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Familiensache
Bürokratie, lange Arbeitszeiten und Fachkräftemangel – Herausforderungen wie diese lassen jüngere Generationen oft davor zurückschrecken, in den Handel einzusteigen und das Geschäft der Familie zu übernehmen. Drei Unternehmen aus der Region zeigen, wie Nachfolge dennoch gelingen kann.
Dass sie später einmal das Geschäft ihrer Eltern übernehmen würde, war für Ann-Sophie Mehler lange nicht absehbar. Als Kind erlebte sie den Arbeitsalltag ihrer Eltern unmittelbar mit. Nach ihrem BWL-Studium arbeitete sie in einer renommierten Werbeagentur in München, anschließend zog es sie in die Modebranche. Sie sammelte zunächst Berufserfahrung in anderen Unternehmen, bevor sie 2019 in die Heimat nach Oberviechtach zurückkehrte. Heute leitet sie die beiden Modegeschäfte in Weiden und Oberviechtach gemeinsam mit ihren Eltern. Kurz nach ihrem Einstieg in die Firma stellte die Corona-Pandemie die Familie vor große Herausforderungen: „Wäre Ann-Sophie nicht miteingestiegen, hätten wir uns überlegt, ob wir weitermachen“, erinnert sich ihr Vater Maximilian Mehler.
„Man kann keine Nachfolge erzwingen.“Maximilian Mehler | Mode Mehler Fashion Group
Sie startete mit Social-Media, stellte Outfits vor und nahm Bestellungen per Instagram und Facebook an, die sie dann direkt an die Kundinnen und Kunden verschickte oder persönlich vorbeifuhr. Auch die Idee zu den „Überraschungsboxen“ kam damals gut an. Bis heute läuft vieles über die sozialen Medien. Einen eigenen Onlineshop hat die Mode Mehler Fashion Group bis heute nicht. „Uns ist es gelungen, eine starke Community in den sozialen Medien aufzubauen“, sagt Ann-Sophie Mehler. Ihre Vision sei und bleibe der stationäre Handel, der weiterhin seine Berechtigung haben werde. „Man kann keine Nachfolge erzwingen“, zeigt sich Maximilian Mehler sicher. Seine Tochter kenne die Modebranche gut und habe ein Gespür für Trends. Solche Leidenschaft brauche es für eine erfolgreiche Übernahme.
Drei Generationen Mode Mehler (v.l.): Barbara, Ann-Sophie, Franziska und Maximilian Mehler.
Impulse für den Möbelhandel
Auch Luise Brandl setzte neue Impulse im Familienunternehmen. 2017 stieg sie in das Möbelgeschäft ihrer Familie ein, seit 2021 leitet sie die Brandl Home Company. Damals war der Betrieb sehr papierlastig. Heute arbeiten alle Mitarbeitenden auf der Fläche mit iPad-Geräten und der komplette Bestell- und Planungsprozess verläuft digital. Auch die Entscheidung, Teil der Home Company zu werden, geht auf ihre Initiative zurück. Ihr Vater Siegfried Brandl war zunächst skeptisch, sieht inzwischen aber die Vorteile der Zusammenarbeit, zum Beispiel den gemeinsamen Marketing-Auftritt. Für ihn bedeutet der Generationenwechsel vor allem, Verantwortung abzugeben. „Es ist wichtig, loszulassen.“ Dafür brauche es regelmäßige Gespräche und eine Phase, in der beide Generationen gemeinsam arbeiten. Diese Übergangszeit ermögliche es, voneinander zu lernen.
Starkes Team in der Geschäftsführung (v.l.): Siegfried, Sabine und Luise Brandl.
Schon während des Studiums arbeitete Luise Brandl in der Buchhaltung des Unternehmens mit. Nachdem sie ins Geschäft eingestiegen war, schnupperte sie zunächst in verschiedene Abteilungen hinein und lernte die Besonderheiten der Möbelbranche kennen. Diese birgt besondere Herausforderungen, denn Immobilien und Möbelausstellungen erfordern hohe Investitionen. Gleichzeitig ist die Nachfrage stark davon abhängig, wann und in welcher wirtschaftlichen Situation Kundinnen und Kunden größere Anschaffungen tätigen. Auch die Suche nach Fachkräften beschäftigt die Branche. „Man muss laufend am Ball bleiben, renovieren, die Ausstellung weiterentwickeln und in Werbemaßnahmen investieren“, sagt Luise Brandl.
„Hohe Schulden sind ein Risiko und eine Belastung für die nächste Generation.“Siegfried Brandl | Brandl Home Company
Ohne familiäre Nachfolge werde es für viele Handelsunternehmen schwierig, ergänzt Siegfried Brandl. Das zeige ihm vor allem der Austausch mit anderen Händlerinnen und Händlern. Zwar übernehmen in einzelnen Fällen leitende Mitarbeitende den Betrieb. Häufig bleibe jedoch nur die Liquidation und der Verkauf der Immobilie. Für Brandl war deshalb früh klar, dass seine Tochter das Unternehmen möglichst lastenfrei übernehmen soll: „Hohe Schulden sind ein Risiko und eine Belastung für die nächste Generation.“
Übergabe mit Plan
„Für mich war es damals schwer, mit dem Druck umzugehen.“Michael Matt | Optik Matt GmbH
Michael Matt kennt den Nachfolgeprozess aus beiden Perspektiven. Er hat die Optik Matt GmbH selbst von seiner Familie übernommen und übergibt das Geschäft nun an seinen Sohn Maximilian. „Für mich war es damals schwer, mit dem Druck umzugehen“, erinnert er sich. Deshalb wollten er und seine Frau Birgit Matt ihren eigenen Kindern bewusst keine Erwartungshaltung auferlegen. Für Michael Matt ist klar: Eine Nachfolge allein aufgrund der familiären Verbindung funktioniere nicht. „Die oder der Nachfolger muss auch geeignet sein und die nötigen sozialen und fachlichen Kompetenzen mitbringen.“ Maximilian Matt hat ein Studium an der Munich Business School abgeschlossen und Erfahrungen in einem M&A-Unternehmen gesammelt, bevor er schließlich nach Regensburg wechselte.
Michael und Birgit Matt zusammen mit Sohn Maximilian Matt.
Den eigentlichen Übergabeprozess ging die Familie bewusst strukturiert an. „Da in der Familie immer Emotionen mitschwingen und schwierige Themen manchmal nicht leicht angesprochen werden können, halte ich es nicht für sinnvoll, den Nachfolgeprozess nur innerhalb der Familie abzuwickeln“, sagt Michael Matt. Gemeinsam mit externer Unterstützung entwickelte die Familie einen mehrstufigen Plan. Der Prozess erstreckte sich über zwei Jahre, begleitet von regelmäßigen Gesprächen. Die Ergebnisse hielten die Familienmitglieder in einer Familienverfassung fest. Darin wurden unter anderem Rollen, Werte, Ziele, Unternehmenskultur und der Umgang mit Konflikten geregelt. So entstand eine gemeinsame Grundlage für die weitere Zusammenarbeit. „Wir haben einen ziemlich großen Aufwand betrieben, sowohl zeitlich als auch finanziell. Heute kann ich sagen, es war jede Minute und jeden Euro wert“, betont Michael Matt.