Wirtschaft konkret
Nr. 6980466
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Seit vielen Jahren ein vertrautes Gesicht im OTV-Nachrichtenmagazin: Moderatorin Stephanie Gräß.
Region - Ausgabe März 2026

Vom TV zum Multichannel

Geschäftsführerin Renate Pollinger von TVA und Geschäftsführer Christoph Rolf von OTV sitzen entspannt nebeneinander und sprechen über ihre Unternehmen wie stolze Eltern, die auf ihre gut geratenen, erwachsenen Kinder schauen. Beide waren fast ab der ersten Sendeminute dabei – eine Seltenheit in der Medienbranche. Seit vielen Jahren kooperieren beide Sender eng: Sei es redaktionell, technisch oder medienpolitisch. Seit 2021 teilen sich die beiden auch den europaweiten Satellitenplatz OTVA.

Lokal-TV startet im März 1996

Christoph Rolf hatte vier Jahre Radioerfahrung und stieg als Redaktionsleiter in Amberg ein. Am 1. März 1996 ging OTV um 18 Uhr auf der Frequenz von RTL im nagelneuen Studio live – mit einer moderierten 30-Minuten-Sendung voller lokaler Nachrichten aus der nördlichen Oberpfalz. „Bei uns herrschte Start-Up-Spirit“, erinnert sich Rolf gerne zurück. Zeitungs- und Radiojournalisten beäugten das neue Medium zunächst mit Skepsis. Die Menschen in der Region aber spürten schnell die einzigartige Wirkung des lokalen Fernsehens: Es bringt deine Heimat direkt zu dir nach Hause. Gleich im ersten Monat zeigten die Neulinge dann, dass man sie ernst nehmen muss. Kommunalwahlen standen an und OTV stellte seine erste große Livesendung auf die Beine. „Unser Programm lief damals überall, auch in den Lokalen, jeder wollte das sehen“, erzählt Rolf begeistert.

Einen Monat später folgt TVA

Am 1. April startete in Regensburg TVA als Sender für Ostbayern und den Landkreis Kelheim im Kabelfernsehen – zunächst mit unmoderierten, 15-minütigen Lokalnachrichten im Repeat-Modell.
Renate Pollinger stieg gut vier Wochen später im Vertrieb ein. Moderatorin Stephanie Birnthaler und Anchor Martin Lindner stießen bald dazu. „Wir waren ein eingeschworener Haufen voller Begeisterung und eigentlich Tag und Nacht im Sender“, blickt Pollinger zurück. „Das war für uns keine Arbeit, wir waren hier einfach daheim.“ Dieses „Daheim“-Gefühl spielt bis heute eine große Rolle bei TVA. „Willkommen daheim!“ – so werden im Nachrichten-Flaggschiff TVA-Journal die Zuschauerinnen und Zuschauer stets begrüßt.
Wir waren ein eingeschworener Haufen voller Begeisterung und eigentlich Tag und Nacht im Sender.
Heute sendet jedes Unternehmen täglich rund eine Stunde originäres Programm: Nachrichten, aber auch Sendungen aus den Genres Sport, Freizeit, Boulevard, Kultur, Brauchtum oder Wirtschaft. Echte Quotenbringer sind Live-Sendungen zu Kommunalwahlen oder das jährliche Benefiz-Weihnachtssingen. Die aufwendigste Produktion bisher war der Besuch von Papst Benedikt XVI. in Regensburg 2006 mit stundenlangen Livesendungen an mehreren Tagen.

Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit als Werte

„Aktuelle, lokale Nachrichten sind unser Kerngeschäft“, betont die TVA-Geschäftsführerin. „Dabei stets glaubwürdig zu bleiben, ist unser Ziel.“ Beim Publikum kommt das auch so an: Hohe Glaubwürdigkeit wird beiden Sendern in der Funkanalyse seit Jahren bestätigt. Ein Qualitätskriterium – heute wichtiger denn je – um Fake-News und Desinformation entgegenzusteuern. „Man muss sich ja nur mal umsehen, was in den USA und anderen Ländern los ist“, gibt Rolf zu bedenken. „Was Menschen jetzt brauchen, ist Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit. Und das können wir im Lokalen geben.“ Konsequent setzen daher beide Unternehmen auf einen erfahrenen Mitarbeiterstamm. 38 Menschen arbeiten derzeit bei TVA, bei OTV in Amberg ein paar weniger – etwa doppelt so viele wie noch vor 30 Jahren. Neben „alten Hasen“ sorgt neuer Nachwuchs stets für frischen thematischen und gestalterischen Input, um auch jüngere Zielgruppen zu erreichen.

Mehrere Ausbildungswege

Mehr als 100 Nachwuchskräfte haben TVA und OTV bisher ausgebildet. Neben der dualen Ausbildung Mediengestalter/-in Bild und Ton bieten sie journalistische Volontariate an. „Manche Nachwuchskräfte besitzen gar keinen Fernseher mehr“, erzählt Pollinger lachend. „Sie informieren sich auf allen möglichen anderen Geräten. Das hilft uns sehr, neue Sehgewohnheiten nicht zu verpassen.“ Beide Sender kooperieren in der Ausbildung mit der RTL-Journalistenschule. Unverzichtbarer Bestandteil ist auch Learning-by-Doing. Dass Lokal-TV eine gute Schule ist, zeigt sich auch in vielen Nachwuchskräften, die heute bei überregionalen Medien tätig sind oder sich zu nationalen TV-Persönlichkeiten entwickelt haben. „Hannes Ringlstetter hat bei uns seine erste eigene TV-Sendung bekommen“, berichtet Pollinger stolz.

Rasante technische Entwicklung

Anfangs wurden TV-Beiträge auf Magnetbänder aufgenommen und im analogen Schnitt Bild an Bild kopiert. Heute erreichen digitale Kameras eine Bildqualität, die so gut wie alles möglich macht. Vernetzte Schnittplätze, eine fernsteuerbare Regie sowie der Einsatz von KI haben den ohnehin schnellen Workflow dieser Branche nochmals beschleunigt und die heutige Multichannel-Ausrichtung beider Sender erst möglich gemacht. TVA und OTV bieten ein breites Portfolio, Videocontent auch jenseits des Fernsehens zu verbreiten – und bieten über angegliederte Produktionsagenturen zusätzlich aufwendige Imagevideos für Unternehmen. „Alle Kanäle, auf denen man uns sehen kann, kann ich kaum aufzählen“, schmunzelt OTV-Chef Rolf. „Kabel, Satellit oder im Netz.“ Pollinger ergänzt: „Wir sind außerdem empfangbar über verschiedene Streaming-Anbieter sowie Smart-TVs, über unsere Mediatheken, Websites, Social-Media-Kanäle und Apps. Wir sind damit auf der ganzen Welt zu sehen und erreichen Content-Aufrufe in Millionenhöhe.“
Was Menschen jetzt brauchen, ist Glaubwürdigkeit und Verlässlichkeit.
30 Jahre in der Medienlandschaft zu bestehen, die zusätzlich starken Konzentrationen unterworfen war, ist eine durchaus beachtliche Leistung. „Das schätzen auch unsere Werbekundinnen und -kunden sehr“, berichtet Pollinger. „Sie bleiben uns treu. Oder kehren nach einem Ausflug in die Social Media-Welt zurück, weil sie merken: Wir sind ein verlässlicher Partner. Und natürlich ist die Wertigkeit unserer Spots und deren reichweitenstarke Ausstrahlung über unsere vielen Kanäle einfach eine ganz andere Hausnummer.“
Jüngstes Kind ist wotsch-tv: 2025 haben sich alle bayerischen Lokal-TV-Sender zu dieser gemeinsamen Plattform zusammengeschlossen, die Nachrichten aus allen Regionen sowie verschiedene Themen-Channels bietet. „Die 30 Jahre sind wie im Flug vergangen“, lacht TVA-Chefin Pollinger. „Gerade die technische Weiterentwicklung war rasant. Es ging auf unserer Reise längst nicht immer geradeaus, aber wir hatten das nötige Quäntchen Glück.“ Diversifizierung und KI werden weiterhin eine große Rolle spielen. Ebenso die Aufgabe, junges Publikum zu gewinnen. „30plus ist die Zielgruppe, die wir anpeilen. Viele haben uns als Kinder mit ihren Eltern oder der Oma geschaut und kommen wieder, weil sie bei uns aktuelle Informationen über ihre Heimat glaubwürdig und ohne Paywall erhalten.“ Trotz aller Herausforderungen sei eines immer gleichgeblieben, betont OTV-Mann Rolf: „Unser Fokus auf lokale Nachrichten.“ Und das soll auch in Zukunft bei beiden Sendern so sein.
Das steckt hinter TVA und OTV

Die Eigentümer
Beide Fernsehsender bauten von Anfang auf etablierte Gesellschafter aus der bayerischen Verlags- und Medienbranche. Die Neue Welle, ein Unternehmen der Nürnberger Unternehmerfamilie Oschmann, ist Gesellschafter an beiden Sendern. OTV komplimentiert die Oberpfalz Medien (Der Neue Tag, Weiden). Bei TVA bilden die Mediengruppe Bayern in Passau als Nachfolger der Mittelbayerischen Zeitung, die Mediengruppe Attenkofer der Familie Balle aus Straubing sowie der Mallersdorfer Medienunternehmer Heribert Wühr die Gesellschaft.


Sendegebiete
Bis heute erstreckt sich das Sendegebiet von OTV neben den Städten Amberg und Weiden auch auf die Städte und Landkreise Amberg-Sulzbach, Neustadt an der Waldnaab, Tirschenreuth und Schwandorf. TVA deckt die Städte und Landkreise Regensburg, Cham sowie Kelheim ab. Laut der Funkanalyse 2025 sehen rund 60 Prozent aller Menschen über 14 Jahren regelmäßig ihren jeweiligen Heimatsender.