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Die Energiewende im Blick
Hohe Energiepreise, schleppender Netzausbau und komplexe Genehmigungen fordern Firmen in der Region heraus. Gleichzeitig entstehen innovative Lösungen – von intelligentem Energiemanagement bis zu zukunftsfähiger Netztechnik. Zwei Unternehmen zeigen, wie die Energiewende dennoch gelingt.
Ob LED-Lampen, eine Elektroflotte oder eine PV-Anlage auf dem Dach: All das ist für Unternehmen in der Region Oberpfalz-Kelheim bereits selbstverständlich, bestätigt Richard Röck, Bereichsleiter Energie und Umwelt bei der IHK: „Die Energiepreise sind hoch. Betriebe schöpfen deshalb alle Möglichkeiten aus, um den Energieverbrauch zu verringern oder selbst Energie zu erzeugen.“ Doch dabei bekämen die Unternehmen einige Steine in den Weg gelegt. „Firmen müssen unter Umständen mit einer Genehmigungsdauer von mehreren Jahren rechnen, um beispielsweise einen Batteriespeicher anschließen zu lassen“, sagt Röck. Das müsse schneller gehen. Um Investitionen eingehen zu können, bräuchten sie eine bessere Planbarkeit. Auch der Netzausbau in der Region hinke hinterher – keine guten Voraussetzungen für Betriebe, die beispielsweise überschüssigen Strom ins Netz einspeisen möchten. „Im Energiebereich seien daher dringend innovative Lösungen gefragt.“
Intelligentes Energiemanagement
Genau daran arbeitet Klaus Nagl, Gründer und CEO der Consolinno Energy GmbH. Mit einem Team aus rund 70 Mitarbeitenden entwickelt er Lösungen, um Geräte und Anlagen intelligent und vorausschauend zu vernetzen – im Privathaushalt, in Stadtquartieren sowie in Industrie und Gewerbe. „Der gesamte Energiebereich gehört digitalisiert und automatisiert. Dann kann ich mich als Konsument entspannt zurücklehnen und darauf vertrauen, dass die Wärmepumpe Strom produziert und das E-Auto lädt.“ Von den Büros in der TechBase Regensburg aus entwickelt Consolinno modulare Anwendungen für ein intelligentes Energiemanagement. Mit Hilfe der Apps lässt sich die Belastung für das Stromnetz besser verteilen, Energieflüsse optimieren und dadurch Stromkosten senken.
Der gesamte Energiebereich gehört digitalisiert und automatisiert.Klaus Nagl | Consolinno Energy GmbH
Um seine Produkte kontinuierlich zu verbessern, setzt Consolinno auf neueste Technologien wie Edge Computing, Cloud-Technologien oder KI. „Wir müssen alle diese Technologien inhouse abbilden, um die Anlagen zu vernetzen und mit Updates zu versorgen“, sagt Nagl. Doch gleichzeitig liege der Fokus immer auf den Kunden. Benjamin Gfüllner arbeitet im Vertrieb bei Consolinno und ist täglich mit diesen im Gespräch: „Wir setzen um, was unseren Kunden weiterbringt – unabhängig von Regulatorik und Gesetzgebung.“ Gut zuzuhören und die Wünsche in die Produktentwicklung zu gießen, das sei die Quintessenz für Innovation. Die Lücke zwischen Vertrieb und Entwicklung zu schließen, sei herausfordernd. Dafür brauche es erfahrene Produktmanagerinnen und -manager, die die Wünsche der Kunden in Funktionen und Features übersetzen. Daraus entstehe ein erster Proof of Concept. „Erst wenn die Kunden zufrieden sind, gehen wir in die Serienproduktion“, ergänzt Nagl.
Chancen früh erkennen
Rund fünf Kilometer weiter nördlich befindet sich der Hauptsitz der Maschinenfabrik Reinhausen GmbH (MR). Seit 1929 produziert das Unternehmen Stufenschalter und Umsteller für Leistungstransformatoren für den globalen Markt. Dabei hat sich das Produktsortiment stets weiterentwickelt. Als Sprecher der Geschäftsführung begleitet Dr. Nicolas Maier-Scheubeck diesen Wandel seit mittlerweile 30 Jahren. Vor allem der Übergang des Sortiments zur Vakuumtechnik, die Anwendung der Regelungstechnik im Verteilnetz sowie der Einzug der Leistungselektronik seien ihm als große gerätespezifische Innovationen im Gedächtnis geblieben. Zudem ermögliche der Fortschritt in Sensorik und Informationstechnik den Übergang zu intelligenten Transformatoren und digitalen Zwillingen. „Alle diese Entwicklungen haben wir rechtzeitig erahnt, lange bevor diese von unseren Kunden gewünscht wurden“, betont Maier-Scheubeck, „weil wir daran geglaubt haben, dass hierdurch ein spürbarer Fortschritt für das elektrische Energiesystem bewirkt wird.“
Um Chancen frühzeitig zu identifizieren, habe die MR einen gestuften Innovationsprozess etabliert. Dazu gehören unter anderem das Screening, Scanning und Scouting in der Start-up-Szene, Hochschulkooperationen, Netzsimulationen und Netzstudien. Das gestufte Modell erlaube es, eine Folgenabschätzung zu betreiben. Darauf basierend leite die MR ihre Grundlagen- und Produktentwicklung ab. Dennoch müssten Innovationen wirtschaftlich tragfähig sein: Dem Spannungsfeld zwischen aktueller Nachfrage und künftigen Bedürfnissen begegnet das Unternehmen mit sogenannten Business Units. Experten bringen ein tiefes Verständnis für Technik mit und wagen den Blick in die Zukunft, während beispielsweise Vertriebsmitarbeitende aktuelle Kundenanforderungen erfassen und sicherstellen, dass Innovationen am Markt akzeptiert werden.
Fehlende Risikobereitschaft
Ich wünsche mir mehr Bereitschaft, etwas auszuprobieren und vor Ort Pilotanwendungen zu realisieren.Dr. Nicolas Maier-Scheubeck | Maschinenfabrik Reinhausen GmbH
„Die Betreiber unserer Produkte, die Energieversorgungsunternehmen, sind extrem sicherheitsorientiert“, betont Maier-Scheubeck. Es mangele häufig an der Bereitschaft, neue Lösungen im Feld zu testen. Auch die deutsche Regulatorik biete hierfür keinerlei Anreiz. In Großbritannien dagegen gäbe es beispielsweise ein Innovationsbudget, um das sich Energieversorger bewerben könnten. „Ich wünsche mir auch in unserer Region mehr Bereitschaft, etwas auszuprobieren und vor Ort Pilotanwendungen zu realisieren.“ Auf einem Areal in einem Industriegebiet könnte die Stadt etwa als Prototyp ein Gleichstrom-Areal definieren. Dies könnte der Förderung neuer Technologien bis hin zur Ansiedlung von Rechenzentren dienen. Auch die Installation von Monitoring- und Fehlerortungssystemen in bestehenden Netzen sei essenziell, um das Energiesystem vor Krisen unterschiedlichster Art – zum Beispiel Verschleiß, Überlast oder Sabotage – zu schützen.
Klaus Nagl von Consolinno bemängelt ebenfalls die Regulatorik. Die Gesetze seien veraltet, genauso wie die Netzstrukturen. „Ich wünsche mir mehr Flexibilisierung. Statt starrer Tarife brauchen wir eine Regulierung, die die Netzentlastung durch intelligente Steuerung finanziell belohnt.“ Von diesen Hindernissen lässt sich der Gründer jedoch nicht ausbremsen: „Bei Consolinno wollen wir europaweit expandieren und das digitale Rückgrat der Energiewende werden.“