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Ausbildungsmarkt insgesamt stabil
Zum 1. September haben 3094 junge Menschen eine Ausbildung in einem IHK-Beruf gestartet. Das sind 1,8 Prozent weniger als 2024.
Wie ist die Lage bei den kaufmännischen Berufen, wie bei den gewerblich-technischen?
Die Zahl der Vertragsabschlüsse in den kaufmännischen Berufen stieg im Vergleich zu 2024 moderat um 2,7 Prozent auf 2.039. Einen merklichen Schwund indes gab es bei den gewerblich-technischen Berufen: Hier gingen die Abschlüsse um 9,8 Prozent auf 1.055 zurück.
Warum gehen die Neueintragungen bei den gewerblich-technischen Berufen zurück?
Das Minus um jeweils rund zehn Prozent in den Berufen Metalltechnik, Elektrotechnik und Chemie erklärt sich zu großen Teilen mit der nunmehr seit Jahren stagnierenden Produktion: Die wirtschaftliche Schwäche schlägt jetzt auf den Ausbildungsmarkt durch.
Was fällt im Vergleich der Regionen auf?
Nur in Mannheim gehen sowohl die Abschlüsse in den kaufmännischen (-5,7 Prozent), als auch in den gewerblich-technischen Berufen (-9,6 Prozent) zurück (insgesamt: -7 Prozent): Mannheim ist damit das neue Sorgenkind am regionalen Ausbildungsmarkt. In Heidelberg und dem Rhein-Neckarkreis lagen die Gesamtzahlen hingegen leicht über Vorjahresniveau (+0,4 Prozent bzw. +0,9 Prozent). Im Neckar-Odenwald-Kreis steht sogar ein kräftiges Plus von 6,1 Prozent.
30.800 Arbeitsstellen werden 2025 im IHK-Bezirk unbesetzt sein.
Quelle: BWIHK-Fachkräftemonitor
Wie reagieren die Unternehmen?
Die Antwort darauf findet sich in der Umfrage unter 428 Ausbildungsbetrieben der IHK Rhein-Neckar. Auf die Frage, ob sie mehr oder weniger Ausbildungsplätze als im Vorjahr anbieten, antworteten 27 Prozent die mit “weniger", nur 14 Prozent mit “mehr" (Rest: gleichbleibend).
Gibt es weitere Herausforderungen auf dem Ausbildungsmarkt?
Ein großes Problem bleibt die Qualität der Schulabgänger. 84 Prozent der Befragten der IHK-Umfrage erkennen hier Mängel. Auffallend dabei: Die Defizite werden weniger bei den kognitiven Kompetenzen als bei den sogenannten Soft Skills gesehen: Belastbarkeit (69 Prozent), Disziplin (64 Prozent) und mentale Leistungsfähigkeit (58 Prozent) werden am häufigsten genannt (Mehrfachnennungen möglich).
Welchen Forderungen haben Unternehmen und IHK an die Politik?
Viele der befragten Betriebe erkennen Veränderungsbedarf im dualen Ausbildungssystem: 85 Prozent fordern mehr Praxisbezug in der Berufsschule, 69 Prozent eine verbesserte personelle und technische Ausstattung der Berufsschulen und 65 Prozent eine bessere Zusammenarbeit zwischen Schule und Betrieb. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) erachtet es als sinnvoll, dass im ersten Lehrjahr der Fokus auf berufs- und fachübergreifende Kompetenzen gelegt werden sollte. Eine Spezialisierung stünde dann erst ab dem zweiten Lehrjahr an. “Solch eine Differenzierung würde zumindest teilweise auch dem Problem begegnen, dass die Klassen kleiner werden und daher die Fahrtwege zur Berufsschule oftmals sehr weit sind", erläuterte IHK-Präsident Manfred Schnabel bei der Vorstellung der Ausbildungszahlen. Seine Forderung an die Berufsschulen: Im Zweifelsfall sollte Unterricht lieber digital stattfinden als dass Azubis sehr lange Anfahrtswege hätten.
Was sollte sich aus Sicht der IHK zusätzlich ändern?
"Die Landesregierungen müssen es endlich ermöglichen, dass Berufsschulunterricht über Landesgrenzen hinweg möglich ist. Diese Kleinstaaterei ist völlig aus der Zeit gefallen", kritisierte IHK-Präsident Schnabel. Nachholbedarf gebe es zudem an den allgemeinbildenden Schulen. “Die Einführung eines Schulfachs Berufs- und Studienorientierung war richtig. Doch bei der konkreten Umsetzung einer besseren Berufsorientierung ist noch viel Luft nach oben. Das betrifft die Lehrpläne genauso wie die konkrete Unterrichtsgestaltung vor Ort", so Schnabel weiter.
