Handel

Einzelhandel

Der Einzelhandel in der Rhein-Neckar-Region bleibt auch im Herbst 2026 eines der Sorgenkinder der regionalen Wirtschaft. Zwar hat sich die aktuelle Geschäftslage gegenüber dem Frühsommer leicht verbessert, insgesamt bleibt die Stimmung jedoch deutlich eingetrübt. Vor allem der Blick in die kommenden Monate zeigt, dass die Unternehmen auch weiterhin mit einem schwierigen Marktumfeld rechnen.
Der Saldo der aktuellen Geschäftslage verbessert sich von -19 Punkten im Mai auf aktuell -15 Punkte. Damit fällt die Bewertung der gegenwärtigen Situation zwar etwas weniger negativ aus als noch im Frühsommer, es überwiegen jedoch weiterhin die Einzelhändler, die ihre Geschäftslage als schlecht einschätzen. Die Branche leidet nach wie vor unter einer verhaltenen Konsumnachfrage. Insbesondere die außergewöhnlich hohen Preise für Mineralöle (Kraftstoffe, Heizöl), also Ausgaben, die in weiten Teilen nicht vermieden werden können, führen zu einem Kaufkraftentzug, der die Handelsbranchen trifft. Auch die zunehmende Verunsicherung zur Beschäftigungssicherheit drückt merklich auf das Konsumklima.
Für die kommende 12 Monate gehen die Händler sogar von einer weiteren Verschlechterung aus. Der Erwartungssaldo verbessert sich lediglich geringfügig von -43 Punkten auf -40 Punkte, und verbleibt damit tief im kontraktiven Bereich. Der Einzelhandel weist damit die pessimistischsten Zukunftserwartungen aller betrachteten Branchen auf. Unsicherheiten hinsichtlich der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, steigende Kostenbelastungen (Mineralöle, Sozialabgaben, kalte Progression) belasten das Konsumklima und dämpfen die Erwartungen der Händler. Insbesondere bei langlebigen Konsumgütern und höherpreisigen Anschaffungen bleiben viele Kunden zurückhaltend.
Bemerkenswert ist hingegen die Entwicklung der Investitionsabsichten. Der Investitionssaldo steigt deutlich von -27 Punkten im Frühsommer auf aktuell +2 Punkte und dreht damit wieder in den positiven Bereich. Trotz der schwierigen Geschäftslage investieren viele Einzelhändler gezielt in die Zukunftsfähigkeit ihrer Unternehmen. Im Fokus stehen dabei vor allem die Ersatzbeschaffung und die Digitalisierung von Vertriebs- und Geschäftsprozessen.
Deutlich negativer stellt sich dagegen die Entwicklung bei den Beschäftigungsplänen dar. Der Beschäftigungssaldo verschlechtert sich von -19 Punkten auf aktuell -33 Punkte. Damit rechnen deutlich mehr Einzelhändler mit einem Personalabbau als mit zusätzlichen Einstellungen.
Insgesamt zeigt sich der Einzelhandel der Rhein-Neckar-Region weiterhin unter erheblichem Druck. Die leichte Verbesserung der aktuellen Geschäftslage reicht nicht aus, um eine nachhaltige Trendwende einzuleiten. Während die Investitionsbereitschaft wieder zunimmt und zeigt, dass viele Unternehmen ihre Geschäftsprozesse weiter modernisieren und an veränderte Marktbedingungen anpassen, bleiben die Erwartungen für die kommenden Monate ausgesprochen verhalten. Insbesondere die Entwicklung des privaten Konsums wird entscheidend dafür sein, ob sich die Lage im Einzelhandel wieder spürbar verbessern kann.

Großhandel

Der Großhandel in der Rhein-Neckar-Region bewegt sich weiterhin in einem anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld. Die aktuelle Geschäftslage hat sich gegenüber der Frühsommerumfrage nochmals eingetrübt. Gleichzeitig deutet der Blick auf die kommenden Monate darauf hin, dass die Unternehmen vorsichtig optimistischer werden.
Die Einschätzung der aktuellen Geschäftslage verschlechtert sich per saldo von -5 Punkten im Mai auf aktuell -10 Punkte. Damit berichten mehr Großhändler von einer schlechten als von einer guten Geschäftslage. Belastend wirken vor allem die schwache Inlandsnachfrage, die weiterhin zurückhaltende Investitionsbereitschaft vieler Kunden sowie die insgesamt verhaltene Konjunkturentwicklung. Insbesondere in eng mit der Industrie verbundenen Handelsbereichen sind die Impulse für eine nachhaltige Belebung des Geschäfts, die sich in der Industrie bereits andeuten, noch nicht angekommen.
Etwas freundlicher fällt dagegen der Blick in die Zukunft aus. Der Erwartungssaldo verbessert sich deutlich von -27 auf -15 Punkte. Obwohl der Wert weiterhin im negativen Bereich liegt und die Skepsis überwiegt, deutet die Entwicklung auf einen Aufwärtstrend bei den Geschäftserwartungen hin. Viele Großhändler rechnen mit einer schrittweisen Erholung wichtiger Abnehmerbranchen, insbesondere durch die zuletzt deutlich positiveren Signale aus dem Exportgeschäft. Auch die Perspektive einer Belebung der industriellen Nachfrage sorgt für etwas mehr Zuversicht als noch vor einigen Monaten.
Die Investitionsabsichten bleiben jedoch weiterhin verhalten. Der Investitionssaldo steigt zwar deutlich von -26 auf -13 Punkte, bleibt damit aber klar im negativen Bereich. Die Unternehmen agieren angesichts der wirtschaftlichen Unsicherheiten weiterhin vorsichtig und verschieben größere Investitionsvorhaben häufig auf einen späteren Zeitpunkt. Wenn investiert wird, erfolgt dies vor allem aus Gründen des Ersatzbedarfs sowie zur Modernisierung bestehender Strukturen. Darüber hinaus gewinnen Digitalisierungsprojekte weiter an Bedeutung. Viele Großhändler investieren in die Optimierung von Logistikprozessen, Warenwirtschaftssystemen und digitalen Vertriebskanälen, um ihre Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
Bei den Beschäftigungsplänen zeichnet sich nur eine geringe Veränderung ab. Der Beschäftigungssaldo verbessert sich leicht von -22 Punkten im Mai auf aktuell -18 Punkte. Damit planen zwar weiterhin mehr Unternehmen einen Stellenabbau als zusätzliche Einstellungen, die Dynamik hat sich jedoch etwas abgeschwächt. Vor dem Hintergrund der unsicheren Geschäftsentwicklung und des anhaltenden Kostendrucks bleiben viele Großhändler bei der Personalplanung vorsichtig.
Insgesamt zeigt sich der Großhandel der Rhein-Neckar-Region weiterhin in einer Übergangsphase. Die aktuelle Geschäftslage bleibt angespannt, während die Erwartungen auf eine allmähliche Verbesserung hindeuten. Die Unternehmen setzen auf Stabilisierung statt Expansion und verfolgen bei Investitionen und Personalentscheidungen überwiegend einen vorsichtigen Kurs. Ob sich die vorsichtige Zuversicht in den kommenden Monaten bestätigt, wird maßgeblich von der Entwicklung der Industrie sowie der allgemeinen Konjunktur abhängen.