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Das persönlichste Geschäft der Welt
Ist eine Galerie ein Wirtschaftsunternehmen wie jedes andere auch? Oder doch eher ein elitärer Ort für Künstler und Mäzene? Worauf kommt es an, wenn Kunstwerke erfolgreich vermarktet werden sollen? Christopher Lüttgens führt seit 2023 gemeinsam mit seinem Vater Karl-Friedrich Krause die Regensburger Galerie Art Affair und kennt Antworten auf diese Fragen. Den anerkanntenTreffpunkt für Kunstinteressierte gibt es bereits seit 2005. Im Januar 2026 eröffnete das Unternehmergespann eine weitere Galerie in München.
Innenraum der Galerie Art Affair.
Einstieg in den Kunsthandel
Doch 2021 rief der Vater an. Lüttgens kam zurück nach Regensburg, wo er auch studiert und dabei bereits viel Zeit in dem gotischen Kreuzgewölbe, das die Galerieräume überspannt, zugebracht hatte. Nun hieß es, das Unternehmen, das der Vater aus Leidenschaft betrieb, stärker wirtschaftlich auszurichten und zu führen. Die Verjüngung des Programms und der Einstieg in den Kunsthandel waren die entscheidenden strategischen Weichen, die Lüttgens in dieser Zeit stellte. „Außerdem hat es uns sehr geholfen, dass damals Markus Lüpertz zu uns kam“, erinnert sich Lüttgens. Denn mit einem solch bekannten Künstler sei es möglich, auch in Regensburg eine Galerie wirtschaftlich sinnvoll zu betreiben.
Es geht darum, ein dichtes Einkaufsnetzwerk zu knüpfen, um Kunst zu guten Preisen zu bekommen.Christopher Lüttgens
Hauptsächlich wird das Geld aber im Kunsthandel verdient und nicht mit dem Ausstellungsgeschäft, bei dem immer nur Provision fließt, wenn ein Bild oder Werk verkauft wird. Doch auch der Handel befinde sich gegenwärtig in einer Krise – eine oft geäußerte Einschätzung, die Lüttgens für sein Unternehmen so nicht teilt. „In Regensburg gibt es wahnsinnig viele Einkommensmillionäre, das ist sehr hilfreich“, erklärt Lüttgens. „Wenn man hier mit großen Namen arbeitet, dann ist man erfolgreich.“
Dichtes Einkaufsnetzwerk knüpfen
Andy Warhol gibt es bei Lüttgens zu kaufen, ebenso wie Mel Ramos oder Roy Lichtenstein. Wie kommt man an solche Bilder? Ein großer Teil des Geschäfts sei es, Messen zu besuchen und so viele Menschen wie möglich kennenzulernen. „Es geht darum, ein dichtes Einkaufsnetzwerk zu knüpfen, um Kunst zu guten Preisen zu bekommen“, erklärt der Fachmann. In Deutschland gebe es mehrere große Händler, die unter dem Radar flögen und die für die Werke, die sie vertrieben, nicht genügend private Sammler kennen. Lüttgens schlägt dann zu, lässt die Werke erst einmal zwei Jahre stehen und versucht sie anschließend sie zu einem guten Preis weiterzuverkaufen. „Oftmals ist es auch so, dass uns Kunden Bilder, die sie vor 15 Jahren bei uns erworben haben, wieder zurück verkaufen – mit einem ordentlichen Aufschlag, aber eben immer noch unter Marktpreis – so haben alle etwas davon“, erklärt Lüttgens.
Christopher Lüttgens leitet die Galerie Art Affair zusammen mit seinem Vater Karl-Friedrich Krause.
Mit wichtigen Kunden auf die Biennale
Damit die Kunst neue Besitzer findet, lässt sich der Galerist und Kunsthändler aber noch einiges mehr einfallen. „Eine Vernissage am Anfang, eine Finissage am Ende – das genügt längst nicht mehr. Die Kunden sind anspruchsvoller geworden und suchen ein Einkaufserlebnis, bei dem sie sich selbst als etwas ganz Besonderes wahrnehmen können“, erklärt Lüttgens. Für den ehemaligen Eventmanager ist dies freilich eine machbare Herausforderung. „Unsere wichtigsten Kunden laden wir zum Beispiel auf die Biennale ein, erleben dort gemeinsam eine individuelle Führung mit einer Kunsthistorikerin und dinieren anschließend fürstlich“, erzählt er. Wird die Kunst bei diesen VIP-Events zur Nebensache? Vielleicht ein wenig, meint er, jedenfalls müsse das Gesamterlebnis mehr bieten als die Kunst allein. Aber auch die Künstler von heute verstünden alle das Geschäft und agierten sehr professionell, kaum einer entspreche den klassischen Klischees. Die professionelle Zusammenarbeit betrifft etwa die Vermarktungsrechte – schließlich wolle man als Galerie ja nicht viel Geld für Ausstellung, Vernissage und so weiter in die Hand nehmen, wenn der Künstler die Werke anschließend selbst im Internet vertreibt.
Von Regensburg nach München
Doch das sei eben glücklicherweise nicht die Regel. Das Geschäft wächst stattdessen in allen Bereichen unaufhörlich, so dass die Expansion mit einer zweiten Galerie in der Landeshauptstadt seit Anfang 2026 ein logischer Schritt war. „München ist natürlich in vielerlei Hinsicht ein zusätzlicher attraktiver Markt, ganz einfach, weil dort viele echte Sammler wohnen“, erläutert Lüttgens. Außerdem würden die Kuratoren großer internationaler Museen zwar nicht durch Regensburg laufen, durch München gelegentlich aber schon, wenn sie auf der Suche nach neuen Werken sind. Anstelle einer ausgeprägten Kunstszene habe Regensburg andere Reize, eine unvergleichliche Altstadt mit schönen, kleinen Einzelhändlern, die man andernorts angesichts der dominanten Handelsketten vergeblich suche. „Zuletzt hatten wir zwar allerdings leider auch hier mit einigen Leerständen in der Straße zu tun und haben den Laden gegenüber deshalb noch dazu genommen“, sagt Lüttgens.
Kanzleileitungen und Mitarbeitende
In der Regensburger Galerie ist derzeit eine Mitarbeiterin beschäftigt – eigentlich wollte man eine Galerieleitung, ebenso wie in München, wo eine Fachkraft dazu weitergebildet werden soll. „Es ist vergleichsweise schwierig, passende Personen zu finden“, sagt Lüttgens. Das habe mit dem Standort, aber vor allem stark mit dem Geschäftsmodell zu tun. „Der Kunsthandel ist das persönlichste Geschäft, das es gibt“, findet er. Potenzielle Käuferinnen und Käufer wollten deshalb immer mit dem Inhaber oder zumindest mit der Galerieleitung sprechen und nicht mit einem x-beliebigen Mitarbeitenden.
Jährlich realisiert die Galerie pro Standort im Schnitt vier bis sechs Ausstellungen. Es werden sowohl regionale und aus dem deutschsprachigen Raum stammende, als auch internationale Künstlerinnen und Künstler gezeigt.
Für den Start seiner ersten Ausstellung in München Anfang Februar konnte Lüttgens auf 1.000 Adressen aus der Stadt zurückgreifen, die der Vater in den vergangenen 20 Jahren gesammelt hatte. Neben München kann sich Lüttgens für die Zukunft auch noch weitere Standorte vorstellen, in Frankfurt am Main, Köln oder Berlin zum Beispiel, denn er will in die deutschen Zentren der Kunst. Zunächst einmal aber gibt es mit dem Aufbau der Münchener Galerie noch eine Menge in Bayern zu tun.