Wirtschaft konkret
Nr. 7101218
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Portrait Christine Vogel
Region - Ausgabe Juli 2026

Freude am Austausch

Die IHK unterstützt ausgewählte junge Firmen durch ein exklusives Mentorenprogramm. Erfahrene Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer aus dem IHK-Netzwerk stellen ihr Wissen und ihre Kontakte zur Verfügung, um Gründende bei den Herausforderungen in der Startphase zu begleiten und ein starkes Fundament für nachhaltigen Erfolg zu schaffen. Eine von ihnen ist Christine Vogel, Mitgründerin und Geschäftsführerin der TCH Veranstaltungs GmbH – besser bekannt als STADTMAUS, die durch besondere Veranstaltungen und Führungen Regensburg erlebbar macht.
Frau Vogel, Welche Eigenschaften sollte ein junges Unternehmen aus Ihrer Sicht unbedingt mitbringen, um langfristig erfolgreich zu sein?
Christine Vogel: Ein junges Unternehmen sollte vor allem die Bereitschaft mitbringen, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Märkte verändern sich, Anforderungen wachsen und auch die eigene Unternehmensvision darf sich mit der Zeit weiterentwickeln. Wichtig ist dabei, dass diese Veränderungen authentisch gelebt werden. Ebenso entscheidend ist ein solides und realistisches Finanzmanagement. Gerade in der Gründungsphase sind kompetente Beraterinnen und Berater enorm wichtig – sei es in der Steuerberatung, im rechtlichen Bereich oder bei der Bank. Dabei zählt nicht nur die fachliche Kompetenz, sondern auch, dass die Zusammenarbeit menschlich passt. Außerdem halte ich Freude am Netzwerken und die sorgsame Pflege von Kontakten für einen großen Erfolgsfaktor. Viele Chancen entstehen durch vertrauensvolle Beziehungen und den offenen Austausch mit anderen Unternehmerinnen und Unternehmern. Nicht zuletzt braucht es ein sehr gut organisiertes Daten- und Wissensmanagement. Wer Informationen strukturiert sammelt und laufend pflegt, schafft eine wichtige Grundlage für nachhaltiges Wachstum.
Wie wichtig ist aus Ihrer Sicht die Persönlichkeit der Gründenden im Vergleich zur eigentlichen Geschäftsidee?
Die Persönlichkeit der Gründerinnen und Gründer ist aus meiner Sicht enorm wichtig, mindestens ebenso wichtig wie die eigentliche Idee. Gute Ideen gibt es viele, entscheidend sind die Umsetzung und das gelebte Engagement für die Idee. Erfolg entsteht durch Menschen, die mit Leidenschaft, Ausdauer und Offenheit an ihre Aufgabe herangehen, die bereit sind zu lernen und auch schwierige Phasen durchzustehen. Genau diese persönliche Haltung macht häufig den Unterschied.
Wann wirkt Ihrer Meinung nach ein gutes Mentoring auch nachhaltig?
Nachhaltiges Mentoring lebt von echtem Austausch. Dazu gehören ein kontinuierlicher Dialog und die Bereitschaft beider Seiten, aktiv zuzuhören. Verlässlichkeit, Erreichbarkeit und ein hundertprozentiges Vertrauensverhältnis sind dabei die Basis. Wichtig ist außerdem, dass Mentorinnen und Mentoren einen Bezug zum Themenfeld der Gründenden haben und sich wirklich die Zeit nehmen, deren Herausforderungen zu verstehen. Nur so entsteht ein Austausch auf Augenhöhe, der langfristig motiviert und weiterbringt. Das ist das Schöne an einem Mentoring-Projekt: Es ist eine Freude zu sehen, wie Ideen wachsen, wie sich Menschen entwickeln und wie wertvoll ehrliche Gespräche und gemeinsame Erfahrungen sein können.
Welche Herausforderungen mussten Sie selbst überwinden, um dorthin zu kommen, wo Sie heute stehen?
Unsere größte Herausforderung war es, in einem stark subventionierten und behördengeprägten Umfeld ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen aufzubauen, das im öffentlichen Raum arbeitet und viele Genehmigungen braucht. Wir bekamen keinerlei Förderungen, wollten viele kreative Ideen verwirklichen und haben praktisch ohne nennenswertes Startkapital begonnen: Ganz am Anfang standen lediglich 7.500 DM zur Verfügung, ohne Kontokorrent oder finanzielle Sicherheiten. Es war 1999/2000 tatsächlich sehr schwer für uns, ein Firmenkonto zu eröffnen. Auch Zugang zu relevanten Entscheidern in der Wirtschaft zu bekommen, ein solides Marketing aufzubauen und unsere Marke bekannt zu machen, war die ersten Jahre sehr harte Arbeit. Wenn man mit viel Herzblut und Glauben an die eigene Sache startet, ist es persönlich eine große Aufgabe zu lernen, mit Enttäuschungen umzugehen. Es hat uns gerade am Anfang viel Energie gekostet, Misserfolge zu verarbeiten und trotzdem immer wieder daraus zu lernen und mit Freude und Glauben an die Zukunft weiterzumachen.
Wer oder was hat Sie in Ihrer beruflichen Entwicklung inspiriert?
Mein Studienjahr in England hat mich nachhaltig geprägt. Besonders beeindruckt hat mich dort die entspannte, spielerische und gleichzeitig kreative Art der historischen Wissensvermittlung und Veranstaltungsumsetzung. Eine weitere wichtige Erfahrung war auch mein Ferienjob beim Bavaria Filmgelände in Grünwald. Dort durfte ich nicht nur interaktive Führungen geben, sondern auch bei der Organisation großer Veranstaltungen mitarbeiten. Dabei habe ich schnell gemerkt, wie sehr mir genau diese Verbindung aus Kreativität, Organisation und direktem Austausch mit Menschen liegt. Auf der Netzwerkebene war meine Mitgliedschaft bei den Wirtschaftsjunioren sowie im Verband Die Jungen Unternehmer e.V. für mich sehr inspirierend. Auch heute hilft mir der Austausch auf Augenhöhe mit den Mitgliedern der IHK-Vollversammlung und bei Die Familienunternehmer e.V. Die vielen unterschiedlichen Erfahrungen und die gegenseitige Unterstützung haben mir immer wieder neue Perspektiven eröffnet und mich persönlich wie unternehmerisch weitergebracht.
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Ansprechpartnerin:
Julia Pirzer | 0941 5694-264 | pirzer@regensburg.ihk.de