IHK Magazin
Nr. 7126070
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04 | 2026

IHK-Umfrage: Aussichten so schlecht wie seit vier Jahren nicht

Die Lage zeigt sich noch recht stabil, allerdings sind hier erste Folgen des Iran-Konflikts zu spüren. Dieser hat auch Auswirkungen auf die Stimmung unter den Betrieben.

Wie hat sich die Konjunktur seit der IHK-Umfrage im Januar entwickelt?

Der IHK-Konjunkturklimaindex, Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung, fällt von 104 im Januar auf 96 Punkte im Frühsommer. Erst Werte oberhalb der wichtigen 100-Punkte-Marke zeigen tendenziell Wachstum an.

Mit welchen Erwartungen blicken die Unternehmen in die Zukunft?

Der Iran-Krieg wirkt sich auf die Geschäftsaussichten deutlich stärker aus als auf die aktuelle Lageeinschätzung. Vielfach werden Sorgen geäußert vor Lieferkettenstörungen, einem längerfristigen Ausfall der Golfregion als weltwirtschaftlichem Motor und einer wieder deutlich anziehenden Inflation und in Folge auch höheren Arbeitskosten. Eine gewisse konjunkturwirksame Gegenbewegung geht derzeit in einer Reihe an Unternehmen von einem Lageraufbau aus, der mit dem Ziel getätigt wird, eventuell aufkommende Lieferschwierigkeiten überbrücken zu können.

Was belastet die Betriebe?

Mit 59 Prozent nimmt die schwache Inlandsnachfrage weiterhin den ersten Platz bei den am häufigsten genannten Geschäftsrisiken ein (Mehrfachnennungen möglich). Sie teilt sich den ersten Platz aktuell jedoch mit den hohen Energiepreisen, die ebenfalls von 59 Prozent der Unternehmen als bedrohlich angesehen werden. Hier zeigt sich aufgrund der Krise im Persischen Golf ein deutlicher Anstieg um 20 Prozentpunkte seit Jahresbeginn. Die hohen Arbeitskosten stellen für 53 Prozent der Unternehmen ein Risiko dar. Hier zeigt sich gegenüber der Vorumfrage keine Veränderung. Ein deutlicher Anstieg zeigt sich hingegen bei den geopolitischen Spannungen (43 Prozent) und bei den hohen Rohstoffpreisen (39 Prozent). Bei allen Risikofaktoren gibt einen Anstieg im Vergleich zur IHK-Vorjahresumfrage, außer beim Thema Fachkräftemangel. Lag dieser Faktor im Januar noch mit 41 Prozent auf Platz drei der am meisten genannten Geschäftsrisiken, so bezeichnen aktuell nur noch 35 Prozent der Unternehmen den Mangel an Fach- und Arbeitskräften als Geschäftsrisiko. Das ist der niedrigste Wert seit dem Corona-Jahr 2020 und zeigt, wie sehr sich der Arbeitsmarkt gedreht hat.

Was ist mit dem Auslandsgeschäft?

Mit Blick auf die Exportabsichten hielten sich zunehmende und rückläufige Ausfuhrpläne zu Jahresbeginn noch die Waage. Im Frühsommer gehen per saldo neun Prozent der Industriebetriebe von rückläufigen Exporten in den kommenden zwölf Monaten aus. Vor allem die US‑Zollpolitik und die daraus resultierende hohe Unsicherheit belastet das Exportgeschäft vieler Industriebetriebe. Die Ausfuhrpläne auf den nordamerikanischen Markt sind daher im Frühsommer weiterhin rückläufig. Ähnlich sieht es bei den Ausfuhrplänen auf die Märkte innerhalb der Eurozone und den weiteren EU-Ländern aus. Auch auf dem asiatischen Markt zeigt sich ein leichter Rückgang. Zu- und abnehmende Ausfuhrpläne hielten sich zu Jahresbeginn noch die Waage, aktuell liegt der Saldo bei -4 Punkten. Ein positiver Exportsaldo zeigt sich mit Blick auf Südamerika und das Vereinigte Königreich. Beide Märkte wiesen schon zu Jahresbeginn eine positive Entwicklung auf.

Wie ist die Lage in der Industrie?

Mit Blick in die einzelnen Wirtschaftssektoren fällt auf, dass sich der zuletzt wahrgenommene Aufwärtstrend im verarbeitenden Gewerbe nicht weiter fortsetzt. Lag der Saldo zuletzt mit sechs Punkten im positiven Bereich, so sinkt der Lageindikator in der Industrie aktuell um fünf Prozentpunkte auf +1 Punkt. Die Geschäftserwartungen in der Industrie sind unter dem Strich weiterhin negativ. Auch hier zeigt sich eine Abwärtsbewegung. So rechneten im Januar per saldo drei Prozent der Unternehmen mit schlechteren Geschäften, aktuell sind es elf Prozent.

Wie geht es dem Handel?

Im Handel geht der Lagesaldo im Vergleich zum Januar mit einem Prozentpunkt nur geringfügig zurück. Aktuell schätzen per saldo 12 Prozent der Händler ihre Lage als schlecht ein. Dass sich der Konjunkturklimaindex im Handel so deutlich unter der 100-Punkte-Marke befindet, liegt an den negativen Geschäftsaussichten. So fällt der Erwartungssaldo im Handel insgesamt von -25 auf -37 Punkte, im Einzelhandel sogar auf -43 Punkte. Betrachtet man nur den Großhandel, dann zeigt sich bei der Lage ein leichter Aufwärtstrend (von -13 auf -5 Punkte). Bei den Erwartungen geht es jedoch auch im Großhandel deutlich bergab. Der Saldo sinkt von -14 auf -27 Punkte.

Und was sagen die Dienstleister?

Selbst wenn die Stimmung bei den Dienstleistern nachlässt, so liegt der Wirtschaftsbereich im Sektorenvergleich weiterhin deutlich vorn. Nur hier befindet sich der Konjunkturklimaindex mit 102 Punkten oberhalb der 100-Punkte-Marke. Dabei schätzen die Unternehmen ihre Lage ähnlich gut ein wie im Januar. Der Saldo liegt aktuell bei +22 Punkten, im Januar waren es +23. Dass der Indexwert um zehn Punkte sinkt, liegt vor allem an den Erwartungen, die seit Jahresbeginn spürbar nachlassen.
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