Jahresbilanz 2025 der Wirtschaft: 2026 muss das Jahr der Reformen werden
2025 war für Mecklenburg-Vorpommern wirtschaftlich ein schwieriges Jahr. Trotz einzelner Lichtblicke lasteten strukturelle Herausforderungen weiter auf der Wirtschaft. Hohe Kosten, stockende politische Prozesse, komplexe regulatorische Vorgaben sowie ein weiterhin angespannter Arbeitsmarkt prägten die Lage vieler Unternehmen im Land. Für die IHK zu Schwerin steht deshalb fest: 2026 muss das Jahr der Reformen werden!
- Konjunktur: Keine Trendwende – statt Erholung zunehmende Unsicherheit
- Arbeits- und Ausbildungsmarkt: Stabilität mit Herausforderungen
- Energie: Hohe Preise und Netzausbau bleiben Standorthemmnis
- Außenwirtschaft: Unternehmen sehen Chancen, aber hohe Hürden
- Politik und Wirtschaft: Zusammenarbeit statt Konfrontation
Konjunktur: Keine Trendwende – statt Erholung zunehmende Unsicherheit
Die konjunkturelle Entwicklung blieb auch 2025 hinter den Erwartungen zurück. Der Konjunkturklimaindex verharrte dauerhaft unter seinem langjährigen Durchschnitt, die Erwartungen der Unternehmen blieben überwiegend negativ. Belastungsfaktoren wie steigende Arbeitskosten, hohe Energiepreise und unklare politische Rahmenbedingungen dominierten das Stimmungsbild.
"Viele Unternehmen haben 2025 mit angezogener Handbremse gearbeitet“, betont Matthias Belke, Präsident der IHK zu Schwerin. "Wenn wir im kommenden Jahr nicht endlich Tempo aufnehmen – bei Genehmigungen, Kostenentlastungen und beim Bürokratieabbau – verlieren wir als Wirtschaftsstandort dauerhaft an Substanz. Deutschland und MV brauchen keine Minimalkorrekturen, sondern entschlossene Entscheidungen. Die anhaltende Zurückhaltung bei Investitionen wie Ersatzanschaffungen und Erweiterungen sind direkte Folge ausbleibender belastbarer Entscheidungen der Politik. Jedes Zögern, jeder Schlingerkurs verunsichert die Wirtschaft zusätzlich.“
Arbeits- und Ausbildungsmarkt: Stabilität mit Herausforderungen
Der Ausbildungsmarkt zeigte sich mit 1.247 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen stabil: Viele junge Menschen entschieden sich wieder für eine duale Ausbildung, gleichzeitig blieben aber zahlreiche Plätze unbesetzt. Besonders kleinere Betriebe hatten Schwierigkeiten, ihre Ausbildungsangebote in den Regionen bekannt zu machen und geeignete Kandidatinnen und Kandidaten zu finden. Das Wissen über die regionalen Ausbildungsangebote und die Berufswahlkompetenz der Schulabgänger sind nach wie vor nicht ausreichend. Dies ist als Auftrag zu verstehen, die Berufsorientierung weiter zu schärfen. Auch der Arbeitsmarkt insgesamt bleibt angespannt: Der Fachkräftemangel belastet Unternehmen weiterhin spürbar, trotz leichter Entspannung.
Lisa Haus, Hauptgeschäftsführerin der IHK zu Schwerin, ordnet ein:
"Unsere Unternehmen tun viel, um auszubilden und Fachkräfte zu halten. Aber gute Konzepte reichen nicht, wenn die Rahmenbedingungen nicht mitwachsen. Wir brauchen eine verlässliche Berufsbildungspolitik, moderne Berufsschulen und ein stabiles Berufsschulnetz sowie eine Zuwanderungspolitik, die in der Praxis funktioniert. Das ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes und unserer Unternehmen.“
Energie: Hohe Preise und Netzausbau bleiben Standorthemmnis
Energiekosten gehörten 2025 zu den prägendsten Risiken für die regionale Wirtschaft. Die IHK zu Schwerin warnte wiederholt vor steigenden Netzentgelten, langen Planungs- und Genehmigungsverfahren und politisch bevorzugten, aber teuren Lösungen im Netzausbau. "Die Genehmigung von Windenergieanlagen kann sich über einige Jahre hinziehen. Dann sind die urspünglich geplanten Anlagen längst veraltet und die Investition droht zu scheitern“, betont Präsident Belke.
Die IHK zu Schwerin fordert für 2026 deshalb:
- wirtschaftlich tragfähige und schnellere Netzausbauvarianten,
- eine Senkung der Stromsteuer,
- eine verlässliche Entlastung für alle Unternehmen,
- deutlich schnellere Verfahren bei Infrastrukturprojekten.
Außenwirtschaft: Unternehmen sehen Chancen, aber hohe Hürden
Trotz schwieriger Rahmenbedingungen zeigte die Exportwirtschaft 2025 positive Signale. Viele Unternehmen sehen im internationalen Geschäft nach wie vor Wachstumspotenzial. Gleichzeitig bleiben Bürokratie, komplexe Regularien und unsichere Förderbedingungen zentrale Hemmnisse. Die IHKs in Mecklenburg-Vorpommern positionierten sich klar für bessere außenwirtschaftliche Unterstützung, mehr Markterschließungshilfen und ein einheitliches MV-Außenwirtschaftskonzept.
Politik und Wirtschaft: Zusammenarbeit statt Konfrontation
Die Unternehmen fordern weniger Polarisierung und mehr Lösungsorientierung. Die IHKs im Land betonten mehrfach die Bedeutung eines sachorientierten politischen Diskurses und den wirtschaftlichen Beitrag der Betriebe für Beschäftigung, soziale Stabilität und kommunale Einnahmen.
Präsident Belke dazu:
"Wirtschaft und Politik stehen in Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam in der Verantwortung. Was wir dabei nicht brauchen, sind Schuldzuweisungen oder Symbolpolitik. Was wir brauchen, ist ein echter Schulterschluss – für Wachstum, Vertrauen und Zukunftsperspektiven.“
Der Blick auf das Jahr 2025 macht deutlich: Ohne strukturelle Reformen, verlässliche Rahmenbedingungen und spürbare Entlastungen droht Mecklenburg-Vorpommern 2026 ökonomisch weiter zurückzufallen.
Haus abschließend:
"2026 sollte das Jahr werden, in dem wir aus Verzögerungen Konsequenzen ziehen und aus Problemen Lösungen machen. Die Wirtschaft ist bereit, ihren Beitrag zu leisten – aber sie braucht eine Politik, die den Standort aktiv stärkt. Sie braucht eine Politik, die im Umsetzungmodus ist. “
Die 2026 anstehende Landtagswahl wird die IHK zu Schwerin zusammen mit Partnern eng mit eigenen Veranstaltungen begleiten.
