IHK-Konjunkturumfrage
Lage noch stabil, aber Aussichten "so schlecht wie seit vier Jahren nicht"
Mannheim, 19. Mai 2026. “Die wirtschaftliche Erholung, die sich zu Jahresbeginn abgezeichnet hatte, erfährt durch den Iran-Krieg einen Rückschlag. Der Konflikt drückt merklich die Stimmung. Die Unternehmen bewerten ihre Geschäftsaussichten so schlecht wie seit vier Jahren nicht mehr. Die Lage zeigt sich indes noch recht stabil, allerdings sind auch hier erste Folgen des Konflikts in Nahost zu spüren wie höhere Energiepreise, sprunghaft angestiegene Zinssätze und eine schwache globale Nachfrage”, fasst Dr. Axel Nitschke, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar, zentrale Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage zusammen. An ihr haben sich vom 13. bis zum 30. April 2026 329 Unternehmen aus allen Wirtschaftszweigen beteiligt.
Der IHK-Konjunkturklimaindex, Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung, fällt von 104 im Januar auf 96 Punkte im Frühsommer. Erst Werte oberhalb der wichtigen 100-Punkte-Marke zeigen tendenziell Wachstum an. “Das ist ein schmerzlicher Rückschlag. Spürbare Rückgänge verzeichnen die Industrie und vor allem der Handel”, sagt Nitschke. So weisen die Geschäftsaussichten im Einzelhandel mit einem Saldowert von minus 43 Punkten den zweitschlechtesten Wert der vergangenen fünf Jahre auf. Hier schlage die schlechte Konsumstimmung voll durch, die sich in Kaufzurückhaltung ausdrückt. “So kann sich keine Wachstumsdynamik entfalten”, sagt der Hauptgeschäftsführer.
Der IHK-Konjunkturklimaindex, Gradmesser für die wirtschaftliche Entwicklung, fällt von 104 im Januar auf 96 Punkte im Frühsommer. Erst Werte oberhalb der wichtigen 100-Punkte-Marke zeigen tendenziell Wachstum an. “Das ist ein schmerzlicher Rückschlag. Spürbare Rückgänge verzeichnen die Industrie und vor allem der Handel”, sagt Nitschke. So weisen die Geschäftsaussichten im Einzelhandel mit einem Saldowert von minus 43 Punkten den zweitschlechtesten Wert der vergangenen fünf Jahre auf. Hier schlage die schlechte Konsumstimmung voll durch, die sich in Kaufzurückhaltung ausdrückt. “So kann sich keine Wachstumsdynamik entfalten”, sagt der Hauptgeschäftsführer.
Der Iran-Krieg wirke sich auf die Geschäftsaussichten deutlich stärker aus als auf die aktuelle Lageeinschätzung. “Vielfach werden Sorgen geäußert vor Lieferkettenstörungen, einem längerfristigen Ausfall der Golfregion als weltwirtschaftlichem Motor und einer wieder deutlich anziehenden Inflation und in Folge auch höheren Arbeitskosten”, sagt Nitschke. Eine gewisse konjunkturwirksame Gegenbewegung geht derzeit in einer Reihe an Unternehmen von einem Lageraufbau aus, der mit dem Ziel getätigt wird, eventuell aufkommende Lieferschwierigkeiten überbrücken zu können.
Der IHK-Hauptgeschäftsführer weist darauf hin, dass die Unternehmen immer noch auf die angekündigte Reformpolitik der Bundesregierung warteten, um die strukturellen Probleme des Wirtschaftsstandorts Deutschland anzugehen. “Die Zweifel wachsen, dass es zu den erforderlichen politischen Lösungen im Gesundheitswesen, der gesetzlichen Rentenversicherung und der Steuerpolitik kommt.” Konjunkturstützend wirkten sich die verstärkten staatlichen Ausgaben aus, beispielsweise im Verteidigungsbereich. “Die Finanzierung dieser Ausgaben über Schulden treibt allerdings auf den Kapitalmärkten die Zinssätze. Die Konsequenz zeigt sich in unserer Umfrage in gekürzten Investitionsplänen der Industrie”, warnt Nitschke.
Im Durchschnitt aller Branchen melden aktuell immer noch 10 Prozent der Unternehmen per saldo eine gute Geschäftslage, was im Vergleich zum Januar einen Rückgang von drei Prozentpunkten bedeutet. Hinter diesem Saldo stehen 29 Prozent der Unternehmen, die ihre Lage als gut bewerten, andererseits 19 Prozent der Unternehmen, die ihre Lage als schlecht bewerten. Die Dienstleister bezeichnen ihre Geschäftslage im Saldo am positivsten (+ 22 Punkte), gefolgt von der Industrie (+ 1). Im Handel überwiegen die negativen Lageeinschätzungen hingegen deutlich (-12).
Die Geschäftsaussichten trüben sich aufgrund der zunehmenden Unsicherheiten weiter ein. Der Saldowert liegt aktuell mit 17 Punkten im negativen Bereich, im Januar lag der Wert bei minus vier Punkten. Hinter diesem Saldowert stehen 13 Prozent der Unternehmen, die von einer Verbesserung und 30 Prozent, die von einer Verschlechterung ausgehen. Derzeit ist der Erwartungssaldo in keinem Wirtschaftsbereich mehr positiv. Dies war zuletzt bei den Dienstleistern der Fall (+ 2 Punkte im Januar). Aktuell liegt dieser Wert bei -15 Punkten, bei den Industriebetrieben bei -11 Punkten und im Handel bei -27 Punkten.
Mit 59 Prozent nimmt die schwache Inlandsnachfrage weiterhin den ersten Platz bei den am häufigsten genannten Geschäftsrisiken ein (Mehrfachnennungen möglich). Sie teilt sich den ersten Platz aktuell jedoch mit den hohen Energiepreisen, die ebenfalls von 59 Prozent der Unternehmen als bedrohlich angesehen werden. Hier zeigt sich aufgrund der Krise im Persischen Golf ein deutlicher Anstieg um 20 Prozentpunkte seit Jahresbeginn. Die hohen Arbeitskosten stellen für 53 Prozent der Unternehmen ein Risiko dar. Hier zeigt sich gegenüber der Vorumfrage keine Veränderung. Ein deutlicher Anstieg zeigt sich hingegen bei den geopolitischen Spannungen (43 %) und bei den hohen Rohstoffpreisen (39 %). “Wir sehen bei allen Risikofaktoren einen Anstieg im Vergleich zur Vorumfrage, außer beim Thema Fachkräftemangel”, so Nitschke. Lag dieser Faktor im Januar noch mit 41 Prozent auf Platz drei der am meisten genannten Geschäftsrisiken, so bezeichnen aktuell nur noch 35 Prozent der Unternehmen den Mangel an Fach- und Arbeitskräften als Geschäftsrisiko (Platz 6). “Das ist der niedrigste Wert seit dem Corona-Jahr 2020 und zeigt, wie sehr sich der Arbeitsmarkt gedreht hat”, sagt Nitschke.
Mit Blick auf die Exportabsichten hielten sich zunehmende und rückläufige Ausfuhrpläne zu Jahresbeginn noch die Waage. Im Frühsommer gehen per saldo neun Prozent der Industriebetriebe von rückläufigen Exporten in den kommenden zwölf Monaten aus. Vor allem die US‑Zollpolitik und die daraus resultierende hohe Unsicherheit belastet das Exportgeschäft vieler Industriebetriebe. Die Ausfuhrpläne auf den nordamerikanischen Markt sind daher im Frühsommer weiterhin rückläufig, der Saldo liegt aktuell bei -8 Punkten. Ähnlich sieht es bei den Ausfuhrplänen auf die Märkte innerhalb der Eurozone und den weiteren EU-Ländern aus. Mit einem Wert von aktuell jeweils -7 Punkten befinden sich die Saldowerte hier weiterhin im negativen Bereich. Auch auf dem asiatischen Markt zeigt sich ein leichter Rückgang. Zu- und abnehmende Ausfuhrpläne hielten sich zu Jahresbeginn noch die Waage, aktuell liegt der Saldo bei -4 Punkten. Ein positiver Exportsaldo zeigt sich mit Blick auf Südamerika und das Vereinigte Königreich. Beide Märkte wiesen schon zu Jahresbeginn eine positive Entwicklung auf. “Der Abschluss des EU-Freihandelsabkommens mit Mercosur spielt mit Blick auf Südamerika bereits eine positive Rolle”, sagt der IHK-Hauptgeschäftsführer.
Die Investitionsabsichten der Unternehmen gehen zwar zurück, jedoch in einem moderaten Ausmaß. Der Investitionssaldo liegt aktuell per saldo mit einem Punkt im negativen Bereich, was einem Rückgang von zwei Prozentpunkten seit Januar entspricht. Mit Blick in die einzelnen Sektoren zeigt sich, dass der Investitionssaldo aktuell nur noch bei den Dienstleistern positiv ist. Hier geht der Wert nur um einen Prozentpunkt zurück, von +6 auf +5 Punkte. In der Industrie zeigte sich zu Jahresbeginn noch ein Aufwärtstrend bei den Investitionsplanungen. Dieser Trend wird im Frühsommer jäh gestoppt: Der Wert sinkt von +3 Punkten im Januar auf -12 Punkte. Eine gegenläufige Tendenz zeigt sich bei den Bauunternehmen ab (aufgrund geringer Fallzahl nicht als eigene Branche aufgeführt). Bei den Händlern zeigt sich ein weiterer Investitionsrückgang. Der Wert liegt aktuell bei -23 Punkten, im Vergleich zu -18 Punkten im Januar. Wenn investiert wird, dann bleibt der Ersatzbedarf mit 64 Prozent das vorherrschende Investitionsmotiv (Mehrfachnennungen möglich). Knapp die Hälfte der Betriebe plant Investitionen in Digitalisierungsprozesse und drei von zehn investierenden Unternehmen möchten ihre Innovationsprojekte ankurbeln. Mit 20 Prozent liegen Umweltschutz- und Energieeffizienzmaßnahmen auf Platz 4 der meistgenannten Investitionsmotive. Genauso viele Unternehmen planen zu expandieren und ihre Kapazitäten zu erweitern.
Die Beschäftigungspläne der Unternehmen im IHK-Bezirk sind weiterhin tendenziell rückläufig. So liegt der Beschäftigungssaldo aktuell bei -7 Punkten (im Januar lag der Wert bei -4). Dabei sind die Beschäftigungspläne in der Industrie ähnlich zurückhaltend wie zu Jahresbeginn. Der Saldowert liegt hier aktuell bei -15 Punkten, im Januar waren es -17 Punkte. Auch der Handel geht von geringeren Beschäftigtenzahlen aus. Jeder fünfte Händler geht per saldo von weniger Beschäftigten in den nächsten zwölf Monaten aus. Im Dienstleistungsgewerbe waren die Beschäftigungspläne im Januar noch leicht im positiven Bereich. Aktuell sinkt der Wert um vier Prozentpunkte und liegt aktuell bei auf -3 Punkten. “Insgesamt ist wohl eher von einer tendenziell rückläufigen Beschäftigtenzahl in der Region auszugehen”, so Nitschke.
Blick in die Sektoren:
Mit Blick in die einzelnen Wirtschaftssektoren fällt auf, dass sich der zuletzt wahrgenommene Aufwärtstrend im verarbeitenden Gewerbe nicht weiter fortsetzt. Lag der Saldo zuletzt mit sechs Punkten im positiven Bereich, so sinkt der Lageindikator in der Industrie aktuell um fünf Prozentpunkte auf +1 Punkt. Im Frühsommer 2025 lag der Wert ebenfalls um fünf Punkte höher als aktuell. Die Geschäftserwartungen in der Industrie sind unter dem Strich weiterhin negativ. Auch hier zeigt sich eine Abwärtsbewegung. So rechneten im Januar per saldo drei Prozent der Unternehmen mit schlechteren Geschäften, aktuell sind es elf Prozent.
Im Handel geht der Lagesaldo im Vergleich zum Januar mit einem Prozentpunkt nur geringfügig zurück. Aktuell schätzen per saldo 12 Prozent der Händler ihre Lage als schlecht ein. Dass sich der Konjunkturklimaindex im Handel so deutlich unter der 100-Punkte-Marke befindet, liegt an den negativen Geschäftsaussichten. So fällt der Erwartungssaldo im Handel insgesamt von -25 auf -37 Punkte, im Einzelhandel sogar auf -43 Punkte. Betrachtet man nur den Großhandel, dann zeigt sich bei der Lage ein leichter Aufwärtstrend (von -13 auf -5 Punkte). Bei den Erwartungen geht es jedoch auch im Großhandel deutlich bergab. Der Saldo sinkt von -14 auf -27 Punkte.
Selbst wenn die Stimmung bei den Dienstleistern nachlässt, so liegt der Wirtschaftsbereich im Sektorenvergleich weiterhin deutlich vorn. Nur hier befindet sich der Konjunkturklimaindex mit 102 Punkten oberhalb der 100-Punkte-Marke. Dabei schätzen die Unternehmen ihre Lage ähnlich gut ein wie im Januar. Der Saldo liegt aktuell bei +22 Punkten, im Januar waren es +23. Dass der Indexwert um zehn Punkte sinkt, liegt vor allem an den Erwartungen, die seit Jahresbeginn spürbar nachlassen. Lag der Erwartungssaldo im Januar mit zwei Punkten im positiven Bereich, so fällt er aktuell um 17 Prozentpunkte auf -15 Punkte. Von den unternehmensnahen Dienstleistern und dem Finanzgewerbe kommen weiterhin insgesamt die besten Rückmeldungen des Dienstleistungssektors.
