Wirtschaft konkret
Nr. 7036632
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Region - Ausgabe Mai 2026

Die Lücke wächst weiter

Bis 2029 könnte die Arbeitskräftelücke in der Oberpfalz und im Landkreis Kelheim auf rund 32.000 Personen anwachsen – mit spürbaren Folgen für Wachstum und Wertschöpfung. Besonders gefragt sind Fachkräfte in Verkauf, Bau und Logistik. Zu diesem Ergebnis kommt der aktuelle IHK Arbeitsmarktradar Bayern.
Mit dem IHK Arbeitsmarktradar Bayern liefern Bayerns IHKs eine fundierte Prognose zur Entwicklung von Arbeitskräfteangebot und -nachfrage. Das digitale Analysetool kombiniert aktuelle Daten mit Modellrechnungen und ermöglicht differenzierte Auswertungen nach Regionen, Branchen und Qualifikationen. Für die Oberpfalz und den Landkreis Kelheim zeigt sich ein klares Bild: Die Nachfrage nach Arbeitskräften übersteigt bereits seit 2022 das Angebot – und daran dürfte sich auch in den kommenden Jahren wenig ändern. Zwar kann die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bis 2029 voraussichtlich um 5,5 Prozent auf rund 550.000 steigen. Gleichzeitig verlangsamt sich das Wachstum deutlich. Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist der demografische Wandel: Viele Beschäftigte gehen in den Ruhestand, während weniger junge Menschen nachrücken.
Der Fachkräftemangel ist bereits Realität und wird sich weiter verschärfen.
Die Arbeitskräftelücke – also offene Stellen, für die es keine passend qualifizierten Arbeitslosen gibt – lag 2024 bereits bei rund 20.000. Bis 2029 könnte sie auf etwa 32.000 in der Region anwachsen. Das wäre ein Plus von 60 Prozent. Die Folgen sind erheblich: „Ohne diese Engpässe könnte die Wertschöpfung in der Region um rund 3,7 Milliarden Euro beziehungsweise sechs Prozent höher liegen“, gibt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes zu bedenken. Besonders stark betroffen seien Fachkräfte mit Berufsausbildung. Sie machten über die Hälfte der Arbeitskräftelücke aus. Gleichzeitig nehme die Nachfrage nach höherqualifizierten Beschäftigten deutlich zu: „Die Zahl der Experten mit Masterabschluss steigt um 3,4 Prozent, die der Spezialisten um 8,3 Prozent.“

Branchen und Berufe im Wandel

Der Arbeitsmarktradar zeigt auch, in welchen Bereichen sich Beschäftigung besonders dynamisch entwickelt. Die größten Beschäftigungszuwächse werden unter anderem im Gesundheitswesen, in der Erziehung sowie in der Herstellung elektronischer und optischer Erzeugnisse erwartet. Rückgänge zeichnen sich dagegen beispielsweise im Fahrzeugbau sowie in Teilen der industriellen Fertigung ab.
Die reale Bruttowertschöpfung je Beschäftigtem könnte bis 2029 um 3,5 Prozent sinken.
Auch bei konkreten Berufsbildern zeigen sich deutliche Verschiebungen. „Besonders stark wächst die Nachfrage etwa in der Kinderbetreuung, der öffentlichen Verwaltung sowie in sozialen Berufen“, weiß IHK-Fachkräftereferentin Karen Fisher. Gleichzeitig gehen die Beschäftigtenzahlen in klassischen industriellen Tätigkeiten teilweise zurück. Die größten Fachkräftelücken entstehen unter anderem bei Verkäuferinnen und Verkäufern, Bauelektrikern, Fachkräften in der Lagerwirtschaft sowie Büro- und Verwaltungskräften. Neben der quantitativen Entwicklung zeigt der Arbeitsmarktradar auch eine qualitative Herausforderung: „Die reale Bruttowertschöpfung je Beschäftigtem könnte bis 2029 um 3,5 Prozent sinken. Das heißt also, dass die Fachkräfteengpässe nicht nur das Wachstum bremsen, sondern auch die Produktivität einschränken können“, so Fisher.

Fachkräftesicherung bleibt zentrale Aufgabe

„Der Arbeitsmarktradar macht deutlich: Der Fachkräftemangel ist bereits heute Realität und wird sich weiter verschärfen“, betont IHK-Chef Helmes. Unternehmen müssten daher ihre Personalstrategien frühzeitig anpassen. Wichtig seien die Aus- und Weiterbildung der Beschäftigten, die frühzeitige Gewinnung von Nachwuchskräften, die stärkere Nutzung vorhandener Potenziale sowie die gezielte Zuwanderung von Fachkräften. „Um die Wettbewerbsfähigkeit der Region langfristig zu sichern, braucht es das Zusammenspiel aller Akteure“, so Helmes. Lösungen wie Weiterbildung, Zuwanderung und eine höhere Erwerbsbeteiligung müssten gemeinsam erarbeitet werden. Die IHK stehe ihren Mitgliedsunternehmen dabei immer beratend zur Seite.
IHK Arbeitsmarktradar Bayern

Der IHK Arbeitsmarktradar 2026 wurde vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Köln im Auftrag des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) erstellt. Er ist als Bericht sowie als interaktives Online-Tool verfügbar. Dort lassen sich individuelle Auswertungen für alle Berufe, Branchen und Regionen im Freistaat erstellen. Weitere Infos unter https://arbeitsmarktradar.bihk.de/

Ergebnisse für den IHK-Bezirk www.ihk.de/regensburg/arbeitsmarktradar-bayern
Ansprechpartnerin Karen Fisher | 0941 5694-258 fisher.karen@regensburg.ihk.de