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Innenstadtberatung: Digitale Sichtbarkeit verstärken
Die Spargelstadt Schwetzingen rückt Unternehmer wie Carsten Kissner und Angebote ihrer Innenstadt mehr ins Blickfeld. Dahinter stehen Maßnahmen, die aus der IHK-Innenstadtberatung hervorgegangen sind.
Werkbänke sind das erste, was Carsten Kissner sieht, wenn er morgens die Tür seines Schmuck-Ateliers im historischen Marstall öffnet. Die Goldschmiede-Werkstatt ist bewusst Teil des Verkaufsraums. Kunden können beobachten, wie Schmuckstücke entstehen, Kissner Fragen stellen und mit den Mitarbeitern ins Gespräch kommen. "Das offene Atelier kommt sehr gut an", so der Unternehmer. Die Kunden des Goldschmiedemeisters kommen längst nicht nur aus Schwetzingen. Viele nehmen Anfahrten von einer Stunde oder mehr in Kauf, kommen aus der Pfalz oder dem Odenwald. "Jeder hat den Eindruck, dass er hier eine gute Zeit verbringen kann. Wir haben hier eine Perle, die es zu pflegen gilt", sagt er über die Stadt.
Genau diese Aufenthaltsqualität und die besondere Atmosphäre sind es, auf die Schwetzingen bei der Entwicklung seiner Innenstadt setzt. Die Stadt profitiert dabei von ihrer Bekanntheit als Ausflugsziel und den Besucherströmen rund um Schloss, bei den Festspielen und während der Spargelsaison. Gleichzeitig steht auch Schwetzingen vor den Herausforderungen, die viele Innenstädte beschäftigen: verändertes Kaufverhalten, Online-Handel und steigende Anforderungen an Handel, Veranstaltungen und Stadtgestaltung.
Einen wichtigen Impuls, die vielschichtigen Herausforderungen anzugehen, gab die IHK-Innenstadtberatung der IHK Rhein-Neckar, die 2022 startete. Ein Jahr später lag ein Maßnahmenkatalog vor. Zu den wichtigsten Empfehlungen gehörten eine stärkere digitale Vermarktung der Innenstadt, die Aufwertung und die größere Sauberkeit der Fußgängerzone, die Weiterentwicklung des Stadtmarketings, Verbesserungen beim Parken sowie ein aktiveres Management des Wochenmarkts. "Der Blick von außen war hilfreich, um Prioritäten zu setzen und konkrete Projekte anzustoßen," sagt Lea Michelberger, Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung. So hat die Stadt unter anderem neue Abfallbehälter installiert, die Reinigung intensiviert, zusätzliche Fahrradabstellmöglichkeiten geschaffen und die Beschilderung vereinfacht. Statt vieler einzelner Hinweistafeln weist heute ein zentrales Informationsschild den Weg. Geplant sind zudem die Umgestaltung des Alten Messplatzes sowie eine Aufwertung des Rathausumfeldes. Mehr Grün und zusätzliche Aufenthaltsmöglichkeiten sollen dazu beitragen, die Innenstadt noch stärker als Ort zum Verweilen zu positionieren.
Eine wichtige Rolle bei der Innenstadtentwicklung spielt gemeinsam mit der Verwaltung das Stadtmarketing Schwetzingen (SMS). Der Verein entstand aus dem Gewerbeverein und hat sich in den vergangenen Jahren professionalisiert. Mit Oliver Engert gibt es heute einen hauptamtlichen Geschäftsführer, der sich ausschließlich um Innenstadtmarketing, Veranstaltungen und Kommunikation kümmert. "Das ist im Ehrenamt kaum noch darstellbar", sagt Engert. Die Anforderungen seien deutlich komplexer geworden, gerade bei der digitalen Kommunikation "Social Media macht niemand mehr nebenbei. Man muss ständig schauen, was passiert, welche Themen die Mitglieder beschäftigen und wie man Reichweite erzeugt."
Die Professionalisierung zeigt in Schwetzingen Wirkung, siehe Abrufzahlen des Instagram-Kanals des Stadtmarketings. Neben Veranstaltungsankündigungen werden dort beispielsweise im Format "Schwetzinger Lieblinge" Händler und Gastronomen porträtiert. "Wir machen die Menschen hinter den Produkten sichtbar", beschreibt Engert das Konzept. Die Beiträge sollen Aufmerksamkeit für die Betriebe und gleichzeitig die Identifikation mit der Innenstadt stärken. Auch Kissner war bereits Teil des Formats. "Das war der meistgeklickte Beitrag auf unserer eigenen Instagram-Seite", berichtet er. Für Kissner liegt die Stärke der Maßnahme nicht nur in der Werbung für einzelne Geschäfte. "Das Format macht die Stadt jung, präsent und professionell." Und erreicht Menschen weit über die Stadtgrenzen hinaus. Aus Sicht der Stadtverwaltung ist genau das ein entscheidender Faktor für die Zukunft der Innenstadt. "Wir möchten ein modernes Bild nach außen vermitteln und neue Zielgruppen erreichen", sagt Lea Michelberger. Die Menschen hinter den Geschäften sichtbar zu machen, schaffe Identifikation und stärke die emotionale Bindung an den Standort.
Parallel setzt Schwetzingen auf Veranstaltungen als Frequenzbringer. Der Spargelsamstag, der Französische Markt, der Schwetzinger Herbst oder die Kunstpromenade ziehen regelmäßig Besucher in die Innenstadt. Die Kunstpromenade entstand aus einer Idee von Mitgliedern des Stadtmarketings und wurde als neues Format am ersten Adventswochenende etabliert. Für Engert liegt die Stärke solcher Veranstaltungen vor allem in der Verbindung von Handel, Gastronomie und Tourismus. Die zahlreichen Gäste, die wegen des Schlosses oder kultureller Veranstaltungen nach Schwetzingen kommen, sorgen auch für Frequenz in den Einkaufsstraßen.
Die Stadt ist auf einem wirklich guten Weg.
– resümiert Carsten Kissner.
Selbst Carsten Kissner, dessen Schmuckatelier nicht unmittelbar von den großen Besucherströmen profitiert, beteiligt sich regelmäßig: "Prinzipiell ist das für viele Kollegen sicherlich ein guter Umsatzbringer. Es liegt an meinem Gewerk, dass ich an solchen Tagen weniger profitiere als andere." Trotzdem sei es wichtig bei solchen Veranstaltungen ein einheitliches Bild abzugeben. Die Beteiligten in Schwetzingen sind sich einig, dass eine erfolgreiche Innenstadtentwicklung viele Bausteine benötigt: Veranstaltungen, Aufenthaltsqualität, Digitalisierung und die Zusammenarbeit zwischen Handel, Tourismus, Stadtmarketing und Verwaltung greifen ineinander.
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