Wirtschaft konkret
Nr. 7091620
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Hopsteiner-Mitarbeitende bei der Qualitätskontrolle des Hopfens
Unternehmensportrait - Ausgabe Juli 2026

Simon H. Steiner, Hopfen, GmbH: Grünes Gold - vom Feld in die Welt

Mitten in der Hallertau, dem größten zusammenhängenden Hopfenanbaugebiet der Welt, sitzt ein Unternehmen mit Wurzeln im Jahr 1845 – und einem Hauptsitz in New York. Hopsteiner verarbeitet Hopfen von Familienbetrieben für Brauereien weltweit. Gleichzeitig forscht die Firma an klimaresistenteren Sorten, entwickelt Hopfenextrakte für Beruhigungsmittel und ein Öl, das nach Zitrone schmeckt.
Im September wird es eng in der Auhofstraße in Mainburg und im großen Rohhopfenkühllager in Elsendorf. Motoren knattern, Traktoren stauen sich am Werktor, Mitarbeitende laden Hopfenballen von den Anhängern. Es ist Erntezeit. Was bei Hopsteiner ankommt, ist der Rohstoff einer ganzen Region. Wochen zuvor haben Hopfenpflanzer in der Hallertau die Reben von den bis zu sieben Meter hohen Gerüsten geschnitten, die Dolden geerntet, getrocknet und zu Ballen gepresst. Jetzt beginnt der nächste Schritt.
Ein Teil der Hopfenballen wird am Standort Mainburg des Unternehmens eingelagert. „Der erste Ballen kommt frisch nach der Ernte ins Lager, der letzte verlässt es zehn Monate später“, sagt Geschäftsführer Pascal Piroué. Dazwischen wird der Hopfen gekühlt, zu über 40 verschiedenen Produkten verarbeitet und an Brauereien in aller Welt geliefert. Hopsteiner begleitet dabei nahezu die gesamte Wertschöpfungskette: „Wir machen alles, nur nicht den Anbau und das Bier.“

Forschen für die Zukunft

Was das bedeutet, zeigt sich direkt gegenüber von Piroués Büro. Dort stehen eine eigene Konzeptbrauerei und eine Vermehrung, in der aus Stecklingen mehr als 120.000 neue Hopfenpflanzen pro Jahr für alle europäischen Anbaugebiete herangezogen werden. Hopfen ist eine anspruchsvolle Pflanze: Sie braucht regelmäßig Wasser und reagiert empfindlich auf Hitze und Trockenheit. Mit dem Klimawandel werden die Sommer in der Hallertau länger und trockener. „Die klimatischen Bedingungen verändern sich. Der Klimawandel macht auch vor dem Hopfen nicht Halt“, erklärt Piroué. „Deshalb züchten wir Sorten, die mit Hitze und Trockenheit besser zurechtkommen.“ Seit Jahrzehnten entwickelt Hopsteiner neue Sorten, zunächst in den USA, seit über zehn Jahren auch in Mainburg. In der Konzeptbrauerei werden sie unter realen Bedingungen eingebraut. „Da können wir im Prinzip einen Brauprozess, wie er im Großmaßstab stattfindet, direkt bei uns simulieren“, erklärt Piroué. Erst wenn Aroma und Verarbeitung stimmen, wird aus der Forschung ein Produkt.
Angebaut werden die neuen Sorten von Hopfenpflanzern in der Hallertau. Viele der Familienbetriebe arbeiten seit Jahren mit Hopsteiner zusammen und erhalten Zugriff auf die firmeneigenen Züchtungen. Der Hopfen wird meist im Rahmen langfristiger Verträge angebaut und nach der Ernte direkt nach Mainburg geliefert. Von dort aus gehen die Produkte in rund 160 Länder. Dass der Hauptsitz des Unternehmens dabei nicht in Bayern liegt, sondern in New York, ist kein Zufall. Es ist Geschichte.

Von Laupheim in den globalen Handel

1845 gründet Simon Heinrich Steiner in Laupheim bei Ulm einen kleinen Hopfenhandel. Ein Neffe der Familie geht später in die USA und baut das Geschäft weiter aus. Über anderthalb Jahrhunderte Firmengeschichte hinweg entwickelt sich eine internationale Gruppe mit Standorten in Europa, Nordamerika und Asien. Der Konzernsitz bleibt in New York, das operative Zentrum in Mainburg. „Die internationale Struktur ist historisch gewachsen und hat sich bewährt. Die Basis jedoch ist bis heute regional“, betont Piroué. Hopfen wird in Deutschland überwiegend von Familienbetrieben angebaut. Viele bewirtschaften Flächen zwischen 25 und 45 Hektar, also in einer Größenordnung zwischen 35 und 60 Fußballfeldern. Hopsteiner kauft von einem Großteil dieser Betriebe und verarbeitet deren Ernte für einen globalen Markt.

Alles, außer Anbau und Bier

Nach der Ernte werden die Dolden im Werk Au in der Hallertau zu Pellets gepresst, die Brauereien direkt in den Sudkessel geben. „Rund 96 bis 98 Prozent aller Hopfenprodukte gehen in die Brauwirtschaft“, sagt Piroué. „Doch der Markt verändert sich. Die jüngere Generation ist heute sehr alkoholabstinent. Das merkt man rund um den Globus.“ Der Bierkonsum sinkt in vielen Märkten.
Ich bin überzeugt, dass wir gegen den Trend wachsen werden.
Eine Entwicklung, die den Hopfenmarkt unmittelbar trifft. Hopsteiner reagiert darauf mit neuen Produkten: Der Rohstoff bleibt derselbe, seine Einsatzmöglichkeiten werden breiter gedacht. „Die meisten Menschen wissen gar nicht, was Hopfen alles kann“, sagt Piroué. „Bestimmte Hopfeninhaltsstoffe finden sich in Schlaf- und Beruhigungsmitteln, andere wirken antimikrobiell und eignen sich als natürliche Konservierungsstoffe in Lebensmitteln.“
Gleichzeitig entstehen bei Hopsteiner neue Produkte für die Getränkeindustrie. Ein Beispiel ist ein Hopfenöl, das nicht bitter schmeckt, sondern nach Limette und Zitrone. Es lässt sich in alkoholfreien Getränken oder Mischgetränken einsetzen. „Das wird auch andere Anwendungen außerhalb der Brauindustrie eröffnen“, zeigt sich Piroué sicher. Für die kommenden Jahre stellt er trotz des rückläufigen Bierkonsums deshalb eine positive Prognose auf: „Ich bin überzeugt, dass wir gegen den Trend wachsen werden.“ Geschäftsführer Pascal Piroué begutachtet das „grüne Gold“ der Hallertau. „Ich bin überzeugt, dass wir gegen den Trend wachsen werden.“

Zwischen Dolden, Wissenschaft und Technik

Damit das gelingt, braucht es weit mehr als Ernte und Verarbeitung. „Wenn im September die ersten Traktoren in der Auhofstraße ankommen, beginnt in Mainburg ein Prozess, der über das ganze Jahr viele Hände braucht“, so Piroué. Am Standort in Mainburg arbeiten derzeit rund 65 Mitarbeitende in Bereichen wie Verwaltung, Einkauf, globaler Vertrieb, Logistik, Anlagensteuerung, Labor oder Forschung. Ausgebildet wird unter anderem zu Chemielaboranten, Fachkräften für Lebensmitteltechnik oder Kaufleuten für Außenhandel. Mitarbeitenden bietet die Firma Weiterbildungen, moderne Arbeitsplätze, langfristige Perspektiven und je nach Bereich auch flexible Arbeitsmodelle. „Wir setzen auf ein starkes Miteinander und flache Hierarchien“, sagt Piroué. Für ihn liegt genau darin die Stärke des Unternehmens: „Die Kolleginnen und Kollegen sind für mich der beste Grund, jeden Tag zur Arbeit zu kommen. Es ist immer wieder toll, auch junge Menschen ins Unternehmen zu integrieren und ihnen zum Erfolg zu verhelfen.“ Was ihn antreibt, bringt er auf den Punkt: „Das Räderwerk aufrechterhalten, in dem alles gut funktioniert.“
Dieses Räderwerk reicht weit über Mainburg hinaus. Landwirtschaft, Forschung, Produktion, internationaler Vertrieb – jedes Jahr beginnt dieser Kreislauf von Neuem, wenn draußen in der Hallertau die ersten Hopfenreben geerntet werden und am Werktor wieder Traktoren anrollen. Was dort als Rohstoff aus der Region ankommt, geht von Mainburg aus in die ganze Welt.