Wirtschaft konkret
Nr. 6980968
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Titel - Ausgabe März 2026

Neue Impulse für die Region

Innovation bleibt der Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit von morgen. In einer Zeit rasanter technologischer Entwicklungen und wachsender geopolitischer Unsicherheiten entscheidet die Fähigkeit, sich kontinuierlich neu zu erfinden, über langfristigen Erfolg. Welche Rolle neuartige Technologien, agile Strukturen sowie kreative Unternehmenskulturen spielen und welche Standortbedingungen dafür nötig sind, zeigen innovative Unternehmen aus unserer Region.
Oft aus der Not heraus sind bei uns immer wieder Innovationen entstanden.
Seit mehr als 160 Jahren gibt es die Firma Einhäupl. Am Standort Weiden in der Oberpfalz bietet das Unternehmen bereits in sechster Generation schweren Korrosionsschutz in Form von Feuerverzinkung und Industriebeschichtung an. Doch der Betrieb will sich keinesfalls auf seinen Wurzeln ausruhen: „Die Welt ist schnelllebig und oft aus der Not heraus sind bei uns immer wieder Innovationen entstanden“, sagt Geschäftsführer Daniel Einhäupl. Im vergangenen Jahr habe das Unternehmen ein neues ERP- und CRM-System mit angehängtem BDE-System implementiert. Ein Schritt, der viele Vorteile, doch auch neue Aufgaben mit sich brachte. „Unsere Mitarbeitenden müssen nun alle Einzelteile einzeln im System erfassen. Wir konnten das personell kaum abdecken und haben deshalb nach einer effizienteren Lösung gesucht“, ergänzt er. Die Wahl fiel auf ein KI-basiertes System, das dabei unterstützt, die Daten aus den Lieferscheinen auszulesen und zu analysieren. Die KI prüft auch, ob die genannten Abmessungen plausibel sind und clustert die Lieferungen nach etwa 50 verschiedenen Fertigungsartikeln. „Sicherlich gab es ganz zu Beginn unter unseren Angestellten auch Ängste, dass sie ersetzt werden. Dies ist aber keinesfalls unser Ziel. Wir brauchen neue technische Lösungen, um den Fachkräftemangel zu meistern und in unserer schnelllebigen Arbeitswelt Schritt zu halten“, betont Einhäupl.
Förderbedingungen am Standort Bayern müssen schneller und vor allem technologieoffener werden.
Nicht nur der Fachkräftemangel, auch geopolitische Unsicherheiten zwingen die Unternehmen in der Region dazu, innovativ zu denken. „Globale Krisen haben gezeigt, wie abhängig wir von Importen aus anderen Ländern sind. Deshalb müssen wir lernen, unsere vorhandenen Ressourcen zu nutzen, Stoffe aufzubereiten und zurück in den Kreislauf zu führen“, sagt Dr. Matthias Wilhelm, der den Bereich Recycling bei der Firma Lober verantwortet. Das Entsorgungsunternehmen aus Neunburg beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit Recycling – von Bauschutt bis hin zu Sonderabfällen. Seit 2019 ist die Lober GmbH auf Kunststoffrecycling spezialisiert. Vor allem die Vielfalt an unterschiedlichen Stoffen und Kundenanforderungen seien in diesem Bereich eine Herausforderung. „Dafür brauchen wir innovative Verfahren. Wir setzen beispielsweise auf einen lösemittelbasierten Recyclingprozess, um Wertstoffe aus komplexen Kunststoff-Verbunden zu gewinnen.“

Vernetzung und Austausch fördern

Einhäupl und Lober sind nur zwei Beispiele dafür, wie sich Firmen immer wieder neu erfinden. Die Oberpfalz bietet dafür gute Standortbedingungen. Zwölf Cluster und Netzwerke ermöglichen beispielsweise den Austausch zu unterschiedlichen Zukunftsthemen – sei es Mobilität, Künstliche Intelligenz oder Biotechnologie. Daneben fördern Gründer- und Innovationszentren die Vernetzung und den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und öffentlichen Institutionen. „Durch Austausch entsteht Kooperation“, sagt Michael Vogel, Referent Innovation bei der IHK. „Das ist essenziell, denn Unternehmen können am besten etwas vorantreiben, wenn sie mit anderen Partnern zusammenarbeiten.“
Wir wollen an den Grenzen der technischen Machbarkeit agieren.
Auch das Start-up Pendura hat vom regionalen Ökosystem in der Oberpfalz profitiert. Im November 2023 lernten sich die vier Gründer bei der Startup Factory, einer Veranstaltung des Gründerzentrums der TechBase, kennen. Das Team evaluierte zunächst verschiedene Geschäftsmodelle und identifizierte schnell, wo der größte Bedarf am Markt liegt. Diese Phase half den Gründern, ihren Fokus zu schärfen. Dank der aktiven Teilnahme im Gründer-Ökosystem und der vorhandenen KI-Expertise konnte das Team schnell einen ersten Kunden gewinnen und direkt mit der praktischen Umsetzung starten. Heute arbeiten die Gründer in ihrem Büro an der TechBase, beteiligen sich in Clustern und Netzwerken und besuchen Veranstaltungen für Gründer und Unternehmer. „Vor allem das Mentorship, das wir durch die Kontakte und den Austausch bekommen, ist super und hilft uns mehr als Fördergelder“, betont Quirin Schneider, einer der vier Gründer. Für seine Kunden entwickelt das Start-up mittlerweile individuelle Lösungen im Bereich Software, Automatisierung und KI. Hoch im Kurs stehen zum Beispiel „Voice Agents“ – das sind KI-basierte Assistenten, die Telefonanrufe entgegennehmen, Fragen beantworten und im Kundenservice unterstützen können. „Wir wollen an den Grenzen der technischen Machbarkeit agieren“, sagt Schneider. Offenheit und Experimentierfreude seien die Voraussetzungen dafür – doch immer mit Blick auf den Kundennutzen: „Da wir umsatzfinanziert sind und keine Investoren an Bord haben, müssen wir unsere Ideen möglichst schnell validieren und einen Proof of Concept schaffen. Bekommen wir gutes Feedback, können wir unsere Lösungen größer ausrollen und auf weitere Kunden zugehen.“

Experimentieren, scheitern und lernen

„Fail fast, fail often“ – das empfiehlt ebenso Vogel von der IHK. Mit kleineren Problemstellungen anzufangen und dabei schnelle Lerneffekte zu erzielen, seien die Basis für Innovation. „Es ist wichtig, Mitarbeitende früh einzubinden, Freiräume zu schaffen und auch mal Fehler zuzulassen“, betont Vogel. Darüber hinaus könnten Unternehmen die Motivation und das Miteinander stärken, in dem sie kleine Erfolge sichtbar machen.
Die Angst, dass KI uns schaden könnte, haben wir genutzt.
Dieses Mindset teilt auch die Gebrüder Dorfner GmbH. Das Familienunternehmen mit etwa 300 Mitarbeitenden fördert und veredelt seit mehr als 130 Jahren Industriemineralien für unterschiedliche Branchen. Mit dem Einstieg des neuen Geschäftsführers Mirko Mondan im Jahr 2020 zog auch Innovation ins Unternehmen ein. „Wir wollten die Mitarbeitenden von Anfang an mitnehmen – zum Beispiel im Rahmen von Workshops“, erzählt Tim Lüken, der das Innovationsmanagement und KI bei Dorfner verantwortet. Gemeinsam haben die Mitarbeitenden Faktoren identifiziert, die eine Gefahr für das eigene Geschäftsmodell darstellen könnten, und aus diesen neue Chancen und Geschäftsmodelle abgeleitet. „Die Angst, dass KI uns schaden könnte, haben wir genutzt. Wir haben den Spieß einfach umgedreht und setzen seit einigen Jahren selbst auf die Technologie, um schneller neue Formulierungen für Baubeschichtungen zu entwickeln.“ Das ganzheitliche Innovationsmanagement solle dazu beitragen, auch zukünftig immer wieder neue Chancen zu identifizieren und zu fördern. Doch vor allem kommen neue Ideen aus der Belegschaft: „Unsere Mitarbeitenden kennen das Tagesgeschäft am besten. Wir schulen sie darin, mit der KI zu arbeiten, und geben ihnen die Möglichkeit, zu experimentieren. Einer unserer Malermeister ist inzwischen ein echter KI-Experte“, erzählt Lüken. Doch Transformation sei ebenfalls eine Führungsaufgabe: „Wir ermutigen unsere Führungskräfte, als Vorbild voranzugehen und die Lust auf Neues in ihren Teams zu wecken.“
Durch den starken Fokus auf Innovation sind mittlerweile sogar komplett neue Geschäftsfelder und Neugründungen entstanden. Lüken erinnert sich an einen weiteren Workshop: „Wir haben ein Geschäftsmodell für ein Additiv entwickelt, welches Feinstaub in holzbefeuerten Kaminöfen bindet. Dabei kam uns die Idee zu einer KI-basierten App, die Konsumentinnen und Konsumenten beim Umgang mit Kaminöfen unterstützt.“ Am Äußeren der Flamme könne die KI erkennen, ob der Ofen mehr Sauerstoff oder Brennholz benötige und so zur Optimierung beitragen. „Innerhalb von drei Tagen haben wir einen Prototyp gebaut, eine Woche später ein Unternehmen gegründet“, sagt Lüken.

Externe Unterstützung

Doch nicht immer gelingt es, technischen Fortschritt in den eigenen Reihen zu fördern. „Gerade kleinere Unternehmen stoßen oft zeitlich und personell an ihre Grenzen oder ihnen fehlt das nötige Know-how“, sagt IHK-Experte Vogel. Dann sei es ratsam, externe Dienstleister hinzuzuziehen – wie beispielsweise die Firma Einhäupl. „Um eine KI-basierte Lösung für unsere Lieferscheine zu etablieren, haben wir deutschlandweit Angebote von Dienstleistern eingeholt“, sagt Einhäupl.
Doch auch die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungsinstituten kann Potenziale heben: „Als KMU brauchen wir den technischen Vorsprung, um international bestehen zu können“, sagt Wilhelm von der Firma Lober. „Für uns ist die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungsinstituten daher sehr wichtig. Das erfordert Zeit – gerade für größere Forschungsprojekte – ist aber oft zielorientierter bei begrenzten Ressourcen als die reine interne Entwicklung.“ Viele Unternehmen seien jedoch zögerlich, auf Hochschulen zuzugehen, meint Vogel von der IHK: „Der Transfer von Wissenschaft in die Wirtschaft ist derzeit in Deutschland noch ausbaufähig. Wir müssen gezielt solche Kooperationen fördern.“

Wissenschaft und Wirtschaft verknüpft

Mit der Eröffnung des Innovationszentrums Produktion und Logistik (IZPL) ging die OTH Regensburg einen entscheidenden Schritt, um den Wissenstransfer zu stärken. Prof. Dipl.-Wirtsch.-Ing. Stefan Galka ist der Leiter des neuen Zentrums, das im Dezember 2025 seine Pforten öffnete: „In der Wissenschaft gibt es viele gute Ideen auf dem Papier, aber häufig bleibt der Transfer in die Wirtschaft aus. Wir wollen diese Innovationen nutzbar machen.“ Anwendungsnahe Forschung soll dazu beitragen, neueste Technologien zu erproben und Betriebe bei der Digitalisierung und Automatisierung unterstützen.
Mit der Zollner Elektronik AG und der SYSTEMA Systementwicklung Dipl.-Inf. Manfred Austen GmbH entwickeln Mitarbeitende am IZPL beispielsweise ein Tool, das bei der Planung von Umstellungs- und Anlaufprozessen in der Produktion unterstützt. Werden Produkte auf eine andere Linie oder in ein anderes Werk verlagert, ist immer mit Produktionsunterbrechungen und längeren Anlaufphasen zu rechnen. Simulationsmodelle können alle wichtigen Aspekte abbilden, die bei solchen Umstellungsszenarien beachtet werden müssen. „Wir wollen außerdem einen KI-Agenten trainieren, der zukünftig alle Handlungsmöglichkeiten analysiert und Vorschläge macht“, erklärt Galka.
Am IZPL können wir relativ schnell einen Prototyp bauen und testen.
Neben solchen groß angelegten Forschungsprojekten gibt es aber auch zahlreiche Industriekooperationen. Firmen aus der Region kommen dann mit konkreten Fragestellungen auf das IZPL zu. Sie interessieren sich beispielsweise für humanoide Roboter: Was ist technisch schon möglich? Wo lassen sich humanoide Roboter in der aktuellen Produktionslandschaft einsetzen? Wie sieht ein realistischer Zeitrahmen aus? „Die Unternehmen sind meist unsicher, ob sie heute schon in eine am Markt verfügbare Technologie investieren oder lieber auf technische Weiterentwicklung warten sollen. Vor allem für kleinere Firmen stellen hohe Investitionen ein Risiko dar“, betont Galka. „In unserer Forschungs- und Laborumgebung am IZPL haben wir die Möglichkeit, relativ schnell einen Prototyp zu bauen und zu testen. So können wir das Risiko ein Stück weit reduzieren.“

Wünsche an die Politik

Die Firma Einhäupl bewies Mut und wagte die Investition in seine KI-Lieferscheine. Um eine Förderung zu erhalten, stellte die Firma einen Antrag. Doch erst nach langer Zeit und zahlreichen Diskussionen mit den Behörden sei der Digitalbonus genehmigt worden, erzählt Daniel Einhäupl: „Ein bisschen mehr Pragmatismus wäre schön.“ Um auch in Zukunft planen zu können, wünscht er sich auch in anderen Bereichen verlässliche Entscheidungen von der Politik: „Ab spätestens 2045 werden die Gasnetze in Weiden abgeschaltet. Wir brauchen dringend Alternativen, denn unsere drei Zinkbehälter müssen durchgehend beheizt werden.“
Auch Wilhelm von der Firma Lober sieht Verbesserungspotenzial bei der Infrastruktur und der Förderlandschaft: „Wir versuchen seit zwei Jahren, die notwendige Infrastruktur zu ermöglichen, angefangen bei der Stromversorgung bis hin zu wettbewerbsfähigen Energiekosten – bisher vergeblich. Auch Förderbedingungen am Standort Bayern müssen schneller und vor allem technologieoffener werden.“ Um etwas voranzutreiben, engagiert sich die Firma Lober in diversen Verbänden, Gremien und Ausschüssen.
Es gibt viele Förderprogramme, aber diese sind leider unübersichtlich.
IHK-Innovationsreferent Vogel versteht den Unmut der beiden Unternehmer und ergänzt: „Es gibt viele Förderprogramme, aber diese sind leider unübersichtlich. Auch die digitale Infrastruktur muss dringend vorangetrieben werden.“ Daneben sei Wagniskapital ein entscheidender Faktor, um Innovationen großflächig in die Umsetzung zu bringen. „Es gibt diverse Förderprogramme in der Gründungsphase oder für die Entwicklung eines Prototyps. Wollen die Unternehmen skalieren, wird es schwierig.“
Die Gründer von Pendura haben verschiedene Formate für Gründer genutzt. Auf Investoren verzichten sie jedoch bisher. „Natürlich stellen auch für uns die Bürokratie und die fehlende Digitalisierung ein Hindernis dar. Auf Seiten der großen Firmen dauern Vertragsverhandlungen sehr lange und oft herrscht noch eine große Skepsis bei unseren Kunden gegenüber KI“, erzählt Schneider. Auch in diesem Fall könne der Staat zu einer Verbesserung beitragen, meint Vogel: „Öffentliche Verwaltungen müssen als Vorbild vorangehen, zum Innovationskunden werden, neue Technologien ausprobieren und offene Datenräume schaffen.“ So könnten Prozesse beschleunigt und Innovationskraft geweckt werden.

Ideen für die Zukunft

Doch trotz aller Hürden schmieden die Firmen in der Region eifrig Zukunftspläne: „Ich träume davon, wie wir unsere Kräne vom Bildschirm aus steuern können“, sagt Einhäupl. Noch sei diese Vorstellung Zukunftsmusik, doch durchaus realistisch. Auch in erneuerbare Energien wolle das Unternehmen noch stärker investieren, um sich ein Stück weit aus der Abhängigkeit des volatilen Energiemarktes zu befreien. Die Firma Lober denkt über Expansion und Ausgründungen auf internationalem Parkett nach und auch die Gebrüder Dorfner GmbH steht nicht still. Mit einem eigenen Venture Studio will das Unternehmen zukünftig die Gründung von weiteren Start-ups sowie die Investition in und die Zusammenarbeit mit Start-ups vorantreiben.