Das IHK-Magazin WIKO
Nr. 6950020
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sitzender Mann spricht

Energiewende möglich machen

Ein Blick hinter die Fassaden der EMH metering GmbH & Co. KG genügt um zu erkennen: Hier wird echte High-Tech gefertigt. Denn das Unternehmen mit Sitz im Businesspark A 24 an der Grenze zu Schleswig-Holstein stellt hochmoderne digitale Stromzähler und Systeme zur intelligenten Steuerung von Strom in Eigenregie her. EMH-Geschäftsführer Dr. Peter Heuell betont dabei:
„Die EMH hat hier mit 300 Beschäftigten eine Wertschöpfung von fast 50 Prozent. Wir erhalten unbestückte Leiterplatten und fertigen dann in der Regel alles andere selbst. Unsere Kunden sind die großen Energieversorger und Netzbetreiber wie die WEMAG. Diese nehmen die EMH-Geräte und bauen sie in den Haushalten ein, z.B. dort, wo eine PV-Anlage auf dem Dach installiert und der Strom ins Netz eingespeist wird.“
Dabei exportiert das Unternehmen auch weltweit in 50 Länder. Aber nicht nur dort kommen Messgeräte der EMH zum Einsatz, wie Heuell erklärt: „In Deutschland sind wir im Roll-Out von intelligenten Messsystemen und sogenannten Smart Meter Gateways. Das sind Plattformen, um die Energiewende zu ermöglichen. Sie verbinden die Messgeräte und schaffen eine Konnektivität in Verbindung mit hoher Sicherheit. So können Erneuerbare Energien in die Netze integriert werden. Die Geräte beantworten etwa die Frage, wie ich das Netz vor Überlastung schützen kann. Damit können z.B. dynamische Tarife genutzt werden, um die Stromnetze besser auszulasten.“

Ein deutsch-deutsches Unternehmen

Dabei ist die EMH ein Paradebeispiel für das Zusammenwachsen von Ost- und Westdeutschland nach der Wiedervereinigung. EMH-Gründervater Peter Scheew stammte aus Hamburg. Mit seinem ersten Unternehmen, der EMH Energiemesstechnik, entwickelte er seit 1984 Prüftechnik für Stromzähler und forschte an einer Möglichkeit der digitalen Erfassung des Stromverbrauchs, um die alten und manipulierbaren mechanischen Zähler abzulösen. Sitz des Unternehmens war im niedersächsischen Brackel. Im Jahr des Mauerfalls 1989 wurde dann der erste eigene digitale Stromzähler vorgestellt und die EMH metering unter dem Namen EMH Elektrizitätszähler GmbH gegründet. Platz für die Fertigung fand man 1991 in Wittenburg, wo die neuen
Stromzähler gebaut werden sollten. Laut Heuell fehlte dazu in Brackel die Fläche, um zu wachsen. Nach der Wiedervereinigung habe es zudem im Osten genügend Arbeitskräfte gegeben, weshalb es einfach durchaus interessant gewesen sei, dort hinzugehen. Die Entwicklungsabteilung ist bis heute in Brackel angesiedelt. Der Standort in Wittenburg wurde allerdings irgendwann zu klein und so entschied man sich 2012 in den neuen
Industriepark an der A 24 bei Valluhn und Gallin umzuziehen. Dort sind heute die Produktion, der Vertrieb, die IT und die Verwaltung angesiedelt:
Für Peter Heuell handelt es sich damit um ein gemeinsames „West-Ost-Venture“. Das besondere deutschdeutsche-Flair im Unternehmen zeigt sich auch bei den Biografien von Geschäftsführer Heuell sowie von Direktor Produktion Christopher Kämpf. Peter Heuell, seit 2017 Geschäftsführer am Standort Gallin, studierte zur Zeit der Wiedervereinigung in München, war in seiner Jugend zuvor allerdings oft im Hamburger Umland unterwegs. Er schätzt an der Region vor allem die Landschaft: „Ich habe einen besonderen Hang zur Natur. Das Biosphärenreservat ist einfach klasse.“ Christopher Kämpf, Jahrgang 1984, ist wiederum ein echter Mecklenburger und in der Nähe von Ludwiglust aufgewachsen. Nach seinem Studium in Lüneburg arbeitete er als Unternehmensberater und lernte so auch die EMH kennen, für die er seit über vier Jahren, mittlerweile als Direktor Produktion tätig ist. Seit 2025 ist Kämpf auch Mitglied der Geschäftsleitung.
Beide sind sich sicher, dass der Standort des Unternehmens ein echter Vorteil ist. Heuell: „Der Standort ist eigentlich perfekt. Wir haben die tolle Natur, tolle Seenlandschaften, das Biosphärenreservat. Wir sind direkt an der Autobahn und wir sind nahe an der Großstadt Hamburg.“ Und Kämpf pflichtet bei: „Für uns als Partner der Energiebranche ist es auch wichtig, dass wir nah an der Politik sind, also an Berlin. Außerdem können wir hier im Businesspark auch mit Logistikern zusammenarbeiten, wenn der Platz mal knapp sein sollte. Es ist diese Kombination, die passt.“

Zentraler Akteur des digitalen Wandels

Der Politikbezug ist nachvollziehbar, denn die EMH spielt eine zentrale Rolle bei der Digitalisierung der Strommesspunkte in Industrie, Haushalt und Gewerbe. was sich an den bundesweiten Marktanteilen des Unternehmens zeigt: In nahezu jedem ICE findet sich heute ein EMH-Stromzähler. Bei Zählern für den Verbrauch über 100.000 Kilowattstunden, liegt der Marktanteil bei über 50 Prozent, ebenso bei Zählern für E-Ladesäulen. Damit ist das Unternehmen ein echter Hidden Champion. Und auch im Haushaltsbereich kommt die EMH auf über 20 Prozent. Doch das Produktportfolio endet bei weitem nicht bei Stromzählern, die in Haushalten, Offshore-Windparks oder Industrieanlagen zum Einsatz kommen.
In Gallin werden zudem vor allem Smart Meter Gateways gebaut. Diese verbinden die Messtechnik, um den Energieverbrauch abzurechnen, mit der Fähigkeit als Plattform für dynamische Tarife zu dienen, um die Netze intelligent auszulasten. Damit lassen sich autarke Energiemanagementlösungen aufbauen, um den Eigenstromverbrauch zum Beispiel für die PV-Anlage oder die Wärmepumpe zu optimieren. Für die Smart Meter Gateways ist die EMH heute einer von nur fünf in Deutschland zugelassenen Herstellern. Heuell bringt es dabei auf den Punkt: „Wir machen die Energiewende möglich und bezahlbar. Dies gelingt nur, wenn man verhindern kann, dass die Netze überlastet werden. Und das geht unter anderem auch dadurch, dass man dem Kunden Anreize gibt, Energie dann zu verbrauchen oder einzuspeisen, wenn es für ihn auch finanziell reizvoll ist.“
Hinsichtlich des Produktportfolios ist er sich zudem sicher: „Unser größtes Asset ist, dass wir alles in einer Hand haben: Wir entwickeln die Produkte, fertigen sie nahezu ausschließlich vor Ort, haben den Vertrieb. Deswegen können wir auch so schnell reagieren. Wenn ein Kunde einen Wunsch hat, können wir das sofort umsetzen.“

Wachstumskurs und überregionale Aufmerksamkeit

Heuell sieht dabei gerade in den Produktionskapazitäten einen großen Vorteil und verweist auf die große Fertigungstiefe am Standort, die eine extrem große Flexibilität ermöglicht, wenn der Kunde bestimmte Wünsche hat. Damit konnte das Unternehmen zum Beispiel auch die Corona-Zeit gut überstehen. Das zeigt sich nicht zuletzt auch am Umsatz, der sich nach Auskunft von Heuell und Kämpf in den letzten fünf Jahren verdoppelt hat. Und beim Wachstumskurs soll es bleiben, wie beide betonen, Denn das Unternehmen hat in jüngster Zeit viel in Effizienz investiert und die erste Roboterzelle aufgebaut. Diese Entwicklung bleibt nicht unbeobachtet. 2024 würdigte das Ostdeutsche Wirtschaftsforum die EMH metering als herausragendes Unternehmen mit dem Wirtschaftspreis „VORSPRUNG“. Geschäftsführer Heuell ist darauf stolz: „Wir haben uns sehr gefreut, weil es eben ein Preis für Innovation ist. Wir investieren 8 bis 9 Prozent des Umsatzes in Innovation, das ist gerade für diese Region sehr ungewöhnlich. Das machen wir, weil wir das als unsere Kernkompetenz sehen und uns damit durchsetzen können. Und der Preis tut einfach unserer Seele sehr gut, weil es ein ostdeutscher Preis ist. Ehrlich gesagt wäre er auch nur halb so interessant, wenn es ein gesamtdeutscher Preis wäre.“

Herausforderungen am Standort

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© IHK zu Schwerin/Drachevsky
Auch Christopher Kämpf sieht die Entwicklung des Unternehmens sehr positiv und verweist auf die Entwicklungsmöglichkeiten, denn das Firmengelände im Businesspark bietet noch ausreichend Platz: „Die Fertigung und Logistik könnten bezogen auf die Fläche noch gespiegelt werden und auch der Verwaltungsbereich könnte noch wachsen.“ Aktuell erweitert EMH seine Kapazitäten durch den Bau einer neuen Produktionshalle
– um die steigende Nachfrage zu bedienen.

Gleichzeitig erwähnt er aber auch die Herausforderungen am Standort: „Wir liegen zwar direkt an der Landesgrenze und die meisten unserer Mitarbeiter kommen aus Mecklenburg-Vorpommern. Wir haben aber auch Kolleginnen und Kollegen aus Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg. Das macht es manchmal gar nicht so einfach, gerade in der Kooperation des operativen Geschäfts, zum Beispiel bei der Urlaubsplanung zu den Sommerferien. Denn wir arbeiten in der Regel durchgängig im Drei-Schicht-Betrieb.“
Zusammen mit Heuell wünscht er sich zudem eine bessere ÖPNV-Anbindung: „Bei uns kommen alle Mitarbeiter mit dem Auto. Und sie kommen aus allen Himmelsrichtungen, sodass es für uns schwierig ist, Shuttle oder Fahrgemeinschaften einzurichten“.
Dabei wirbt das Unternehmen um neue Mitarbeiter, ohne dass diese sich schon bis ins Detail mit den Produkten auskennen müssen, wie Kämpf betont: „Wir sind in einem Spezialsektor unterwegs, verfügen über bestimmte Kenntnisse, die nur bei uns im Haus erlebbar und auch erlernbar sind. Daher bilden wir die Leute hier in der Regel noch einmal gezielt aus, selbst wenn sie eine passende Berufsqualifikation mitbringen.“
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