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Landtagswahl: Rote Karte für ein "Weiter so"
Die IHK-Organisation in Baden-Württemberg appelliert an die künftige Landesregierung, zügig entschlossen zu handeln. Vier zentrale Handlungsfelder stehen dabei im Fokus.
Bürokratie strukturell bekämpfen: Verwaltung braucht Mut zur Entscheidung
Unternehmen in Baden-Württemberg stehen unter wachsendem Druck durch immer komplexere Vorgaben. Verfahren ziehen sich, Standards variieren, und der Dokumentationsaufwand trifft vor allem kleine und mittlere Unternehmen. Rund 90 Prozent der Betriebe bewerten Bürokratie als Verschlechterung ihrer Wettbewerbsfähigkeit und fordern vor allem schnellere Planungs- und Genehmigungsprozesse sowie eine konsequent digitale Verwaltung. Initiativen wie der "Normenkontrollrat BW"und die Entlastungsallianz sind ein guter Anfang, doch der strukturelle Bürokratierückbau bleibt unvollendet – mit spürbaren Folgen für Tempo, Transparenz und Investitionen. Schlüssel dafür sind klare Fristen, einfache Verfahren und eine konsequent digitale, entscheidungsfreudige Verwaltung.
Baden-Württemberg als Industrieland erhalten: Starke Forschungsstrukturen ausbauen
Baden-Württemberg ist Industrieland: Das produzierende Gewerbe prägt die Wirtschaftsleistung, treibt Forschung und Entwicklung an und ist zentral für Ausbildung, Beschäftigung und Wohlstand. Gleichzeitig erschweren geopolitische Unsicherheiten, Fachkräftemangel, hohe Energiepreise, Transformationsdruck und zunehmende Regulierung vielen Betrieben die konsequente Umsetzung von Innovationen. Innovationszyklen verkürzen sich weltweit und Baden-Württemberg läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren, da der Weg von der Idee zum marktfähigen Produkt oft zu lange dauert. In einer IHK-Umfrage betreibt knapp ein Viertel der Unternehmen keine Forschung und Entwicklung (FuE) – häufigster Grund: Bürokratie im Innovationsprozess. Zugleich ist die Basis in Baden-Württemberg stark: eine FuE-Intensität (Anteil FuE am Bruttoinlandsprodukt) von 5,7 Prozent, exzellente Hochschulen und Forschungseinrichtungen und ein dichtes Netzwerk von Wirtschaft und Wissenschaft – Potenziale, die ausgebaut werden müssen.
Duale Ausbildung stärken: Attraktiv für ausländische Fachkräfte bleiben
Baden-Württemberg spürt den demografischen Druck: Das Arbeitskräftepotenzial sinkt, und selbst Produktivitätsgewinne durch Digitalisierung oder KI können die Lücke nur teilweise schließen. Deshalb wird Bildung zur strategischen Ressource. Parallel verschärft sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt: 2024 konnte etwa die Hälfte der IHK-Betriebe ihre Plätze nicht besetzen – obwohl die duale Ausbildung das Rückgrat betrieblicher Qualifizierung bleibt. Zugleich nimmt die Zahl internationaler Studierender, besonders im MINT-Bereich, ab. Hochschulen bleiben jedoch zentral für Qualifizierung und Transfer, während qualifizierte Zuwanderung an Bedeutung gewinnt..
Infrastruktur modernisieren und erweitern: Vertrauen in die Energiewende zurückgewinnen
Eine moderne, belastbare Infrastruktur ist das Rückgrat des Standorts – doch vielerorts zeigen sich Engpässe: Straßen, Brücken und Bahnknoten sind sanierungsbedürftig, Kapazitäten stoßen an Grenzen, grenzüberschreitende Schienenverbindungen bleiben lückenhaft; zentrale Projekte kommen nur schleppend voran. Zugleich fehlt es an verfügbaren Gewerbe- und Industrieflächen, Planungsprozesse dauern lange und Zielkonflikte bremsen Entwicklung – mit spürbaren Folgen für Lieferketten und Investitionen. Auch die Energieversorgung steht unter Druck: Laut IHK-Energiewendebarometer sehen Unternehmen aktuell mehr Risiken als Chancen für ihre Wettbewerbsfähigkeit. Gründe sind vor allem hohe Energiepreise, mangelnde Planbarkeit, langwierige Genehmigungen und zu viel Bürokratie. Gefragt sind jetzt verlässliche Entscheidungen für Versorgungssicherheit, Tempo und wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.
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