Wirtschaft konkret
Nr. 7036556
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Region - Ausgabe Mai 2026

Hürden so hoch wie nie

Handelsbarrieren, Regulierungen, Krisen und Kriege: Der heimische Außenhandel kämpft mit zahlreichen Belastungen. Das zeigt die aktuelle Umfrage „Going International“ der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK).
Die internationalen Geschäfte heimischer Unternehmen stehen zunehmend unter Druck. Laut der aktuellen Umfrage „Going International“ der Deutschen Industrie- und Handelskammer spüren 69 Prozent der auslandsaktiven Betriebe eine Zunahme an Handelshemmnissen. Das sind so viele Firmen wie noch nie seit Beginn der jährlichen Erhebung.
Neue Handelshemmnisse erschweren die internationalen Aktivitäten der Unternehmen.
Trotz einer leichten Stimmungsaufhellung bleiben die Geschäftserwartungen insgesamt im Minus. Das überrasche nicht, meint Dr. Jürgen Helmes, Hauptgeschäftsführer der IHK in Regensburg: „Neue Handelshemmnisse erschweren die internationalen Aktivitäten der regionalen Unternehmen und bremsen ihre Geschäftsentwicklung.“ Die bundesweiten Ergebnisse decken sich mit der Einschätzung der Betriebe, die aus der Region an der Umfrage teilgenommen haben.

Bremsklotz USA

Vor allem die steigenden Zölle werden von knapp zwei Drittel der betroffenen Firmen als Handelshemmnisse genannt. 86 Prozent von ihnen spüren die Auswirkungen besonders deutlich beim Handel mit den USA.
Die USA entwickeln sich zum Risikofaktor.
Für viele deutsche Unternehmen ist das US-Geschäft eingebrochen, die Erwartungen für das laufende Jahr liegen auf einem Rekordtief. „Die USA entwickeln sich zum Risikofaktor“, bestätigt Dominique Mommers, Abteilungsleiterin International bei der IHK. „Hohe Zölle, politische Volatilität und rechtliche Unsicherheiten machen eine langfristige Planung für die Unternehmen zunehmend schwierig.“ Nicht nur außerhalb Europas werden die Hürden höher gelegt: 83 Prozent der Firmen nennen hausgemachte Hindernisse durch EU-Regulierungen als Belastung für ihr Auslandsgeschäft: Lieferkettenvorgaben, Berichtspflichten, Verpackungsregeln oder der CO2-Grenzausgleich treiben Aufwand und Kosten in die Höhe. „Wir als Betriebe stehen unter doppeltem Druck“, warnt Thomas Hanauer, Vorsitzender des IHK-Fachausschusses International und Geschäftsführer der emz Hanauer GmbH & Co. KGaA in Nabburg. „Während global neue Handelshemmnisse entstehen, verschärft Europa zusätzlich seine eigenen Regeln – das bremst uns im Wettbewerb.”

Chancenmärkte dank EU-Abkommen

Viele Firmen orientieren sich verstärkt an neuen Märkten. „Eine breitere Aufstellung ist heute unverzichtbar“, betont Hanauer. Zugleich fordert er weniger bürokratische Hürden und mehr Tempo bei internationalen Handelsabkommen. „Nur mit schlankeren Vorgaben und besseren Rahmenbedingungen kann die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer exportstarken Region gesichert werden.“ Besonders Indien und mehrere Länder Lateinamerikas gewinnen an Bedeutung.
Eine breitere Aufstellung ist heute unverzichtbar.
Das geplante EU-Indien-Abkommen sowie das bereits ausgehandelte EU-Mercosur-Abkommen wecken Erwartungen auf zusätzliche Wachstumsimpulse. Erst kürzlich hat die EU ein Handelsabkommen mit Australien abgeschlossen. Die IHK sieht darin einen Meilenstein, insbesondere für die Rohstoffversorgung der Industrie innerhalb der EU.
„Europa kann und sollte selbstbewusster werden“, sagt IHK-Chef Dr. Jürgen Helmes nicht nur mit Blick auf den Außenhandel. Bei allen bürokratischen Hürden böte die EU den Unternehmen einen hohen Grad an Rechtssicherheit, der langfristige Investitionen begünstige. Potenzielle Neumitglieder wie Island sehen Perspektiven. Dort ist ein vorgezogenes Referendum über einen baldigen EU-Beitritt geplant. Und auch das Mitgliedsland Ungarn scheint nach annähernd zwei Jahrzehnten Bündnisspaltung auf proeuropäischen Kurs umzuschwenken. Der EU-Binnenmarkt könnte künftig also wieder an Bedeutung gewinnen, „wenn zentrale Fragen wie etwa die Sicherheit und Verteidigung, die digitale Souveränität und eine nachhaltige Energiestrategie in Brüssel geklärt werden“, so Helmes.