IHK Nord: Tee, Fleisch-Ersatz und Krisen sorgen für Food-Zoff
Die norddeutsche Ernährungswirtschaft schlägt Alarm! Steigende Kosten, drohende Lieferengpässe, immer neue EU-Vorschriften und weltweite Krisen setzen die Branche massiv unter Druck. Bei einer Sitzung des Arbeitskreises Ernährungswirtschaft der IHK Nord wurde deutlich: Für viele Unternehmen wird die Lage immer schwieriger.
Besonders brisant: Sogar die Versorgung mit beliebten und EU-geschützten Produkten könnte ins Wanken geraten. Grund sind verschärfte EU-Grenzwerte für Pflanzenschutzmittel. Sie erschweren möglicherweise den Import von Assam-Tee erheblich. Die Folge könnten Lieferengpässe und steigende Preise sein. Die IHK Nord hat deshalb bereits bei der EU-Kommission und Europaabgeordneten interveniert. Eine Antwort aus Brüssel steht allerdings noch aus. Hinzu kommt, dass ein solches Aus auch die UNESCO-geschützte ostfriesische Teekultur – sie ist immaterielles Kulturerbe – bedrohen würde.
Auch der Dauerstreit um pflanzliche Fleischalternativen ist noch lange nicht beendet. Zwar konnten sich Befürworter eines strengen Verbots von Bezeichnungen wie „Wurst“ oder „Steak“ für vegane Produkte auf EU-Ebene nicht vollständig durchsetzen. Einige Namen dürfen weiter verwendet werden. Doch in der Branche rechnet man damit, dass das Thema schon bald erneut auf der politischen Tagesordnung landet.
Für Diskussionen sorgte außerdem das geplante Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten. Während einige Unternehmen auf neue Exportchancen hoffen und eine bessere Versorgung mit Rohstoffen erwarten, warnen andere vor wachsendem Konkurrenzdruck sowie unterschiedlichen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsstandards. Die IHK zu Schwerin als Federführer für die Ernährungswirtschaft hat der IHK Nord hat dazu ein umfangreiches Faktenpapier erstellt.
Immer mehr Sorgen bereitet den Unternehmen außerdem die Flut neuer EU-Vorgaben. Ob strengere Verpackungsregeln, Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung oder die Verordnung für entwaldungsfreie Lieferketten – viele Betriebe fühlen sich von der Komplexität der neuen Vorschriften überfordert. Der Wunsch nach mehr Informationen und praxistauglichen Hilfen wird immer lauter. Die IHK Nord plant deshalb zusätzliche Webinare und Informationsveranstaltungen.
Hinzu kommen die weltweiten Krisen: Konflikte und geopolitische Spannungen bringen Lieferketten zunehmend ins Wanken. Schon heute berichten Unternehmen von Engpässen bei Rohstoffen, Maschinen und Ersatzteilen. Nach Einschätzung der IHK zu Schwerin wird die Ernährungswirtschaft deshalb immer stärker als kritische Infrastruktur wahrgenommen – und damit als unverzichtbarer Bestandteil der Versorgungssicherheit.
Ein weiteres Ziel: Die Bedeutung der Lebensmittelwirtschaft soll in der Öffentlichkeit stärker sichtbar werden. Gemeinsam mit den norddeutschen Food-Clustern sollen künftig neue Formate entstehen, um auf die Herausforderungen aufmerksam zu machen. Auch auf der Grünen Woche will die IHK Nord das Thema Ernährungssicherheit künftig noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Die Botschaft des Treffens ist eindeutig: Die Lebensmittelversorgung gilt längst nicht mehr nur als Wirtschaftsthema. Angesichts globaler Krisen entwickelt sie sich zunehmend zu einer Frage der europäischen und nationalen Sicherheit.
