren verstärkt. Die kommenden Jahre werden durch deutlich sinkende Emissionsbudgets geprägt sein. Die Jahresemissionsmengen reduzieren sich stark insbesondere der Energiewirtschaft und Industrie. Parallel dazu steigen die volkswirtschaftlichen Kosten der Energiewende erheblich. Dr. Bolay zeigte, dass sich diese Kosten direkt und
indirekt auf Unternehmen auswirken – etwa durch höhere Netzentgelte, Investitionskosten oder teurere Vorprodukte. Exemplarische Modellierungen prognostizieren teils drastische Anstiege bei Strom- und Gasnetzentgelten bis 2045. Prognosen zeigen, dass fossile Energien weltweit auch
2050 noch eine große Rolle spielen werden. Geopolitische Risiken, wie die aktuelle Sperrung der Straße von Hormus, über die rund ein Fünftel des globalen Öl- und LNG-Handels läuft, bleiben bestehen. Daher ist es bedeutsam, den Ausbau und die Nutzung der erneuerbaren Energien voranzubringen, ohne allerdings die Marktteilnehmer zu überfordern.

Preisdeckel und internationale Kooperation

Zentrale Stellschrauben für ein funktionierendes Energiesystem bietet die internationale Harmonisierung des Emissionshandels, Nutzung von CCS/CCU und internationalen Zertifikaten als Preisdeckel sowie technologieoffene Ansätze und flexible Budgets. Diese Maßnahmen könnten laut Modellierungen erhebliche Einsparungen ermöglichen – bis zu über einer Billion Euro im Energiesystem bis 2049.
Podiumsdiskussion mit den energiepolitischen Sprechern der Fraktionen
In der von IHK-Hauptgeschäftsführerin Lisa Haus moderierten Podiumsdiskussion zeigte sich, dass trotz deutlicher Unterschiede die Notwendigkeit langfristiger Planung, der hohe Investitionsbedarf und die Bedeutung verlässlicher Rahmenbedingungen wesentliche Faktoren sind.
Christian Winter (SPD) betonte die Bedeutung von Verlässlichkeit und Planungssicherheit. Hohe Energiepreise seien eine Folge fossiler Abhängigkeiten; CO₂-Preise müssten berechenbar steigen.
Dr. Sebastian Bolay (DIHK) sprach von einem langen Transformationsweg und warnte vor Überregulierung. Infrastruktur solle gezielt ausgebaut werden. Die Energiewende sei auch eine soziale Frage. Kernenergie sei zu teuer und ohne Subventionen nicht tragfähig. Gaskraftwerke seien ein regulierter Bereich, jedoch kein Markt.
Wolfgang Waldmüller (CDU) forderte mehr Tempo und bessere Abstimmung. Er verwies auf hohe Systemkosten und die Bedeutung der Versorgung von Industriestandorten wie Schwedt.
Elke-Annette Schmidt (DIE LINKE) kritisierte die Gasabhängigkeit und plädierte für langfristige, stabile Lösungen auf Basis erneuerbarer Energien und Wasserstoff.
Harald Terpe (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) sprach sich für Klimageld, CO₂-Preise und klare Anreizstrukturen aus. Kurzfristige und langfristige Maßnahmen müssten getrennt betrachtet werden; Versäumnisse etwa bei der E-Mobilität seien sichtbar.
Petra Federau (AfD) forderte Technologieoffenheit, kritisierte steigende Energiepreise und lehnte Klimaneutralität 2045 ab. Sie plädierte für Diversifizierung und eine Neubewertung der Sanktionspolitik.
Dr. Steffen Steneberg (BDEW – Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, Landesgruppe Norddeutschland) hob hervor, dass aus der Krise positive Impulse entstehen könnten. Er plädierte für überparteilichen Konsens und nachhaltige Lösungen statt Preisbremsen. Der Neuaufbau sei teuer, falle aber nur einmal an.
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