Auslandsgeschäft

Im Herbst 2026 mehren sich die Anzeichen für eine konjunkturelle Belebung des Auslandsgeschäfts. Als stark exportorientierte Volkswirtschaft profitiert Deutschland von der robusten Weltwirtschaft und der anziehenden Nachfrage auf wichtigen Auslandsmärkten. Gleichzeitig bleibt das weltwirtschaftliche Umfeld von erheblichen wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten geprägt. Handelskonflikte, regionale Krisenherde und unterschiedliche wirtschaftspolitische Entwicklungen in den großen Wirtschaftsregionen stellen die Unternehmen weiterhin vor Herausforderungen.
Dennoch hat sich die Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten zuletzt stabilisiert oder verbessert. Eine dynamischere Auslandsnachfrage und eine teilweise zunehmende Investitionstätigkeit geben dem Auslandsgeschäft zusätzliche Impulse. Entsprechend blicken die Unternehmen zuversichtlicher auf ihre internationalen Geschäfte als noch im Frühsommer. Zugleich haben viele Unternehmen ihre Absatzmärkte in den vergangenen Jahren diversifiziert und ihre internationalen Liefer- und Vertriebsstrukturen widerstandsfähiger aufgestellt.
Diese Aufhellung spiegelt sich auch in den Ergebnissen der aktuellen Herbst-Konjunkturumfrage der IHK Rhein-Neckar wider. Nachdem die Auslandsumsätze der Industrieunternehmen in den zurückliegenden Quartalen noch deutlich unter Druck standen, zeigt sich nun eine spürbare Aufhellung. Der Saldo der Auslandsumsätze verbessert sich von -26 Punkten im Mai auf aktuell +12 Punkte. Damit berichten erstmals seit längerer Zeit wieder deutlich mehr Unternehmen von steigenden als von sinkenden Auslandsumsätzen. Auch bei den Auftragseingängen aus dem Ausland ist eine anziehende Nachfrage zu verzeichnen. Der entsprechende Saldo steigt von -27 Punkten im Frühjahr auf aktuell +14 Punkte.
Entsprechend optimistischer fallen auch die Exporterwartungen der Industriebetriebe aus. Der Saldo der Ausfuhrpläne verbessert sich von -9 Punkten im Mai auf aktuell +17 Punkte. Damit rechnen wieder deutlich mehr Unternehmen mit steigenden als sinkenden Exporten.
Ein Blick auf die einzelnen Zielregionen zeigt, dass die positive Entwicklung auf einer breiten Basis steht. Innerhalb der Eurozone* steigt der Exportsaldo von -7 auf +4 Punkte. Die Wirtschaft im Euroraum zeigt sich trotz erhöhter Energiepreise widerstandsfähig, zugleich hat sich die Nachfrage auf wichtigen europäischen Absatzmärkten gefestigt.
Auch die Erwartungen für Nordamerika haben sich in der Herbstumfrage verbessert. Der Saldo steigt von -8 auf +8 Punkte. Die vergleichsweise robuste US-Konjunktur und hohe Investitionen insbesondere in Digitalisierung, KI und entsprechende Infrastruktur bieten zusätzliche Absatzchancen. Gleichzeitig bleibt das US-Geschäft angesichts handelspolitischer Unsicherheiten und bestehender Zollbelastungen herausfordernd. Die Exporterwartungen nach Nordamerika haben sich jedoch bei den Unternehmen in der Region seit Herbst 2025 stetig verbessert.
Auch die Exporterwartungen für die asiatischen Märkte hellen sich leicht auf. Der entsprechende Saldo verbessert sich von -4 auf +2 Punkte. Die Entwicklung innerhalb Asiens bleibt heterogen. Insbesondere Exporte nach China dürften auch für die Unternehmen in der Region weiterhin Schwächen zeigen, während sich für andere asiatische Absatzmärkte teilweise günstigere Perspektiven ergeben.
Insgesamt gewinnen die Auslandsmärkte als Impulsgeber für die Wirtschaft der Rhein-Neckar-Region wieder an Bedeutung. Die verbesserten Exportindikatoren deuten auf eine Belebung des Auslandsgeschäfts hin. Die weitere Entwicklung bleibt jedoch von erheblichen geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt.
* Eurozone: Frankreich, Niederlande, Italien, Irland, Griechenland, Portugal, Spanien, Finnland, Österreich, Belgien, Luxemburg, Malta, Estland, Lettland, Litauen, Slowakei, Slowenien, Zypern, Kroatien