Wirtschaft konkret
Nr. 7036482
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Kind mit Schwimmflügeln im Wasser
Unternehmensportrait - Ausgabe Mai 2026

Pro Swim GmbH: Wo sicheres Schwimmen beginnt

Fast jeder kennt sie: die knallorangen Schwimmflügel von Flipper SwimSafe. Doch kaum jemand weiß, dass hinter der Marke ein Familienunternehmen aus der Oberpfalz steckt. Seit 25 Jahren entwickelt die Pro Swim GmbH aus Neumarkt Schwimmlernprodukte, vom ersten Planschen im Babybecken bis zum sicheren Schwimmzug.
Karin Bräunlich erinnert sich noch lebhaft an das Gründungsjahr 2001 zurück: „Damals war ich selbst auf der Suche nach passenden Schwimmflügeln für meine Tochter und fand kein überzeugendes Produkt auf dem Markt.“ Kurzerhand beschloss sie, selbst aktiv zu werden und sichere und qualitativ hochwertige Schwimmhilfen zu entwickeln. Alexander Gallitz, ein Bekannter der Familie und Inhaber einer Schwimmschule, stand ihr mit Rat und Tat zur Seite. „Alexander wusste genau, was gute Schwimmflügel ausmacht“, erzählt Bräunlich. Gemeinsam tüftelten sie an den ersten Mustern, testeten Materialien und Passformen, bis schließlich die Produktion startete. Als die ersten Bestellungen eintrafen, belieferte sie die Einzelhändler teilweise noch persönlich.

Wachstum mit klarer Mission

Aus dem Ein-Frau-Betrieb ist inzwischen ein etabliertes Unternehmen geworden. Mehr als 100.000 Produkte verkauft Pro Swim heute jährlich – in ganz Europa und darüber hinaus. Auch das Sortiment wurde kontinuierlich erweitert: Neben klassischen Schwimmflügeln umfasst es Schwimmkissen, Schwimmsitze sowie Zubehör wie Flossen oder Aquasocken.
Trotz des Wachstums ist die Mission unverändert geblieben. „Unsere Produkte begleiten Kinder beim Schwimmenlernen – von Säuglingen ab drei Monaten bis ins Schulalter“, betont Bräunlich. Sicherheit stehe dabei an erster Stelle. Alle Produkte sind TÜV-zertifiziert, Entwicklungsprozesse dauern entsprechend lange. Mehr als zwei Jahre habe das Team beispielsweise an der Entwicklung des Schwimmsitzes getüftelt – ein Produkt, das bereits die Kleinsten im Wasser unterstützt.
Auch bestehende Produkte entwickelt Pro Swim regelmäßig weiter. „Wir lassen sie kontinuierlich prüfen, optimieren und neu zertifizieren. Manche Produkte sehen heute komplett anders aus als beim Marktstart“, erzählt Bräunlich. Zudem werden die Produktionsstätten und Lieferanten jährlich kontrolliert. Bräunlich ergänzt: „Bei der verwendeten PVC-Folie stellen wir beispielsweise jedes Jahr sicher, dass sie ohne jegliche gesundheitsgefährdenden Weichmacher hergestellt wird.“ Dieser hohe Anspruch an Qualität zahlt sich aus: 2024 zeichnete die Stiftung Warentest die Produkte des Unternehmens mit der Note 1,7 aus.

Generationenwechsel im Familienbetrieb

Pro Swim ist heute ein echtes Familienunternehmen: Neben ihrem Mann Burkhard Bräunlich, Alexander Gallitz und zwei Mitarbeitenden im Kundenservice ist auch Tochter Franziska Renner seit einem Jahr Teil des Teams. Perspektivisch soll sie einmal die Geschäftsführung übernehmen. Mit dem Unternehmen ist sie von klein auf vertraut: „Schon als Kind habe ich die Produkte getestet, die meine Mutter entwickelt hat. Auch im Schwimmbecken war ich immer bestens ausgestattet“, erinnert sich Renner. Dass sie einmal ins Familiengeschäft einsteigen würde, war jedoch lange offen. Nach einem BWL-Studium sammelte sie zunächst Erfahrungen im Messe- und Eventbereich, arbeitete für Konzerne und mittelständische Firmen. „Erst vor ein paar Jahren kam die Idee auf, in die Fußstapfen meiner Eltern zu treten.“
Nun arbeite sie sich Schritt für Schritt in alle Bereiche ein – vom Lager bis zum Marketingkonzept. Strategische Fragen bespricht sie vor allem mit ihrem Vater, oftmals bei einem gemeinsamen Mittagessen. Natürlich unterscheide sich diese Art der Zusammenarbeit sehr von ihren bisherigen Arbeitgebern. „Bei uns sind die Wege deutlich kürzer, doch genau diese Nähe und das familiäre Miteinander zeichnet unser Unternehmen aus“, betont Renner. Auch die Flexibilität begeistert sie am neuen Arbeitsalltag im Familienbetrieb. Die Arbeitszeiten seien meist frei einteilbar.

Digitalisierung als Chance

Mit dem Generationenwechsel rücken neue Themen stärker in den Fokus. „Die fortschreitende Digitalisierung war in den vergangenen Jahren eine der größten Herausforderungen für uns“, erzählt Bräunlich. Zwar verfügte das Unternehmen von Anfang an über einen eigenen Online- Shop, der Vertrieb lief jedoch lange überwiegend über den Einzelhandel. Das habe sich geändert. Inzwischen gewinnt der Direktvertrieb bei Schwimmlernprodukten spürbar an Bedeutung. Seit ihrem Einstieg ins Familienunternehmen kümmert sich Franziska Renner deshalb verstärkt um die Weiterentwicklung des Online-Geschäfts sowie die Marketing- und Social-Media-Kanäle von Pro Swim: „Wir möchten die Markenbekanntheit von Flipper SwimSafe weiter steigern. Bei einem erklärungsbedürftigen Nischenprodukt wie unserem ist das allerdings kein Selbstläufer.“
Zumal sich die Schwimmlernprodukte im höherpreisigen Segment bewegen. Umso wichtiger sei es, Vertrauen aufzubauen. Dafür hat Renner eine Strategie entwickelt: „Eltern sind heute sehr sicherheitsorientiert. Deshalb erklären wir auf unserem Instagram-Kanal transparent, was unsere Produkte auszeichnet und welche Qualitätsstandards dahinterstehen.“ Doch auch wenn die Marke bekannter werden soll, wolle Pro Swim nicht auf jeden kurzlebigen Trend aufspringen. Oftmals käme bei der Kundschaft der Wunsch nach neuen Farben auf – beispielsweise hellblau oder beige. „Für uns aber steht die Sicherheit im Vordergrund, die Ästhetik ist zweitrangig. Und die Signalfarbe Orange fällt im Wasser sofort auf“, betont Renner.

Ideen für die Zukunft

Für die kommenden Jahre hat sich das Familienunternehmen viel vorgenommen. Das Thema Nachhaltigkeit solle beispielsweise stärker in den Fokus rücken, vor allem auf ökonomischer und sozialer Ebene. Ein paar Ideen liegen bereits vor. Zudem möchte das Team von Pro Swim den internationalen Vertrieb weiter ausbauen. „Wir verkaufen bereits europaweit sowie vereinzelt in die Emirate oder die USA. Doch wir möchten weiter expandieren“, betont Renner. Dem Standort Oberpfalz wolle die Familie dennoch treu bleiben. „Hier sind wir zu Hause, hier haben wir ein Netzwerk“, fügt Bräunlich hinzu. Am Standort in Neumarkt sollen auch in Zukunft Produkte entstehen, die Kindern aus aller Welt das Schwimmen lernen erleichtern.