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Genussmomente ganz anderer Art
„Matekaffee“ bringt nicht nur Abwechslung in die Tasse, sondern eine Alternative für den Energiekick in Bio-Qualität auf den deutschen Markt. Aber Moment mal: Das „grüne Gold Südamerikas“ überzeugt doch als Tee, neuerdings als Clubgetränk. Und jetzt Kaffee? Erklären kann dies Leonie Tessenow. Die 35-jährige Gründerin aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim hat gerade angefangen, dem Erfolgsbuch von Mecklenburg eine weitere Geschichte hinzuzufügen. Die vom „Matekaffee“ oder auch „Mate Cocido“, dem traditionellen Frühstücksklassiker in ihrer ehemaligen Heimat Paraguay.
„Für dieses Getränk werden grüne Teile des Mate-Strauches ziemlich lange getrocknet und auf offenem Feuer geröstet“, sagt Leonie Tessenow. „Natürliches Koffein in Verbindung mit Theobromin wird langsamer im Körper abgebaut. So hält der Koffein-Boost länger vor. Mate wirkt belebend und ist lecker.“ Die Frage nach dem Geschmack beantworten Genießer unterschiedlich. „Die Range reicht von schwarzem über grünen Tee bis Kaffee oder Chai Latte“, bekam die Unternehmerin bei der Premiere ihres in Deutschland in dieser Form einzigartigen Produktes zu hören. Wer noch „Im Nu“ kennt oder Caro-Kaffee, fühlt sich vielleicht daran erinnert. Etwas herb, ein wenig rauchig, mit feiner Crema – so präsentiert sich die Kaffee-Alternative, die einfach in löslicher Form überall schmecken darf. Als Lifestyle oder Entscheidung für bewussten Genuss. Menschen, die wegen eines vielleicht empfindlichen Magens nicht so viel Kaffee trinken können oder jene, die den sehr süßen Energiedrinks etwas entgegensetzen wollen, zeigen großes Interesse.
„Matekaffee“ ist das Produkt des Start-Ups TEKOHA aus Schwerin. Das angesagte Getränk hat bereits die Hipster-Szene erreicht und spricht viele weitere Menschen an. Diese Erfahrung hat Leonie Tessenow in den ersten Wochen dieses Jahres und im Besonderen auf der Grünen Woche gemacht. Der Weg zur Produktvorstellung hatte es in sich, es hat sich allerdings jeder Schritt gelohnt. „Es wurden 3.000 Becher verkostet, ich habe 1.000 Dosen verkauft. Das fühlte sich großartig an. Hinzu kamen sehr viele gute Gespräche mit großen Lebensmittelhändlern.“ Die junge Unternehmerin zeigt sich begeistert. „Diese Aufmerksamkeit ist eine riesige Chance. So eine Hilfe für Start-ups am Anfang zählt hundertfach. Ich kann mich nur bedanken bei den Organisatoren von meinem Landkreis, dem Land und allen, die den Weg bis zum Launch des Produktes begleitet haben.“ Dazu gehört da Zukunftszentrum DeveLUP ebenso wie die Gründerberatung der IHK. „Hier hat alles bestens gepasst“, sagt Leonie Tessenow.
Etwas anders und längst nicht so rund lief ihr Projekt in Südamerika an. „Glücklicherweise hatte ich am Anfang einen starken Beistand an meiner Seite“, erzählt die Geschäftsfrau, die in Paraguay auf einer Rinderfarm aufgewachsen ist. „Mein Vater exportierte Erdnüsse, Sesam und Fleisch nach Europa.“ Somit war der Weg für die Ausfuhr eines weiteren Produkts schon aufgezeigt. „Als junge Frau in Geschäfte einzusteigen, läuft in Südamerika gänzlich anders. Machismo spielt eine große Rolle. Und auch die Mentalität…“ Mañana – wie viele Male hörte Leonie Tessenow den Verweis auf den nächsten Tag und damit auf irgendwann. „Auch Verträge zählen nicht unbedingt, es gibt eine komplett andere Geschäftspraxis“, formuliert sie höflich. „Ich machte mich auf die Suche nach Partnern, denen ich vertrauen konnte und fand sie in einer Kooperative vor Ort.“ Welch ein Glück, denn der notwendige Bio-Zertifizierer fand sich erst im benachbarten Bolivien.
Viele Monate vergingen, die GmbH-Gründung zog sich. Genehmigungen für den Import brauchten ihre Zeit. „Ich wollte zum Weihnachtsgeschäft 2025 starten“, blickt Leonie Tessenow zurück. Mit dem fröhlichen Tucan war ein attraktives Design aufgesetzt, welches ein Stück Lebensfreude aus der fernen Welt des „Matekaffees“ vermittelt. Nur das Produkt selbst kam einfach nicht. „Erst streikten in Montevideo die Hafenmitarbeiter. Als das Schiff endlich in Rotterdam eintraf, waren alle schon im Feiertagsmodus. Ich habe quasi am Weihnachtsbaum mit dem Zoll verhandelt.“ Denn der zeitliche Druck war groß, alle Vorbereitungen für die Grüne Woche längst getroffen. Anfang Januar wollte die Behörden in Rotterdam die Waren freigeben. „Dann kam der Bombenzyklon - ich mietete einen Sprinter, fuhr selbst zum Hafen und harrte ungeduldig aus, bis alle Probleme überwunden waren und ich endlich die Fracht im Fahrzeug hatte.“ Weiter ging’s nach Regensburg, wo das abfüllende Unternehmen eine Sonderschicht am Wochenende einlegte. Per Express kam die Lieferung nach Schwerin. Wenig später überzeugte Leonie Tessenow auf der Messe in Berlin die ersten Kunden. „Ich habe in dieser aufregenden Phase Unmengen meines eigenen Produktes konsumiert. Das zeigt, wie sehr ich überzeugt bin, oder?“ fragt die dreifache Mutter mit einem Lächeln, welches gleich die nächste Antwort gibt… Wer so energiegeladen startet, will sicher noch viel mehr!
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