Pressemeldung
Zwischen Standortstrategie und Krisenszenarien
Wie bleibt der Landkreis Schwandorf als Wirtschaftsstandort zukunftsfähig, und wie resilient ist die regionale Wirtschaft in Krisenzeiten? Diese Kernfragen prägten die jüngste Sitzung des IHK-Gremiums Schwandorf unter der Leitung von Gremiumsvorsitzenden Hubert Döpfer in der Schwarzachtalhalle in Neunburg vorm Wald. Die regionalen Unternehmerinnen und Unternehmer verabschiedeten einstimmig ein neues Wirtschaftsleitbild und diskutierten intensiv über drängende Sicherheitsaspekte, die den Mittelstand branchenübergreifend fordern.
Standortumfrage zeigt Stärken – und Handlungsbedarf
Sibylle Aumer, Bereichsleiterin Regionalpolitik, Arbeitsmarkt und Statistik der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim, präsentierte die Einschätzungen der Unternehmen zur Standortqualität. Insgesamt bewerten die Betriebe den Landkreis Schwandorf als soliden Wirtschaftsstandort. Besonders positiv hervorgehoben werden die Motivation und Loyalität der Beschäftigten, die zuverlässige Energieversorgung sowie die gute Straßenanbindung der Region. Gleichzeitig zeigt die Umfrage auch klare Herausforderungen auf. Unternehmen sehen vor allem beim Fachkräfteangebot, bei den Energiepreisen, bei digitalen Verwaltungsverfahren sowie beim öffentlichen Nah- und Schienenverkehr Verbesserungsbedarf. Auch fehlende Gewerbeflächen und lange Genehmigungsverfahren werden von vielen Betrieben kritisch bewertet.
Wirtschaftsleitbild als Kompass für die Region
Vor diesem Hintergrund verabschiedete das IHK-Gremium Schwandorf einstimmig ein neues Wirtschaftsleitbild. Es bündelt die zentralen Anliegen der regionalen Wirtschaft und zeigt konkrete Handlungsfelder auf, um die Standortbedingungen im Landkreis weiter zu verbessern. Das Leitbild versteht sich als praxisorientierter Orientierungsrahmen für die wirtschaftspolitische Arbeit in der Region. Es richtet sich ausdrücklich auch an die kommunalen Entscheidungsträger und soll dazu beitragen, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, die die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts langfristig sichern und den Unternehmen verlässliche Entwicklungsperspektiven bieten. „Die Standortumfrage zeigt sehr deutlich, wo wir im Landkreis Schwandorf gut aufgestellt sind – und wo wir gemeinsam nachsteuern müssen“, betont Döpfer. „Unser Wirtschaftsleitbild bündelt diese Erkenntnisse und dient als Kompass für die zukünftige Arbeit des Gremiums sowie für die wirtschaftspolitische Interessenvertretung in der Region.“
Hier finden Sie das Wirtschaftsleitbild für den Landkreis Schwandorf.
Zivilschutz und Unternehmenssicherheit rücken stärker in den Fokus
Einen deutlichen und ernsten Kontrast zum wirtschaftlichen Planungsalltag bildete der zweite Schwerpunkt der Sitzung. Experten des zivilen Katastrophenschutzes Schwandorf und des Kreisverbindungskommandos der Bundeswehr gaben einen Einblick in die aktuelle Sicherheitslage. Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen, Sabotageakte und einer sprunghaft ansteigenden Zahl von Cyberangriffen rückt das Thema Resilienz unweigerlich in den Mittelpunkt des unternehmerischen Handelns. Die Experten machten deutlich, dass sich Deutschland auf hybride Bedrohungen und Krisenszenarien wie großflächige Stromausfälle einstellen müsse.
„Wir sind nicht mehr in der bequemen Zeit des Friedens“, lautete der eindringliche Appell von Andreas Böhm, dem stellvertretendem Leiter des Kreisverbindungskommandos Schwandorf. Es sei zwingend erforderlich, dass bei allen Akteuren ein Umdenken stattfinde und man sich gemeinsam auf Ernstfälle vorbereite. Auch im Falle einer militärischen Bündnisverteidigung, in der Deutschland vor allem als logistische Drehscheibe dienen würde, sei der Staat auf eine funktionierende zivile Infrastruktur angewiesen. Johann Saller vom Landeskommando Bayern der Bundeswehr brachte es auf den Punkt: „Ohne dass die Wirtschaft weiter funktioniert, geht gar nichts“. Die IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim unterstützt ihre Mitgliedsunternehmen aktiv dabei, eigene Notfallkonzepte zu erarbeiten, sich gegen Cyberbedrohungen abzusichern und Lieferketten krisenfest aufzustellen.
(v.l.): Johann Saller, Sibylle Aumer, Josef Ebnet, Hubert Döpfer, Gerhard Domaier, Andreas Böhm, Christina Hintermeier sowieThomas Genosko