Wirtschaft konkret
Nr. 7148262
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Ostbayerische, oberfränkische, sächsische und nordböhmische Kammervertreter beim Treffen auf dem Egerer Marktplatz.
Bayern-Čechy - Ausgabe September 2026

Eger in Bewegung

Der Karlsbader Kreis galt lange Zeit als eine der wirtschaftlich schwächeren Regionen Tschechiens, weit hinter den großen Wachstumsräumen Prag, Brünn und Pilsen. Doch das alte böhmische Bäderdreieck im Herzen Europas wird nach und nach zum Anziehungspunkt für multinationale Konzerne. Das liegt an der Lage, der guten Erschließung und dem roten Teppich, der Investoren ausgerollt wird. Zum Beispiel hat BMW in Sokolov vor ein paar Jahren 300 Millionen Euro in ein Future Mobility Development Center mit Testgelände und 100 teils hochqualifizierten Beschäftigten investiert.
Unlängst sorgte die direkt an die Nordoberpfalz grenzende Stadt Eger/Cheb für Aufsehen. Mit der Ansiedlung eines Lkw-Montagewerks von Daimler Truck dürfte die ganze Grenzregion in den kommenden Jahren einen großen Sprung nach vorne machen. Auf rund 65 Hektar wird der deutsche Lkw-Hersteller ein Produktionswerk errichten. „Auf kommunaler, regionaler und nationaler Ebene erhalten wir die notwendige Unterstützung – das ist keineswegs selbstverständlich“, freut sich der Projektleiter der Daimler Truck AG Dirk Schlicht bei einem Treffen mit ostbayerischen, oberfränkischen, sächsischen und nordböhmischen Kammervertretern in dem rund 33.000 Einwohner zählenden, historischen Grenzstädtchen.
Mit dem neuen Standort in Eger will Daimler Truck sein Produktionsnetzwerk neu aufstellen. „Durch Neuverteilung des Produktionsvolumens in unserem Verbund stärken wir die Wettbewerbsfähigkeit des gesamten Netzwerks. Wir erhöhen unsere Effzienz im Produktionsverbund und sichern damit auch Beschäftigung und Wertschöpfung in Deutschland“, erklärt Schlicht. Über 1.000 Mitarbeitende will man hierfür in Cheb einstellen, der überwiegende Teil in der Produktion, insbesondere in der Montage. „Unser Ziel ist es, vor allem Fachkräfte aus der Region zu gewinnen. Deshalb stehen wir bereits im Austausch mit regionalen Berufsschulen, um Kooperationsmöglichkeiten zu analysieren.“

Potenziale und Herausforderungen

Für den Vorstandsvorsitzenden der Wirtschaftskammer für den Karlsbader Kreis Tomáš Linda ist Daimler Truck „ein Investor von außerordentlicher Bedeutung“. Die tschechische Seite sieht enormes Potenzial für die langfristige Entwicklung der gesamten Region. „Der Wert einer Großinvestition bemisst sich schließlich nicht allein an der Zahl der neu entstehenden Arbeitsplätze, sondern auch daran, welchen nachhaltigen Einfluss sie auf den Standort hat.“ Neben der aktiven Begleitung bereits in der Vorbereitungsphase will die Karlsbader Kammer Themen vorantreiben, die für den langfristigen Erfolg der Investition entscheidend sind, „von der Fachkräftesicherung und beruflichen Bildung über Wohnraum bis hin zur Verkehrsinfrastruktur“, verspricht Linda.
„Die größte Herausforderung des Projekts dürfte angesichts des demografischen Wandels die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte werden“, sagt Florian Rieder von der IHK-Geschäftsstelle Nordoberpfalz. Karlsbad und alle angrenzenden Regionen wie die Oberpfalz, aber auch Oberfranken und Sachsen, sollten die Großinvestition als Chance begreifen, die gemeinsame Wirtschafts- und Arbeitsregion weiter gemeinsam aufzustellen und als starken Raum zu entwickeln, betont Rieder.
Das Fazit des Treffens: „Die Grenzregion verändert sich mit großen neuen Gewerbeansiedlungen nachhaltig, sie wird insgesamt wirtschaftlich stärker und von diesem Wachstum wiederum profitieren alle“, resümierte Karla Stánková vom IHK-Regionalbüro in Pilsen.
IHK vor Ort in Pilsen
Bei allen Fragen zu wirtschaftlichen Themen im Nachbarland hilft das gemeinsame Regionalbüro Pilsen der IHK Regenburg für Oberpfalz / Kelheim und der Deutsch-Tschechischen IHK gerne weiter.