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Augen auf und durch
Die IHK unterstützt ausgewählte junge Unternehmen durch ein exklusives Mentorenprogramm. Erfahrene Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer aus dem IHK-Netzwerk stellen ihr Wissen und ihre Kontakte zur Verfügung, um Gründende bei den Herausforderungen in der Startphase zu begleiten und ein starkes Fundament für nachhaltigen Erfolg zu schaffen. Eine von ihnen ist Magdalena Schwarzwald, Mitgründerin und Geschäftsführerin des Regensburger Bestattungshauses plan b.
Zusammen mit Anni Klostermeier schätzt Magdalena Schwarzwald (l.) die Herausforderungen, die das Leben, aber eben auch der Tod mit sich bringen. Als Sozialarbeiterinnen haben die Gründerinnen des Bestattungshauses plan b. bereits viele Menschen in Ausnahmesituationen begleitet. Kennengelernt haben sich die Geschäftsführerinnen im interdisziplinären Masterstudiengang Perimortale Wissenschaften. Praxiserfahrungen als Bestatterinnen sammelten beide in Berlin. Das 2022 gegründete Bestattungshaus in der Regensburger Obermünsterstraße bietet einen Plan B für alle, die eine individuelle Alternative brauchen in einer Situation, in der man meistens keinen Plan hat. Mit heute sechs Mitarbeitenden steht das Team Menschen mit umfassender Betreuung und Begleitung zur Seite, wenn es um Tod, Abschiednehmen und deren vielfältige Facetten geht.
Wie hat deine eigene unternehmerische Reise begonnen – und was hat dich damals dazu bewegt, den Schritt ins Unternehmertum zu wagen?
Magdalena Schwarzwald: Meine Eltern führten einen mittelständischen Betrieb in der nördlichen Oberpfalz, den inzwischen mein Bruder übernommen hat. Und da liefen wir als Kinder eben mit – mit allen Vor- und Nachteilen, mit allen Höhen und Tiefen. Mit all der Verantwortung und mit all der Freiheit. Zumindest habe ich vieles davon als Freiheit erlebt. So richtig dafür entschieden, dass für mich nichts anderes in Frage kommt, als unternehmerisch tätig zu sein, habe ich mich während des Studiums. Meine Abneigung gegen starre Hierarchien und unflexibles Verhalten haben dabei sicher eine große Rolle gespielt. Die Frage war also bald gar nicht, ob ich diesen Schritt mache. Für mich war die Reise vor allem davon geprägt herauszufinden, welcher unternehmerische Bereich für mich persönlich, aber auch gesellschaftlich genug Relevanz hat, damit ich längere Zeit Spaß daran habe, mich damit auseinanderzusetzen.
Wenn du auf deinen bisherigen Weg zurückblickst: Welche Erfahrung oder Herausforderung hat dich am stärksten geprägt?
Ich komme aus einem kleinen Dorf, in dem es nicht unbedingt selbstverständlich ist, groß zu denken. Ich hatte selbst und auch in der Familie immer wieder mit psychischen Erkrankungen zu tun. Nachdem ich früh ungeplant schwanger wurde, habe ich angefangen, mich mit Feminismus auseinanderzusetzen. Das hat mein Leben besser gemacht. Weil vieles nicht ganz so einfach auf meinem Weg war, habe ich längere Zeit therapeutische Unterstützung erhalten. Ich habe dabei auch wieder gelernt, auf mein Bauchgefühl zu hören, anstatt auf Männer mit zu großem Ego. Warum ich das jetzt so offen erzähle? Der rote Faden, der mein Leben bis heute prägt, ist das Gefühl und das ständige Erleben von Handlungsmöglichkeiten. Egal in welche Richtung man selbst oder auch das Leben mal abbiegt. Man kann zwar nicht zurück, aber man kann definitiv wieder die Richtung ändern. Das klingt zwar wie ein Kalenderspruch, macht aber ja auch nichts. Auch Kalendersprüche können helfen.
Was hat dich motiviert, dich als Mentorin für Gründerinnen und Gründer zu engagieren, und worauf freust du dich dabei am meisten?
In meinem Leben hatte ich das Glück, immer wieder Menschen zu begegnen, die mein Potenzial erkannt und mich gefördert haben. Vor allem in den Momenten, in denen ich selbst am meisten gezweifelt habe. Wenn ich davon nur ein bisschen an andere Menschen zurückgeben kann, macht mich das sehr glücklich. Meine Erfahrung ist es, dass es immer dann am besten wird, wenn man in konstruktivem Austausch ist. Wenn man in Gesprächen neue Perspektiven eröffnet bekommt, an denen man sich abarbeiten kann, um die eigene Haltung zu reflektieren. Außerdem trinke ich gerne Kaffee und habe großen Spaß daran, neue Menschen zu treffen.
Welche Erfahrungen oder Werte aus deiner eigenen Unternehmerinnen-Laufbahn möchtest du Gründenden besonders mit auf den Weg geben?
Rückgrat und Haltung zahlen sich aus. Sei kein Egoist. Mach es nicht nur wegen des Geldes. Charaktereigenschaften sind oft Privilegien, die man von zuhause mitbekommen hat. Selbstbewusstsein muss man sich zum Beispiel leisten können. Denke ans Klima. Und setze dich bitte immer dafür ein, demokratische Werte zu verteidigen. Freiheit und ein solidarisches Miteinander sind meiner Meinung nach die wichtigsten Grundlagen für kreative und spannende Unternehmungen. Und ganz wichtig – mach oft genug Pause und vergiss nicht, dass Arbeit nicht alles ist!
Wenn du deinem jüngeren Ich zum Start deiner unternehmerischen Reise einen einzigen Rat geben könntest – welcher wäre das?
Augen auf und durch – und wenn du unsicher bist, setz dich zehn Minuten in einen dunklen Schrank und hör deinem Bauchgefühl zu. Es hat Recht.
Infos und Bewerbung zum IHK-Mentorenprogramm
Ansprechpartnerin:
Julia Pirzer | 0941 5694-264 | pirzer@regensburg.ihk.de
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Julia Pirzer | 0941 5694-264 | pirzer@regensburg.ihk.de