IHK Magazin
Nr. 7023072
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03 | 2026

Fachkräftesicherung: "Kommunikation ist A und O"

Die Konjunktur hellt sich zu Jahresbeginn leicht auf, es ist jedoch noch viel Luft nach oben. Bremsend auf die Betriebe wirken vor allem hohe Kosten.
Wie wichtig dem Geschäftsführer von GGT Gmeinder Getriebetechnik ein lockerer und kollegialer Umgang mit seiner Belegschaft ist, zeigt sich, wenn er am Morgen das Unternehmen betritt. Für jede Frage, jedes Problem oder jeden Vorschlag hat Dr. Wolfgang Fischer ein offenes Ohr, das "Du” als Anrede hat sich längst etabliert. "Wir wollen weiter wachsen und Gmeinder neu aufstellen und strukturieren", so der Ingenieur, der 2020 die Leitung des Unternehmens übernommen hat. "Unsere Mitarbeiter sind dabei das wichtigste Kapital, das wir haben und darum müssen wir uns kümmern. Wir sind ein Team."
Seit der Übernahme des 1913 gegründeten Odenwälder Getriebespezialisten für Schienenfahrzeuge durch die tschechische Wikov-Gruppe ist die Mannschaft des Mittelständlers von 100 auf über 130 angewachsen. Fischer setzt alles daran, dass sich seine Fachkräfte im Betrieb wohlfühlen und dem Unternehmen auch in Zeiten des Wandels erhalten bleiben. Das scheint zu funktionieren: Die Fluktuationsrate liegt bei unter drei Prozent, weit unter Durchschnitt.
Auf dem Terminkalender steht heute ein Treffen mit dem Betriebsrat. Alle drei bis sechs Monate diskutiert Fischer mit den Arbeitnehmervertretern über die Anfragen im Employee Assistance Program. Das ist eine Hotline, die von den Mitarbeitern kostenlos in Anspruch genommen werden kann und Hilfe bei rechtlichen, familiären, medizinischen sowie psychologischen Problemen bietet. Die Angestellten werden beispielsweise bei der Buchung von Arztterminen unterstützt. Mit diesem Service hat Gmeinder eine Agentur beauftragt. "Selbstverständlich sind die Inhalte anonym. Der Hintergrund unserer Gespräche mit dem Betriebsrat ist es zu erfahren, ob es irgendwelche Probleme gibt, die im Unternehmen ihren Ursprung haben", berichtet Fischer. "Dann würden wir natürlich aktiv werden." Doch auch heute kann er das Meeting entspannt verlassen. Die in der Hotline angesprochenen Themen geben unter diesem Aspekt keinen Anlass zur Sorge.
Gelegenheit zum Kontakt mit den Mitarbeitern ist auch immer das Mittagessen, das frisch zubereitet angeliefert und vor Ort in einem Aufenthaltsraum aufgewärmt wird. "Dazu zahlen wir einen Zuschuss, und es wird gut angenommen", ist die Erfahrung des Unternehmenschefs. Gmeinder finanziert teilweise auch Fahrradleasing und das Jobticket.
Dr. Wolfgang Fischer:
Die Arbeitskleidung hat unsere Belegschaft selbst ausgewählt.
Komplett übernommen werden die Kosten für die Arbeitskleidung. "Diese hat unsere Belegschaft selbst ausgewählt und sich prompt für die beste, aber auch teuerste Variante entschieden", lächelt Fischer. "Aber da standen wir natürlich im Wort." Finanzielle Hilfen gibt es ebenfalls bei den Arbeitsschuhen. Im vorigen Jahr wurde dazu extra eine 3D-Fußvermessung angeboten.
Nach der Mittagspause macht Fischer sich auf den Weg zum Shopfloor-Meeting. Dahinter verbirgt sich ein Führungsansatz, bei dem Vorgesetzte in der Werkstatt oder Fertigung durch regelmäßige Kurzbesprechungen und Visualisierung von Kennzahlen Probleme schneller lösen und Abläufe effizienter gestalten können. "Noch wichtiger als freiwillige Zusatzleistungen ist uns die Einbindung der Belegschaft in die Produktionsprozesse", betont der Manager. "Wir haben inzwischen eine Unternehmenskultur erreicht, bei der wir kein anonymes Vorschlagswesen mehr brauchen, sondern die Mitarbeiter einfach den Mund aufmachen, wenn ihnen etwas auffällt. Bisher haben wir jeden sinnvollen Vorschlag umgesetzt. Das hat für uns ganz hohe Priorität."
Rund zehn Millionen Euro sind in den vergangenen fünf Jahren in die Modernisierung und den Ausbau der Produktion geflossen; vor allem für das Projekt "Gmeinder 2025", mit dessen Hilfe das Gelände weiterentwickelt sowie die vier Hallen modernisiert und mit neuen Maschinen ausgestattet wurden. "Bevor wir die Hallen umbauten, haben wir die Einrichtung eines jeden Arbeitsplatzes mit unseren Mitarbeitern besprochen und ihre Vorschläge realisiert", so Florian Krötz, der seit Oktober 2025 die neugeschaffene Position des Chief Operating Officer (COO) in der Geschäftsführung einnimmt. Krötz arbeitet seit 13 Jahren bei dem Unternehmen und hat hier bereits seine Ausbildung absolviert. "Ich kenne sowohl die alte als auch die neue Zeit bei Gmeinder", berichtet er. "Das Unternehmen wurde vom früheren Eigentümer in einem patriarchalischen Führungsstil geführt. Hier haben wir eine echte Kehrtwende gemacht."
"Es ging schlagartig ein Ruck durch die Firma", beschreibt auch Betriebsratsvorsitzender Tibor Großkinski die Entwicklung. "Am wichtigsten finde ich dabei die Kommunikation, das ist das A und O. Dies hat dazu geführt, dass unser Unternehmen aufgeblüht ist und nun wieder die Energie da ist, weiter voranzukommen." Der neue Teamgeist hat zudem dazu beigetragen, dass die Eigeninitiative der Gmeinder-Mitarbeiter gestiegen ist. "Als kürzlich das komplette Personal an einer Presse ausfiel, hat sich kurzfristig eine neue Mannschaft aus drei verschiedenen Abteilungen zusammengefunden und so das Problem gelöst", nennt Fischer ein Beispiel.
Erste Vorbereitungen trifft das Geschäftsführer-Tandem heute für zwei wichtige Events, die dieses Jahr anstehen. "Ein besonderes Highlight ist der Besuch unserer Leitmesse, der ‘Innotrans‘, die alle zwei Jahre in Berlin stattfindet", spricht Fischer einen Pflichttermin seiner Branche an. "Da laden wir alle interessierten Mitarbeiter ein und übernehmen komplett die Kosten. Wenn unsere Truppe dann mit unserem Technischen Leiter durch die Messe geht und sie dort die Züge sehen, deren Getriebe sie selbst hergestellt oder gewartet haben, das ist Motivation pur."
Dick angestrichen im Kalender wird auch jedes Jahr die Weihnachtsfeier im Mosbacher Brauhaus, bei der inzwischen – im Gegensatz zu früheren Zeiten – 85 bis 90 Prozent der Belegschaft dabei sind. Hier wird offen über die wirtschaftliche Situation des Unternehmens gesprochen, über Auftragsbestand, Auftragseingang und Investitionen. Zum Thema "Transparenz" trage außerdem die monatlich erscheinende Mitarbeiterzeitschrift "Gmeinder Intern" bei.
Im benachbarten Mosbacher Brauhaus schmückt übrigens das Logo des Unternehmens die Biergläser. "Wir arbeiten konsequent an unserer Reputation, die früher nicht unbedingt besonders gut war", weiß Fischer. "Doch angesichts der steigenden Bewerbungszahlen merken wir, dass unser Ansehen in den vergangenen Jahren zugelegt hat. Dies ist an einem Standort wie Mosbach besonders wichtig, da wir weitgehend darauf angewiesen sind, Mitarbeiter aus der Region zu finden."
Umso mehr Wert wird auf das Thema Ausbildung gelegt; mit einem breiten Angebot an Ausbildungsberufen, angefangen von Industriekaufleuten über Industriemechaniker und Getriebeschlosser bis zu Zerspanungsmechanikern. Besonders stolz ist man bei Gmeinder, dass Benjamin Kind sich entschieden hat, im Einkauf eine feste Stelle anzunehmen. Kind hat seine Ausbildung zum Industriekaufmann im Unternehmen absolviert und wurde 2025 von der DIHK als bundesweit bester Azubi in seinem Beruf ausgezeichnet. Mit dem Thema Nachwuchs schließt Fischer auch den heutigen Arbeitstag ab. Er greift zum Telefonhörer, um potenzielle Mitarbeiter, die sich über Facebook oder Instagram bei dem Unternehmen gemeldet haben, persönlich zu kontaktieren. "Das ist für viele junge Leute eine echte Überraschung", so seine Erfahrung.

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