IHK Magazin
Nr. 7141134
4 min Lesezeit
05 | 2026

Interview: "Die IHK ist mir eine Herzensangelegenheit"

Stabwechsel vollzogen: Seit dem 1. Juli leitet Mathias Grimm die IHK Rhein-Neckar. Der neue Hauptgeschäftsführer über Digitalisierung und echte Begegnungen.

Herr Grimm, seit wenigen Tagen sind Sie IHK-Hauptgeschäftsführer. Wie war die erste Zeit?

Mathias Grimm: Sehr spannend, aber auch sehr herausfordernd! Obwohl ich seit vielen Jahren bei der IHK bin, gibt es vieles, was ich in der neuen Rolle natürlich noch lernen muss. Aber das Wichtigste: Es macht mir sehr viel Spaß!

Sie sind bereits seit vielen Jahren in der IHK tätig, zuletzt als kaufmännischer Geschäftsführer und stellvertretender Hauptgeschäftsführer. Warum jetzt dieser Schritt?

Grimm: Die IHK Rhein-Neckar ist mir eine Herzensangelegenheit! Über viele Jahre durfte ich das Haus in verschiedenen Funktionen mitgestalten, zuletzt als kaufmännischer Geschäftsführer mit Verantwortung unter anderem für Personal und Finanzen. Wir sind sehr gut aufgestellt und haben eine tolle Mannschaft mit kompetenten und motivierten Mitarbeitenden. Gerne übernehme ich jetzt die Gesamtverantwortung. Ich sehe mich dafür sehr gut gerüstet. Und ich kann dabei auf ein gutes Netzwerk in die Mitgliedsunternehmen und ins Ehrenamt bauen, das ich über viele Jahre begleitet habe.

Gibt es etwas, auf dass Sie sich besonders freuen in Ihrer neuen Funktion?

Grimm: Ich war zwölf Jahren kaufmännischer Geschäftsführer und kenne diesen Bereich wie meine Westentasche. Jetzt habe ich Neues zu lernen und zu gestalten. Das macht mir großen Spaß! Erfüllend ist, dass ich jetzt noch stärkeren Einfluss auf strategische und personelle Entscheidungen nehmen darf.

Ihr Vorgänger, Dr. Axel Nitschke, war promovierter Volkswirt. Sie sind Jurist. Macht das einen Unterschied in dieser Position?

Grimm: Das sind schon unterschiedliche Professionen, aber in jedem Fall sind wir unterschiedliche Persönlichkeiten. Und das ist vielleicht sogar prägender als der Studienabschluss.

Noch ein Unterschied zu Ihrem Vorgänger: Sie sind ein Kind der Region.

Grimm: In der Tat, ich lebe seit mehr als 35 Jahren in Mannheim. Aufgewachsen bin ich im badischen Teil des Bodensees und in Tauberbischofsheim. Ich bin also ein waschechter Badenser! Ich kenne und liebe die Region und die Mentalität der Menschen hier. Ich schätze die Offenheit, die Herzlichkeit, den ehrlichen Umgang miteinander und die Internationalität der Region. Für mich eine der lebenswertesten Regionen in unserem Land.

Wie steht die Region wirtschaftlich da?

Grimm: Die Wirtschaft der Region hat grundsätzlich mit denselben Problemen zu kämpfen wie das gesamte Land: zu hohe Kosten für Arbeit, Steuern, Energie und Sozialversicherungen und eine gnadenlose Regulatorik mit ausufernden Berichtspflichten. Das nimmt den Unternehmen die Luft zum Atmen. Zudem kämpfen auch wir mit den geopolitischen Verwerfungen wie den Folgen des Russland-Ukraine-Krieges und des Irankriegs sowie der amerikanischen Zollpolitik. Dennoch gibt es sehr starke Unternehmen, die sich dem gut widersetzen. Ein Riesenvorteil der Region ist dabei, dass die Unternehmen nach Branchen und Betriebsgrößen extrem gut gemischt sind. Das verleiht eine ziemliche Resilienz.
“Ich möchte die IHK mit ihren vier Standorten noch stärker als Orte der Begegnung positionieren.
– so Mathias Grimm.

Was haben Sie mit dem Haus vor?

Grimm: Ich möchte die IHK mit ihren vier Standorten in Mannheim, Heidelberg und Mosbach noch stärker als Orte der Begegnung positionieren, wo Unternehmerinnen und Unternehmer zusammenkommen, sich austauschen, vernetzen, voneinander lernen. Wo aber auch über die Wirtschaft hinaus Austausch und Diskussionen stattfinden, mit politischen Entscheidungsträgern und gesellschaftlich relevanten Gruppen.

Warum ist das wichtig?

Grimm: In einer immer stärker digitalisierten Welt, die zunehmend von der KI geprägt wird, brauchen wir erst recht einen Ort der wirklichen Begegnung, des Austauschs, der Meinungsbildung und als Hilfestellung. Die IHK ist prädestiniert für diese Rolle!

Welchen Stellenwert hat denn die angesprochene Digitalisierung?

Grimm: Die ist natürlich nach dem eben genannten Aspekt ein weiterer Schwerpunkt. Das gilt sowohl mit Blick auf die Mitgliedsunternehmen als auch IHK-intern. So müssen wir auf der einen Seite den Informations- und Beratungsbedarf unserer Mitglieder bedienen, auf der anderen Seite die eigene IT-Infrastruktur weiterentwickeln und die Kundenprozesse vollständig digitalisieren. Das gilt für unsere Dienstleistungen genauso wie für unsere hoheitlichen Aufgaben. Sicher ist auch: Die KI wird unsere Arbeit wesentlich verändern. Da haben wir noch eine ganz schöne Wegstrecke vor uns.

Und neben der digitalen gibt es noch die ökologische Transformation.

Grimm: Genau. Die ökologische Transformation bietet uns die große Chance, unsere Zukunft nachhaltig zu gestalten. Nur müssen wir das so tun, dass wir dabei nicht unsere Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Und dafür brauchen wir vernünftige politische Rahmenbedingungen. An denen arbeiten wir, beispielsweise mit unserer „Plan-B-Studie“ zur Energiewende. Die IHK-Organisation spielt in der Reformdiskussion auch an dieser Stelle eine gewichtige Rolle.
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