Industrie

Für die Industrie in der Rhein-Neckar-Region hellt sich im Herbst 2026 die wirtschaftliche Lage etwas auf. Zwar bleibt das Umfeld insbesondere auf dem Heimatmarkt herausfordernd, die deutlich verbesserte Entwicklung im Auslandsgeschäft sorgt jedoch für neue Zuversicht.
Die aktuelle Konjunkturumfrage der IHK Rhein-Neckar zeigt, dass sich die Geschäftslage in der Industrie gegenüber dem Frühsommer verbessert hat. Der Saldo steigt von zuvor +1 auf aktuell +4 Punkte. 27 Prozent der Industriebetriebe berichten von einer guten, 50 Prozent von einer gleich bleibenden und 23 Prozent von einer schlechten Geschäftslage. Damit bewerten etwas mehr Unternehmen ihre aktuelle Geschäftssituation als gut statt schlecht. Auch wenn von einer breiten Erholung noch keine Rede sein kann, fallen die aktuellen Signale für die Branche positiver als im Frühsommer aus.
Die Umsatzentwicklung bleibt insgesamt weiterhin verhalten. Der Umsatzsaldo verbessert sich zwar von -16 auf -9 Punkte, liegt damit aber immer noch im negativen Bereich. Verantwortlich hierfür ist vor allem die schwache Entwicklung auf dem Inlandsmarkt. Bei den Inlandsumsätzen verschlechtert sich der Saldo von -16 auf -20 Punkte. Die Industrie leidet weiterhin unter der zurückhaltenden Investitionsbereitschaft vieler Kunden und einer schwachen Binnennachfrage, die einer anhaltenden Unsicherheit hinsichtlich der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland geschuldet sind.
Demgegenüber entwickelt das Auslandsgeschäft eine erfreuliche Dynamik: Der Saldo der Auslandsumsätze verbessert sich von -26 Punkten im Frühsommer auf aktuell +12 Punkte. Die Unternehmen profitieren dabei von einer Belebung wichtiger Exportmärkte sowie einer wieder steigenden Nachfrage nach Investitions- und Vorleistungsgütern. Für viele Industriebetriebe erweist sich das internationale Geschäft damit erneut als wichtiger Wachstumstreiber und stabilisierender Faktor.
Trotz der insgesamt verbesserten Geschäftslage bleibt die Kapazitätsauslastung unter ihrem langjährigen Durchschnitt (2007 bis 2026: 82 Prozent). Aktuell liegt sie bei 76 Prozent und damit nochmal drei Prozentpunkte unter dem Wert der Frühjahrsumfrage, als noch 79 Prozent erreicht wurden. Die rückläufige Auslastung verdeutlicht, dass weiterhin Produktionsreserven vorhanden sind und die Unternehmen von einer Vollauslastung noch entfernt bleiben.
Deutlich optimistischer fällt inzwischen der Blick in die Zukunft aus. Die Geschäftserwartungen der Industrie drehen merklich ins Positive. Der Erwartungssaldo steigt von -11 Punkten im Mai auf aktuell +9 Punkte. Die Unternehmen rechnen damit, dass sich das Exportgeschäft weiter belebt und sich die internationale Nachfrage in den kommenden Monaten stabilisiert. Hinzu kommen Hoffnungen auf eine schrittweise Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie auf zusätzliche Impulse durch wieder anziehende Investitionen wichtiger Kundenbranchen.
Auch die Investitionen zeigen eine leichte Verbesserung seit dem Frühjahr. Der Investitionssaldo verbessert sich von -12 auf -5 Punkte. Die Unternehmen bleiben zwar insgesamt noch zurückhaltend, der Rückgang der Investitionsbereitschaft hat sich jedoch abgeschwächt. Investitionen konzentrieren sich weiterhin vor allem auf Ersatzbedarf (73 Prozent), demgegenüber fallen Investitionen für Rationalisierung und Digitalisierung mit 40 Prozent bzw. 39 Prozent deutlich geringer aus. Für eine breite Investitionsoffensive fehlen vielen Unternehmen nach wie vor die notwendigen Wachstumsimpulse und Planungssicherheiten. Angesichts der Bindungsdauer/Amortisationsdauer von Investitionen in der Industrie ist das nicht verwunderlich.
Am industriellen Arbeitsmarkt zeigt sich dagegen kaum Bewegung. Der Beschäftigungssaldo verbessert sich lediglich leicht von -15 auf -13 Punkte. Damit rechnen weiterhin mehr Industriebetriebe mit einem Personalabbau als mit einem Beschäftigungsaufbau. Angesichts der anhaltend schwachen Inlandsnachfrage und der nur langsam steigenden Auslastung bleiben viele Unternehmen bei Neueinstellungen vorsichtig. Gleichzeitig bemühen sich zahlreiche Betriebe trotz des schwierigen Umfelds darum, qualifizierte Fachkräfte im Unternehmen zu halten, um bei einer konjunkturellen Belebung schnell reagieren zu können.
Insgesamt sendet die Industrie der Rhein-Neckar-Region damit wieder vorsichtig positive Signale. Die deutlich verbesserten Erwartungen und das wieder anziehende Exportgeschäft sprechen für eine Aufhellung der industriellen Entwicklung in den kommenden Monaten. Für eine nachhaltige Erholung wird jedoch entscheidend sein, ob sich neben den internationalen Märkten künftig auch die Nachfrage im Inland wieder belebt.